Ondrej Palat trifft häufig dann, wenn es am wichtigsten ist - Bildquelle: Getty ImagesOndrej Palat trifft häufig dann, wenn es am wichtigsten ist © Getty Images

München/Denver - Als Ondrej Palat mal wieder entscheidend getroffen hatte, dürfte es in einer tschechischen Stadt wesentlich lauter gewesen sein als in der Ball Arena von Denver.

In Frydek-Mistek, der über 8000 Kilometer entfernten Heimat des Stürmers des Tampa Bay Lightning, hatten sich mitten in der Nacht zahlreiche Palat-Fans versammelt, um in der kleinen Eishalle beim Public Viewing mit ihrem Local Hero mitzufiebern.

Die Eltern von Palat hatten die Party organisiert. Und sie werden wohl auch in der Nacht auf Montag nicht im Bett liegen, sondern ihrem berühmten Sohn die Daumen aus der Ferne drücken.

Palat schockt die Avalanche

Die 18.000 Fans in Denver, die in Spiel fünf die Halle zuvor in ein Tollhaus verwandelt hatten und das gesamte dritte Drittel auf ihren Plätzen standen, hatte Palat mit dem 3:2 geschockt.

Es war alles bereitet für eine grandiose Party: Die Colorado Avalanche brauchte nur noch einen Erfolg für den Stanley-Cup-Triumph, die riesige Trophäe stand frisch poliert schon bereit für die feierliche Zeremonie. Und dann kam Palat nach einem Pass von Star-Verteidiger Victor Hedman.

 

Die Serie geht also weiter mit dem sechsten Spiel in den NHL-Finals in Florida (ab 1.50 Uhr live auf ProSieben MAXX und ran.de).

Palat: "Ein einfacher Schuss für mich"

Für Palat war es ein "einfacher Schuss", für das Duell um den Stanley Cup womöglich weit mehr. Doch die Coolness des 31-jährigen Tschechen ist nicht gespielt. Er ist einfach kälter als Eis. Es war längst nicht das erste Mal, dass Palat in den entscheidenden Phasen die Ruhe bewahrt und trocken eingenetzt hat.

"Sneaky P" – was so viel bedeuten soll wie "raffinierter Palat" - hat schon so oft getroffen, wenn es darauf ankam, dass er sich in den einschlägigen Statistiken der NHL längst einen Namen gemacht.

Mit seinem insgesamten zwölften Siegtor in einem Playoff-Spiel baute Palat seinen eigenen Franchise-Rekord weiter aus. Mit Evgeni Malkin (13) und Joe Pavelski (14) haben nur zwei noch aktive Profis mehr spielentscheidende Treffer in der Endrunde erzielt als der linke Flügelstürmer des Lightning.

Bei 48 Playoff-Treffern ist in der Lightning-Historie nur sein derzeitiger Sturmpartner Nikita Kutscherow (52) erfolgreicher.

Erst zum zwölften Mal in der NHL-Geschichte traf ein Spieler in den letzten zehn Minuten vor dem drohenden Aus seiner Mannschaft zum Sieg. Palat ließ sich damit bis knapp sieben Minuten vor dem Ende Zeit – nur drei Spieler vor ihm hatten es laut "The Athletic" noch spannender gemacht.

Kapitän Stamkos von Palat beeindruckt

"Er hat schon sehr viele wichtige Tore in den Playoffs erzielt. Das ist schon bemerkenswert. Er findet immer einen Weg", sagte Kapitän Steven Stamkos und zog verbal den Hut vor seinem Teamkollegen, dem in diesen Playoffs schon in den Eastern Conference Finals ein sehr wichtiges Tor gelungen ist.

Tampa Bay lag gegen die New York Rangers in der Serie schon mit 0:2-Siegen zurück, als Palat im dritten Spiel in der letzten Minute der regulären Spielzeit das 3:2 für die Lightning schoss und den Titelverteidiger im Rennen hielt.

Zur Legende im Sunshine State machten ihn aber nicht nur die wichtigen Tore, sondern vor allem seine außergewöhnliche Loyalität. Er hätte womöglich woanders mehr Geld bekommen können. Doch bislang blieb er der Franchise treu, die ihn 2011 ganz spät in der siebten Runde gedraftet hat. Nur ganz selten legen mit dieser Ausgangslage eine solche Karriere hin.

Am 13. Juli jedoch könnte er Free Agent werden. Noch ist nicht klar, ob er mit seinem Gehalt auch in Zukunft ins Salary Cap des Lightning passt. Der gewiefte General Manager Julien BriseBois ist aber dafür bekannt, die Gehaltsobergrenze bis zum letzten Cent auszureizen. Vielleicht findet er auch einen Weg, den Tschechen zu halten.

Palat selbst will darüber derzeit nicht reden. Stattdessen bedankt er sich lieber bei den treuen Fans in seiner Heimat. "Die Unterstützung von zu Hause fühlt sich gut an", sagt er. "Es ist ja dort dann schon sehr spät, wenn das Spiel läuft."

In Frydek-Mistek würden sie wahrscheinlich am liebsten noch zweimal die Nacht zum Tage machen – und dann mit ihm den dritten Stanley-Cup-Triumph in Folge feiern.

ProSieben MAXX und ran.de übertragen Spiel 6 der Stanley Cup Finals in der Nacht von Sonntag auf Montag live ab 1:50 Uhr

von Tobias Wiltschek

Du willst die wichtigsten NHL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android. 

News-Ticker

Video-Tipps

Aktuelle Galerien