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Drews zum Duell Eubank Jr. vs. Yildirim

ranSicht von Tobias Drews zur Ali Trophy: Eubank geht mit Yildirim hohes Risiko

In seiner Kolumne auf ran.de schreibt ranBoxen-Experte und Kommentator Tobias Drews über das bevorstehende Viertelfinale im Supermittelgewicht (der komplette Kampfabend am 7. Oktober ab 20 Uhr live auf ranFIGHTING.de) um die Muhammad Ali Trophy zwischen Chris Eubank Jr. und Avni Yildirim. Und er verrät, warum Eubank mit der Wahl seiner Gegners ein hohes Risiko eingeht.

07.10.2017 11:30 Uhr / ran.de / Tobias Drews
Tobias Drews über Chris Eubank Jr. vs. Avni Yildirim
ranBoxen-Experte und Kommentator schätzt das Viertelfinale der Muhammad Ali Trophy zwischen Chris Eubank Jr. (Bild) und Avni Yildirim ein. © 2017 Getty Images

München/Stuttgart - Von allen acht Teilnehmern der World Boxing Super Series um die "Muhammad Ali Trophy" im Supermittelgewicht (Limit bis 76,2 KG), hat der Engländer Chis Eubank Jr. den schwersten Weg gehen müssen. Vor der sicheren Teilnahme stand der Qualifikationskampf gegen Arthur Abraham, den Eubank souverän gewinnen konnte. 

Doch man darf den Eindruck haben, dass Eubank ein Freund dieser "schweren Wege" ist. Denn die Wahl von Avni Yildirim (16 Kämpfe, alle gewonnen) als Gegner für das Viertelfinale, ist weltweit als deutliches Zeichen von großem Selbstvertrauen gedeutet worden. Ein Sieg über Yildirim ist für Eubank möglich, aber er ist einer dieser Gegner, die man grundsätzlich so lange wie möglich vermeidet. Warum? Yildirim war als Amateur fünf Mal türkischer Meister, blieb bei den Profis bislang ungeschlagen (der komplette Kampfabend am 7. Oktober ab 20 Uhr live auf ranFIGHTING.de).

"Yildirim arbeitet wie ein Uhrwerk"

Sein Kampfname "Mr. Robot" passt wie die sprichwörtliche "Faust aufs Auge". Er schlägt viel und marschiert nach vorne, ist jedoch in manchen Situationen auch leicht auszurechen. Beim Sparring mit IBF-Weltmeister James DeGale (der aus Verletzungsgründen nicht am Turnier um die "Ali Trophy" teilnehmen kann) hatte sich Yildirim sehr gut verkauft. Auch Trainer-Legende Ulli Wegner, in dessen Berliner Gym sich Avni Yildirim den Feinschliff vor dem Duell in Stuttgart holte, traut dem Türken viel zu. "Er arbeitet wie ein Uhrwerk, ist immer in Bewegung", so Wegner. 

"Ich will mich mit den absolut Besten messen", so Eubank, der die meiste Zeit seiner Vorbereitung im Mayweather-Gym in Las Vegas absolvierte. Yildirim gehört seiner Meinung nach dazu. "Mit der guten und sicheren Defensive erinnert Avni Yildirim mich ein wenig an den jungen Arthur Abraham," erklärte Eubank. Und nachdem er im Kampf gegen eben diesen Abraham sich so souverän hatte durchsetzen können, fiel die Wahl für die "World Boxing Super Series" eben auf einen Boxer mit vergleichbarem Handwerkszeug.

Eubank geht mit Yildirim ein großes Risiko

Das ist nicht ohne Risiko für Eubank, der bislang nur einmal in seiner Karriere als Preisboxer verlor. Billy Joe Saunders schlug ihn nach Punkten, wurde danach Weltmeister im Mittelgewicht nach WBO-Version. Saunders schlug viel in dem Kampf, traf gut mit seiner Führhand und vor allem mit den "Power Punches" (in der Schlagstatistik werden hier alle Treffer außerhalb der Führhand/ Jabs als "Power Punches" gezählt).

Saunders brachte rund 35 Prozent seiner Power-Punches in Ziel. Avni Yildirim schaffte bei seinem letzten Sieg, gegen den Weltranglisten-Mann Marco Antonio Periban (Mexiko), immerhin knapp 44 Prozent. Dazu zeigt das Zahlenwerk: Yildirim schlug in seinen letzten Kämpfen durchschnittlich pro Runde zwölf Mal mehr als Eubank. Und er konnte im Duell gegen den Mexikaner Periban auch in den letzten drei Runden noch mal Tempo zulegen. Ist das sein Schlüssel zum Sieg? 

Meine Prognose: Bei den meisten Buchmachern ist Eubank klarer Favorit. Aber die 4:1-Quoten, die ich gesehen habe, scheinen mir doch etwas zu deutlich zugunsten des Engländers ausgefallen zu sein. Für mich ist es eher ein 50:50-Duell mit der Vermutung, dass Eubank sich am Ende wird durchsetzen können. Aber keineswegs ein leichter Kampf. Ich sehe einen Punktsieg für Eubank nach einem intensiven Fight über die volle 12 Runden-Distanz. 

Tobias Drews 

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