- Bildquelle: 2022 Getty Images © 2022 Getty Images

München/Colorado – Nico Sturm musste sich gedulden. 16 Spieler lang. Dann war er endlich an der Reihe.

Es war für ihn selbst ein magischer Moment, als er als 17. Akteur der Colorado Avalanche den Stanley Cup endlich in die Höhe stemmen durfte. Sturm strahlte über das ganze Gesicht. 

Voller Stolz trug er den Pott über das Eis, sog die Emotionen nach dem Triumph förmlich auf, da störte es auch nicht, dass der 16 Kilogramm schwere und 90 Zentimeter große Cup ein echtes Ungetüm ist.

Der dritte Titel nach 1996 und 2001

Denn Sturm hat nach Uwe Krupp, Dennis Seidenberg, Tom Kühnhackl und Philipp Grubauer als fünfter deutscher Eishockey-Profi den Stanley Cup gewonnen und damit ein wichtiges Kapitel deutscher Eishockey-Geschichte geschrieben. 

Der 27-Jährige siegte mit der Avalanche im sechsten Play-off-Finale der NHL beim Titelverteidiger Tampa Bay Lightning mit 2:1, der Klub aus Denver entschied die Best-of-seven-Serie mit 4:2 für sich. Für die Avalanche ist es der dritte Meistertitel nach 1996 und 2001. 

Sturm, der erst vor drei Monaten von der Minnesota Wild nach Denver transferiert worden war, kam im entscheidenden Spiel auf 5:43 Minuten Eiszeit. 13 Einsätze absolvierte er in der Postseason, seine Eiszeit betrug im Schnitt 8:26 Minuten. Zwei Assists konnte er verbuchen. 

 

Sturm ist nicht der Superstar wie aktuell Leon Draisaitl, oder der große Held wie früher Krupp, der die Avalanche 1996 mit seinem Tor in der dritten Verlängerung in Spiel 4 zum Titel schoss. Sturm ist in Deutschland bislang eher unbekannt.

Denn er ist der Mann aus der "dritten und vierten Reihe. Da geht es natürlich vor allem darum, hinten dicht zu machen, meine Bullys zu gewinnen, in Unterzahl gut zu stehen", erklärte er. Es sind die anderen, die zaubern, die für die Schlagzeilen sorgen. Was Sturms Rolle für die Avalanche aber nicht schmälert.

Denn ihren Anteil am Erfolg haben Jungs wie Sturm nämlich trotzdem, weshalb Kapitän Gabriel Landeskog die Pokalübergabe auch nutzte, um einige Spieler, darunter explizit auch Sturm, zu würdigen, die eher in der zweiten Reihe stünden: "Diese Jungs machen es den Gegnern wirklich schwer. Sie wollten es so sehr und taten, was auch immer notwendig war."

Knochenarbeit für die große Karriere

Das passt auch zur NHL-Karriere, für die Sturm auch tat, was nötig war. Er ist der Beweis dafür, dass harte Arbeit zum großen Ziel führen kann. 

Der Weg des Stürmers in die NHL war kein Selbstläufer. Seine Ausbildung genoss er in Augsburg, 2013/14 ging er in die USA. In der DEL hat Sturm nie gespielt, in der Senioren-Nationalmannschaft auch nicht. Stattdessen ging er durch die harte Schule der unteren US-Ligen, arbeitete sich buchstäblich nach oben, spielte in der North American Hockey League, in der United States Hockey League, außerdem ab 2016 parallel zu seinem Wirtschaftsstudium an der Clarkson University in der College-Liga ECAC. 

Der endgültige Durchbruch gelang ihm vor drei Jahren, als er sein erstes NHL-Spiel für die Minnesota Wild absolvierte, nachdem die Franchise ihn als Free Agent verpflichtete.

 

"Er hat Knochenarbeit geleistet, um eine feste NHL-Größe zu werden. Das ist inspirierend, das ist großartig", sagte Draisaitl: "Als er jünger war, sah es nicht so aus, als würde ihn sein Weg in die NHL führen." Dass Sturm es dennoch ganz nach oben geschafft hat, gefällt dem Kölner: "Ich freue mich wirklich sehr für ihn."

Jetzt geht die Party los

Die Party hat für Sturm und Co. jetzt erst angefangen, am Donnerstag steht die große Parade in Denver an. Und irgendwann auch die Zukunftsplanung, denn sein Vertrag läuft aus.

Heißt: Er wird sich gedulden müssen. Als Stanley-Cup-Sieger wartet es sich allerdings deutlich entspannter.

Du willst die wichtigsten NHL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.

News-Ticker

Video-Tipps

Aktuelle Galerien