Immer wieder auf der Bank: Julian Weigl befindet sich bei Borussia Dortmund ... - Bildquelle: imagoImmer wieder auf der Bank: Julian Weigl befindet sich bei Borussia Dortmund auf dem Abstellgleis © imago

Dortmund - Die Bank ist sein neuer Stammplatz. Daran dürfte sich für Julian Weigl vermutlich auch nichts ändern, wenn für Borussia Dortmund am Samstag das heißerwartete Derby gegen den FC Schalke 04 ansteht.

Gerade einmal drei Bundesligaspiele hat der 23-Jährige in dieser Saison bestritten. Vom Durchstarter zum Bankdrücker - der defensive Mittelfeldspieler zählt zu den größten Verlierern unter Trainer Lucien Favre. 

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da galt Weigl als das Wunderkind des deutschen Fußballs. Mit 18 Jahren war er der jüngste Kapitän in der Geschichte von TSV 1860 München. Für eine läppische Ablöse von 2,5 Millionen Euro wechselte er im Sommer 2015 zu Borussia Dortmund, wo er unter Thomas Tuchel sofort gesetzt war.

Als Sechser war er der Dreh- und Angelpunkt des BVB, glänzte mit einem exzellenten Passspiel, behielt stets den Überblick über das gesamte Spielfeld, konnte sich zudem mit seiner Drbblingstärke und seinen Finten immer aus dem gegnerischen Pressing befreien. Kurz gesagt: Weigl war ein Spielgestalter, wie ihn sich ein Trainer nur wünschen kann.

Zur Belohnung stand er 2016 bei der Europameisterschaft im Kader der deutschen Nationalmannschaft, kam dort zwar nicht zum Einsatz, schien aber perspektivisch ein Eckpfeiler des deutschen Fußballs zu sein.

Schaut man sich heute Julian Weigl an, wie er missmutig auf der Ersatzbank sitzt und sein Gesicht in die Jacke vergräbt, scheint von dem damaligen Hype nichts übrig geblieben zu sein.

Weigl: Die Zeit war schwierig

Die erste Saison unter Favre hätte für ihn auch kaum schlechter beginnen können. Aufgrund eines sogenannten Verrenkungsbruch des Sprunggelenks verpasste er fast die gesamte Saisonvorbereitung. "Die Zeit war schwierig, weil ich nicht wusste, wann es besser wird und ob es wiederkommt, wenn ich richtig belaste. Da hatte ich schon Muffensausen", erklärte er.

Als dann auch noch Axel Witsel für 20 Millionen Euro Ablöse verpflichtet wurde und der belgische Nationalspieler sofort überzeugte, war abzusehen, dass im defensiven Mittelfeld vorerst kein Platz für Weigl sein würde. "Es ist auf jeden Fall unglücklich, wenn ein neuer Trainer kommt, du die ganze Vorbereitung verpasst und das Team sich mit den Neuzugängen eingespielt hat", sagte Weigl.  

Der Stratege Witsel und der leidenschaftliche Kämpfer Thomas Delaney ergänzen sich auf der Doppel-Sechs hervorragend. Dahinter lauert Mahmoud Dahoud, der mit seinen technischen Qualitäten ein Spieler für die besonderen Momente ist. Und Weigl? Der erhebt sich meist erst dann von der Ersatzbank, wenn das Spiel abgepfiffen ist und es zurück in die Kabine geht.   

Gegen die Bayern die Chance nicht genutzt

Dabei gab es in dieser Saison durchaus Hoffnungsschimmer: Im Top-Spiel gegen den FC Bayern München stand er überraschend in der Startaufstellung. Es hätte der Beginn einer doch noch versöhnlichen Saison werden können, hätte er seine Chance genutzt.

Hat er aber nicht: Weigl gewann nur 33 Prozent seiner Zweikämpfe, verlor auffällig viele Bälle und wurde zur Halbzeit ausgewechselt. Seitdem kam er nicht mehr zum Einsatz – nicht in der Bundesliga und auch nicht in der Champions League. Gegen den 1. FSV Mainz 05 und den FC Brügge stand er nicht einmal im Kader.

"Was ich jetzt brauche, sind Spiele", hatte Weigl im September gesagt, als er seine Verletzung gerade überstanden hatte. Doch nichts deutet momentan darauf hin, dass er diese bei Borussia Dortmund bekommen wird. Ein Vereinswechsel könnte die Lösung sein.

Im Winter zum AS Rom?

Im Sommer gab es Spekulationen, Weigl könnte zu Paris Saint-Germain wechseln und dort unter seinem Förderer Thomas Tuchel an frühere Zeiten anknüpfen. Nun berichtet die Bild-Zeitung, der italienische Top-Verein AS Rom möchte Weigl im Winter für eineinhalb Jahre ausleihen.

Einen Stammplatz im Mittelfeld hätte er allerdings auch in der italienischen Hauptstadt nicht sicher. Für 27 Millionen Euro wurde dort der französische Weltmeister Steven Nzonzi vom FC Sevilla verpflichtet, Leihweise zudem noch Bryan Cristante. Und dann wären da auch noch Vereinslegende Daniele De Rossi und Lorenzo Pellegrini, die ebenfalls im defensiven bzw. zentralen Mittelfeld zu Hause sind.  

Weigl wird jedenfalls mit aller Macht verhindern wollen, dass die Bank sein Stammplatz bleibt – ob nun in Dortmund oder woanders.

Oliver Jensen

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