Früher in der NFL bei den Buffalo Bills, heute in der XFL bei den DC Defende... - Bildquelle: getty images / instagram @ ajtarpleyFrüher in der NFL bei den Buffalo Bills, heute in der XFL bei den DC Defenders: Linebacker A.J. Tarpley © getty images / instagram @ ajtarpley

München/Washington - Auf den ersten Blick hätte sein erstes Jahr in der NFL kaum besser verlaufen können. Obwohl A. J. Tarpley im NFL-Draft 2015 durch das Raster fiel, kam er damals bei den Buffalo Bills unter und wurde ein fester Bestandteil der Mannschaft.

14 Saisonspiele hatte der Linebacker damals absolviert. Am letzten Spieltag fing er gegen die New York Jets eine Interception und ruinierte dem Division-Konkurrenten den Traum von den Playoffs.

 

Er hätte allen Grund gehabt, zuversichtlich in seine zweite Saison zu blicken und von hochdotierten Verträgen zu träumen.

Doch was tat Tarpley? Genau das Gegenteil: Er beendete seine Karriere. Der Grund waren die Sorgen um seine Gesundheit.

Vier Gehirnerschütterungen

Vier Gehirnerschütterungen erlitt er in seiner kurzen Laufbahn. Kopfschmerzen, Gleichgewichtsprobleme, Sehstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten waren die Folge. "Aufgrund meiner Position besteht ein erhöhtes Risiko", sagte er damals gegenüber "CBS" und zog daher die Konsequenz.

Für die Öffentlichkeitsarbeit der NFL war dies der Super-GAU.

Zu einer Zeit, als eine Studie eine Verbindung zwischen Football und der Gehirnerkrankung CTE hergestellt hatte und sogar Hollywood-Star Will Smith mit dem Film "Erschütternde Wahrheit" auf das Gesundheitsrisiko aufmerksam machte, war der Rücktritt von Tarpley das i-Tüpfelchen.  

Zumal er nicht der einzige war: Chris Borland von den San Francisco 49ers hatte ein Jahr zuvor aus selbigen Gründen seinen Rücktritt erklärt – ebenfalls nach nur einer Saison.    

Gemeinsamkeiten zwischen Profisport und Wall Street

Tarpley fand eine neue Berufung: Er ging als Aktienbroker an die Wall Street. Statt Tackles und Interceptions waren nun Kursanstiege und Dividenden sein Ziel.

Er entdeckte sogar Gemeinsamkeiten zwischen Profisport und Aktienhandel. "Man muss versuchen, Entscheidungen in Sekundenbruchteilen zu treffen und unter Druck cool zu bleiben", verriet er gegenüber "CBS Sports".

Kein Wunder also, dass einige seiner Kollegen ebenfalls ehemalige Athleten waren. "Mein Boss hatte Football in Harvard gespielt. Mein Tischnachbar war sieben Jahre bei den Seattle Mariners (Baseball-Team aus der MLB)", berichtet er.

Auch ehemalige Basketball- und Lacrosse-Spieler befanden sich in seinem Kollegenkreis. Manchmal trieben sie sogar vor oder nach der Arbeit gemeinsam Sport. Vielleicht wurde Tarpley auch dadurch klar, dass er es noch einmal mit dem Football versuchen muss.  

"Wenn ich morgens aufwache und jeden Tag die Lust verspüre, Football zu spielen, dann bin ich es mir selber schuldig, dies auch zu tun", sagte er. Allzu lange warten durfte er damit nicht. "Sonst ist man irgendwann zu lange vom Sport weg, um noch einmal zurückkehren zu können.“

Er hatte also keine Zeit zu verlieren: Im Sommer 2018 kündigte er seinen Job an der Wall Street. Von diesem Zeitpunkt an trainierte er Tag für Tag, um noch einmal eine Chance in der stärksten Footballliga der Welt zu bekommen.

Doch der erhoffte Anruf von einem NFL-Team blieb aus.

Erst die AAF, nun die XFL

Er hätte seine Comeback-Absichten begraben müssen, wären nicht zwei neue Footballligen entstanden. Im vergangenen Jahr kam er in der Alliance of American Football (AAF) bei San Diego Fleet unter.

Er knüpfte direkt dort an, wo er drei Jahre zuvor in der NFL aufgehört hatte. In Woche drei fing er gegen San Antonio Commanders eine Inteception und trug diese zum Touchdown zurück. Die Belohnung: Tarpley wurde zum "AAF Defensive Player of the Week" ernannt.

Dann die große Enttäuschung: Noch vor Ende der ersten Saison wurde die Liga aus finanziellen Gründen eingestellt.  

In der XFL wagt der 27-Jährige nun einen erneuten Anlauf, steht bei den DC Defenders unter Vertrag und blickt heute dem Spiel gegen die Los Angeles Wildcats (ab 0 Uhr im Livestream auf ran.de, zuvor ab 21 Uhr New York Guardians gegen St. Louis Battlehawks) entgegen.

Ob es ihm gelingt, sich noch einmal für die NFL zu empfehlen? "Mein Leben wird das sein, was ich daraus mache. Mein Glück liegt in meinen eigenen Händen", weiß er. Starke Leistungen sind die Voraussetzung, um noch einmal dort hinzukommen, wo er früher schon einmal war.

Und falls das nicht gelingt? Dann wendet er sich wohl wieder den Aktien zu.

Oliver Jensen

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