München - Nach dem heftigen Champions-League-Aus gegen Real Madrid steht für Manchester City und Pep Guardiola die Frage im Raum, warum der Titeltraum am Ende einmal mehr geplatzt ist.

"Pep Guardiola hat in seinen sechs Jahren als Trainer von Manchester City einige außergewöhnliche Wege gefunden, wichtige Champions-League-Spiele zu verlieren", titelte die englische "Sun" noch am selben Abend gnadenlos. Diesmal jedoch mit dem Beisatz: "Aber keines davon machte den ehemaligen Barcelona-Boss annähernd so verrückt wie dieses." 

Denn anders als in den Jahren zuvor, als der Perfektionist in wichtigen Spielen die erfolgreiche Taktik über Bord warf und etwas Außergewöhnliches ausprobieren wollte, nur um damit zu scheitern, trifft ihn in diesem Jahr nur wenig Schuld am Ausscheiden seines Teams. 

Es ist schon fast tragisch und gibt einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt Guardiolas, dass ausgerechnet die Niederlage als seine größte gilt, für die er am wenigsten kann. Gleichzeitig zeigt dies jedoch auch, wie wenig Raum für Wahnsinn und Chaos es im Spiel von Pep gibt - genau der Wahnsinn, den es offenbar bedarf, um den Titel gewinnen zu können. 

Diese für Guardiola bislang unlösbare Aufgabe stellt für Manchester City ein viel größeres Problem da. Denn langsam müssen sich Pep, die Mannschaft und der gesamte Verein die Frage stellen: Was sollen wir noch tun? 

Manchester City: Pep Guardiola erneut ohne CL-Titel

Auch wenn Guardiola auf der Pressekonferenz nach dem Spiel versuchte, die Fassung zu wahren, war dem Spanier dieser beispiellose Wirkungstreffer mehr als anzumerken. Die Antwort auf die Frage, was er nur hätte anders machen können, Pep kennt sie wohl weniger denn je.

"Es war ja nicht so, dass sie in den letzten zehn Minuten Angriff um Angriff gestartet haben und du gelitten hast. Das ist nicht passiert", versuchte er das Spiel zu rekapitulieren. Die späten Treffer (90. und 90.+1.) vom eingewechselten Rodrygo seien am Ende einfach so geschehen. 

Sicher könnte man in Frage stellen, ob es sinnvoll war, Kevin De Bruyne bereits in der 72. Minute vom Feld zu nehmen. Ein zweiter Blick auf die eingewechselten Spieler zeigt jedoch: Müßig, nun eine Personal- oder Wechseldebatte loszutreten. 

Mit Ilkay Gündogan, Oleksandr Zinchenko, Jack Grealish, Fernandinho und Raheem Sterling wechselte Guardiola einen Gesamtmarktwert von 227 Millionen Euro ein - kein anderes Team in Europa verfügt über so viel Star-Power von der Bank. 

Pep Guardiola: Ein Pakt mit dem Teufel oder doch ein Fluch?

Seit 2011 wartet Guardiola nun schon auf einen Champions-League-Titel, sowohl mit dem FC Bayern als auch mit Manchester City blieb ihm der ganz große Erfolg verwehrt. Lediglich mit seiner alten Liebe, dem FC Barcelona, konnte der 51-Jährige 2009 und 2011 den Henkelpott gewinnen. 

Für viele trainierte er damals die beste Vereinsmannschaft der Geschichte - Fans von zu sehr dramatisierten Storylines würden hier einhaken und einen Pakt mit dem Teufel vermuten: Einmal die beste Mannschaft der Geschichte trainieren, dafür nie wieder auch nur ansatzweise so ein Erfolg danach. 

In den sozialen Medien kursierten nach Citys Ausscheiden alte Berater-Zitate um Ex-City-Star Yaya Toure: "Er hat ganz Afrika gegen sich aufgebracht. Ich glaube nicht, dass er noch einmal die Champions League gewinnt, weil viele afrikanische Schamanen das verhindern werden", sagte Dimitry Seluk im Jahr 2018.  

Pep ließ Toure damals in dessen Abschiedssaison in Manchester oft auf der Bank, zum Unmut vieler Afrikaner. Zumindest dramaturgisch passt auch dieses Narrativ gut in die Story. 

Pep Guardiola: Noch mehr Millionen für den Titel? 

Um aufs Sportliche zurückzukommen: Wenn es also nicht am Kader liegt und - diesmal - auch nicht an Peps Wundertaktiken - woran dann? Am unendlichen Willen von Real Madrid in dieser Saison, einfach nie aufzugeben? An der falschen Einstellung der Spieler? An drei Zentimetern, die Grealish zum entscheidenden 2:0 fehlten? 

Für Pep und Co. bleiben viele Fragen, doch die Antwort wird wie in jedem Jahr hauptsächlich auf dem Transfermarkt erfolgen. Mit BVB-Star Erling Haaland haben die Citizens bereits das nächste 300-Millionen-Projekt fest im Visier. Der Norweger soll kommen, koste es, was es wolle. 

Dann soll ein neuer Angriff auf den Henkelpott gestartet werden, die Enttäuschung aus der Vorsaison ist wie in den vergangenen Jahren dann stets vergessen. Doch so muss sich auch Guardiola bewusst werden: Die Fallhöhe des Scheiterns steigt von Jahr zu Jahr. 

Ist der fast schon erzwungene Champions-League-Titel dann so viel wert, dass es sich lohnt, sein komplettes Vermächtnis aufs Spiel zu setzen? Diese Frage wird sich Pep in den kommenden Wochen stellen müssen. 

Sebastian Kratzer

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