München/Nashville - Der Flieger der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft hob ohne Nico Sturm in Richtung Helsinki ab - und das aus gutem Grund. Der Augsburger hat keine Zeit für die Weltmeisterschaft in Finnland. Sturm ist mit der Colorado Avalanche in den NHL-Playoffs auf dem besten Wege in Richtung Stanley Cup. (Die NHL gibt es immer sonntags live auf ProSieben MAXX und ran.de)

Runde eins hat das Team aus Denver mit Bravour und schnellstmöglich abgehakt. 5:3 siegten Sturm und Co. und stellten die Serie auf 4:0 gegen die Predators, die trotz ihres Schweizer Star-Verteidigers Roman Josi hinweggefegt und diesen bitteren Sweep hinnehmen mussten.

"Wille hat sich durchgesetzt"

In der Hauptstadt der Country-Musik gab Colorado den Takt vor und erhob sich angeführt von Cale Makar und Nathan MacKinnon wieder in den Rang des Top-Favoriten auf die wichtigste Eishockey-Trophäe der Welt. "Wir haben es unbedingt in diesem Spiel gewollt, der Wille unseres Teams hat sich durchgesetzt", sagte Makar.

Dabei hatte es unmittelbar vor dem Start in die Endrunde berechtigte Zweifel an der Verfassung der Avalanche gegeben. Die Mannschaft von Headcoach Jared Bednar hatte sich ein Formtief zu Unzeit genommen mit sechs Niederlagen in den letzten sieben Spielen der Hauptrunde.

Doch das punktemäßig zweitbeste Team der sogenannten "Regular Season" reagierte unbeeindruckt und ist offenkundig pünktlich zur "Crunchtime" der Saison zur Stelle. "Uns interessiert gerade nur, dass wir Spiele gewinnen. Das ist nur der erste Schritt gewesen", stellte Makar heraus. "Sehr fokussiert, sehr konstant", nannte Bednar die jüngsten Leistungen.

Sturm vor allem defensiv gefordert

Sturms Anteil am Erfolg beschränkt sich weitgehend auf die Defensivarbeit. Mit seiner Stärke im Bullykreis, seiner Physis und dem robusten Zweikampfverhalten hilft er, Unheil vom eigenen Tor fernzuhalten. Offensive Akzente sind eher selten, der Center wartet etwa auch nach wie vor auf seinen ersten Treffer für die Franchise aus der Mile High City.

Solche Glanzpunkte setzen andere: Makar zum Beispiel, der mit Josi und Victor Hedman (Tampa Bay Lightning) um die Trophäe für den besten Verteidiger der Saison ringt. Sein 2:1 im vierten Spiel mit einem Handgelenkschuss der Extraklasse war ebenso beeindruckend wie die Vorarbeit zum 4:3 durch Waleri Nitschuschkin. In der Serie gegen den Finalisten von 2018 gelangen dem Kanadier herausragende drei Tore und sieben Assists.

"Er ist wahrscheinlich der beste Spieler der Liga aktuell. Wie er das Spiel aus Defensive heraus dominiert, ist einfach erstaunlich", sagte Power Forward MacKinnon, der selbst überzeugt mit Wucht, Geradlinigkeit und Präzision, die sich in fünf Treffern gegen Nashville äußerte. Kapitän Gabriel Landeskog setzt wichtige Akzente mit seiner Präsenz und zeigt, welch ein Segen seine Rückkehr zu den Playoffs war. Davor war der Schwede verletzungsbedingt am 10. März letztmals zum Einsatz gekommen.

Die Aufzählung an Klassespielern ließe sich weiter fortsetzen, weil Colorado aus einem riesigen Füllhorn an Qualität schöpft. Nazem Kadri und Mikko Rantanen seien hier ebenso noch genannt wie die Verteidiger Devon Toews und Erik Johnson. Die Anwartschaft auf dem ultimativen Preis kommt nicht von ungefähr. Das weiß auch Makar: "Wir haben eine Gruppe, die es weit bringen kann."

Minnesota oder St. Louis in der nächsten Runde 

Wenn man aktuell zwingend nach einer Problemstelle fahnden möchte, dann ist sie im Tor zu finden. Nummer-Eins-Goalie Darcy Kuemper, bei den Avalanche Nachfolger des Deutschen Philipp Grubauer, machte in Spiel gegen Nashville drei unliebsame Bekanntschaft mit dem Schläger von Ryan Johansen, der sich im Schutzgitter des Helmes verhakt hatte.

Der Schreck war zunächst groß, eine schwere Augenverletzung nicht ausgeschlossen, doch Kuemper hatte Glück im Unglück. Seine Sehfähigkeit nahm keinen strukturellen Schaden und ein schnelles Comeback ist sehr wahrscheinlich. Dennoch bleiben Zweifel, ob Kuemper nicht eventuell eine mentale Beeinträchtigung mit aufs Eis nimmt und ob der Tscheche Pavel Francouz ihn im Fall der Fälle für längere Zeit gleichwertig ersetzen kann.

Aber dies ist ein potenzieller Negativfaktor, der nicht über die Maßen ins Gewicht fällt, so denn das generelle Konstrukt weiterhin stimmt. Ob dem so bleibt, werden die St. Louis Blues oder Sturms Ex-Team Minnesota Wild im Conference Semifinal auf Herz und Nieren prüfen. Frühestens in der Nacht zum Freitag wird feststehen, wer sich als Nächstes gegen die Lawine zu stemmen versucht. "Wir sind heiß auf diese Herausforderung", machte MacKinnon deutlich.

Ruben Stark

Du willst die wichtigsten NHL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.

News-Ticker

Video-Tipps

Aktuelle Galerien