Uwe Krupp gewann 1996 mit der Colorado Avalanche den Stanley Cup und begleit... - Bildquelle: imago images/ZinkUwe Krupp gewann 1996 mit der Colorado Avalanche den Stanley Cup und begleitet die Final-Serie nun als ran-Experte © imago images/Zink

ran: "Herr Krupp, hat es Sie überrascht, dass sich Tampa Bay nach dem 0:7 in Spiel zwei mit einem 6:2 in Spiel drei so stark zurückgemeldet hat?"

Krupp: "Es wäre für Colorado ein optimistisches Szenario gewesen, auch Spiel drei zu gewinnen. Tampa Bay ist eine Top-Mannschaft. Nicht ohne Grund hat diese Mannschaft in den vergangenen beiden Jahren den Stanley Cup gewonnen und steht nun erneut im Finale. Sie haben eine Gewinner-Mentalität und viel Erfahrung. Dieses Team weiß, wie sich eine Serie gewinnen lässt."

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ran: "Dennoch hatte Colorado die ersten beiden Spiele gewonnen…" 

Krupp: "Tampa Bay hat in den beiden Spielen unter seinen Möglichkeiten gespielt, während Colorado mit sehr viel Druck aufgetreten ist. Lightning-Torwart Andrei Wasilewski trat auch nicht so dominant auf wie sonst. Er hat einige Gegentore bekommen, die er normalerweise nicht bekommt. Er ist eigentlich ein super Torwart. Überhaupt hat Tampa Bay sehr viel Qualität. Sie haben bereits im Conference Finale gegen die New York Rangers mit 0:2 zurückgelegen und dann vier Spiele in Serie gewonnen. Mit Colorado haben sie nun eine härtere Aufgabe. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Tampa Bay nun in der Serie angekommen ist. Spiel vier wird auf jeden Fall ein heißer Tanz."

 

ran: "Könnte das Spiel wegweisend sein, weil Tampa Bay bei einem erneuten Sieg mental im Vorteil wäre und Colorado andererseits die Chance hat, sich mit dem 3:1 zwei "Matchbälle" zu erarbeiten?" 

Krupp: "Wenn Tampa Bay gewinnt, geht es mit einem 2:2 wieder von vorne los und wir haben eine Best-of-Three-Serie. Wir haben in dieser Saison schon öfter erlebt, dass Mannschaften nach einem Rückstand wieder zurückkommen und eine Serie drehen. Spiel vier wird hier ein ganz wichtiges Spiel, ein Leckerbissen für alle Eishockey-Fans."

ran: "Nun werden vermutlich auch einige Sport-Interessierte zuschauen, die sich nicht tiefgehend mit der NHL beschäftigt haben. Können Sie einmal zusammenfassen, was diese beiden Mannschaften grundsätzlich auszeichnet?"

Krupp: "Colorado ist in den vergangenen beiden Spielzeiten relativ früh in den Playoffs ausgeschieden, obwohl sie damals bereits eine ähnliche Qualität in der Mannschaft hatte wie diese Saison. Nun haben sie aber gelernt, wie man gewinnt. Dort sind Spieler wie Nathan MacKinnon, Cale Makar, Gabriel Landeskog oder Mikko Rantanen herangewachsen, die wichtige Rollen übernehmen. Dadurch haben sie jetzt die Chance, den Stanley Cup zu gewinnen. Das ist nach wie vor eine junge Mannschaft. Aber sie spielen mit viel Tempo, machen Forechecking (frühzeitiges stören des gegnerischen Aufbauspiels, Anm.d.Red.) und sehr viel Druck. Diese Mannschaft hat viel Energie."

ran: "Und der Titelverteidiger Tampa Bay?"

Krupp: "Tampa Bay hat eine erfahrene Mannschaft. Sie haben zwei Mal hintereinander den Stanley Cup gewonnen. Sie haben in Andrei Wasilewski den besten Torwart der Liga. Sie spielen aus einer stabilen Abwehr heraus, haben aber auch eine sehr gefährliche Offensive mit Spielern wie Steven Stamkos oder Nikita Kutscherow. Alle Angriffsreihen sind top besetzt. Letztendlich wissen beide Mannschaften, wo das Tor steht. Tampa Bay hat in Spiel drei sechs Tore erzielt, Colorado in Spiel zwei sieben Tore." 

ran: "Auffällig ist auch, dass alle drei Spiele der Finalserie durch die jeweilige Heimmannschaft gewonnen wurde. Wie wichtig ist der Heimvorteil in einer Best-of-Seven-Serie?"

Krupp: "Da gibt es unterschiedliche Meinungen. Ich finde nicht unbedingt, dass es ein Vorteil ist, wenn man mit zwei Heimspielen beginnt. Dadurch liegt gleich ein großer Druck auf der Heim-Mannschaft. Allerdings hat Colorado beide Heimspiele gewonnen. Sie hatten auch das Glück, dass sie vorher eine Pause hatten, während Tampa Bay sich in einer langen Serie gegen die Rangers durchsetzen musste."

ran: "In Nico Sturm von der Colorado Avalanche nimmt auch ein deutscher Spieler an dem Stanley-Cup-Finale teil. Er mag nicht der auffälligste Spieler sein, stand aber in allen drei Partien auf dem Eis. Wie beurteilen Sie seine Leistung?"

Krupp: "Ich glaube, dass Nico eine sehr schlaue Verpflichtung von Colorado gewesen ist. Sie wollten einen Spieler für eine ganz bestimmte Rolle haben. Er ist stabil, gut im Unterzahlspiel und macht einen wirklich guten Job. Er bekommt das Vertrauen vom Trainerstab. Ich freue mich riesig für ihn. Ich weiß ja, was für ein Gefühl das ist, in Colorado Eishockey zu spielen. Ich drücke ihm jedenfalls die Daumen. Wenn er so weitermacht, ergibt sich eine super Chance, am Ende den Stanley Cup zu gewinnen."

ran: "Als Sie den Cup 1996 gewonnen haben, zählte Joe Sakic zu Ihren Mitspielern. Nun ist er seit 2014 der General Manager der Franchise. Ist Sakic der entscheidende Mann hinter der potenziellen Meister-Truppe?"

Krupp: "Joe und Colorado zeichnen sich durch Stabilität aus. Sie haben immer an Trainer Jared Bednar festgehalten. Das ist im Profisport nicht immer die Norm. Sie haben erkannt, dass sie eine gute Mannschaft haben, die allerdings Zeit gebraucht hat, um wirklich zu lernen, wie man gewinnt. In den letzten zwei Jahren war Colorado eher eine kleine Enttäuschung. Alle haben von dieser Mannschaft gesprochen, letztendlich sind sie aber früh ausgeschieden. Trotzdem hat Joe an den Weg geglaubt. Er hat keine großen Blockbuster-Trades gemacht, sondern über Jahre eine gute Mannschaft aufgebaut. Die Mannschaft bekam die Zeit, sich zu entwickeln. Und das ist auf die Qualität des Managements zurückzuführen."    

Das Gespräch führte Oliver Jensen

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