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München/Paris - Um ein Sinnbild zu finden für das Paris Saint-Germain aus dem Jahr 2021, einem Verein, aus dem viele Beobachter nicht wirklich schlau werden, muss man lediglich eine Woche zurückgehen.

Zum ersten von zwei Halbfinalspielen der Champions League, die am Ende darüber entscheiden werden, ob die Franzosen im zweiten Jahr in Folge die Chance bekommen, den ersehnten Henkelpott endlich zu gewinnen.

In jenem Spiel war Manchester City zu Gast im Parc des Princes - und wurde anfangs überrollt. Marquinhos köpfte die Hausherren nach einer Viertelstunde in Führung und allen voran Neymar zauberte und trickste sich durch die Reihen der Engländer, wie er wollte.

Ganz so, wie es sich Qatar Sports Investments und Präsident Nasser Al-Khelaifi vorgestellt haben, als sie dereinst 222 Millionen Euro für den Brasilianer bezahlten.

Und trotzdem steht PSG vor dem Rückspiel gegen die Citizens (am Dienstag um 21 Uhr im ran-Liveticker) vor dem Aus im einzigen Wettbewerb, der für den französischen Giganten zählt.

Weil, als gegen Pep Guardiolas Team im zweiten Abschnitt nicht mehr alles von alleine lief, die Zauberer an vorderster Front untertauchten. Weil zwei hanebüchene Gegentore (eine durchgerutschte Flanke und ein Freistoß durch die Mauer) eine 1:2-Niederlage bedeuteten. Und weil am Ende die Erkenntnis stand und steht, dass bei PSG eben doch nicht alles so schillert und glänzt, wie man vermuten möchte.

Halbfinaleinzug kaschiert durchwachsene Saison

Hinter den großen Ambitionen und noch größeren Spielernamen steht nämlich ein Team, das mit Problemen kämpft in einer beinahe enttäuschenden Saison. Wettbewerbsübergreifend gab es für die Pariser in fast jedem dritten Spiel eine Pleite oder ein Remis, auch in den Endspurt in der heimischen Ligue 1 geht der Serienmeister nur als Zweiter hinter Lille.

Das zweite Halbfinale in Folge in der Königsklasse kaschiert bislang die Probleme - wobei das Team von Mauricio Pochettino dieses nüchtern betrachtet auch nie hätte erreichen dürfen.

Im Viertelfinale wurde PSG vom FC Bayern im Hinspiel an die Wand gespielt, gewann dank der grotesk schlechten Chancenverwertung des Titelverteidigers sowie der eigenen Kaltschnäuzigkeit aber dennoch 3:2. Im Rückspiel verloren die dieses Mal selbst haushoch überlegenen Pariser mit 0:1, kamen aber dank der Auswärtstorregelung weiter.

In der vorhergehenden Runde war es also gleich doppelt da: das wild achterbahnfahrende Paris. Das in Spielen auf höchstem Niveau von seinen beiden Stürmerstars Neymar und Mbappe lebt, die an einem guten Tag jede Mannschaft der Welt aus dem Stadion schießen können. Dieses Kunststück aber in den großen Momenten zu selten fertigbringen.

"Für mich ist die Champions League das Nonplusultra"

Sogar die Weltstars vereinen den Pariser Wankelmut in sich. Neymar fehlte beinahe die Hälfte der Saison verletzt, in seinen acht Champions-League-Spielen, die er absolvierte, überragte der 29-Jährige oft, war an neun Toren direkt beteiligt.

Als es aber im Rückspiel gegen die Bayern darum ging, den Sack zuzumachen, verballerte der Brasilianer eine Großchance nach der anderen. Als es gegen Manchester darum ging, das Spiel wieder zugunsten PSGs zu drehen, war Neymar mit Hadern, Zetern, Leiden und Flugeinlagen beschäftigt.

Dabei ist gerade er es, der dafür geholt wurde, diesen Pokal mit den großen Ohren endlich zu gewinnen. Welcher auch für Mbappe Priorität hat. "Auch wenn für viele die WM der heilige Gral ist, für mich ist die Champions League das Nonplusultra", sagte der erst 22-jährige kommende Weltstar, dem man anders als seinem kongenialen Partner, der mit dem FC Barcelona 2015 den Wettbewerb bereits gewann, derartige Formschwankungen noch eher vergeben möchte.

Dennoch richtete sich die Kritik der französischen Presse nach der Hinspielniederlage vor allem gegen Mbappe. "Le Figaro" schrieb zwar noch von einem "kollektiven Versagen", "L'Equipe" urteilte aber: "Vor allem Mbappe enttäuschte die Erwartungen. Der Weltmeister war nie richtig bei der Sache."

Revanche geglückt - und jetzt?

Die Bilder des weinenden Neymars, der nach dem verlorenen Champions-League-Finale 2020 gegen die Bayern von David Alaba in den Arm genommen und getröstet wird, sind erst ein Dreivierteljahr alt. Die Revanche gegen den FCB ist den Franzosen geglückt, dennoch laufen Neymar und Co. schon wieder höchste Gefahr, ihr großes Ziel zu verpassen.

"Seit ich hierher gekommen bin", sagte Neymar kürzlich in einem Interview, "hat sich der Klub verbessert. Der Klub wird mehr respektiert. Wenn die Leute über PSG reden, wissen sie, dass er mittlerweile unter den vier, fünf besten Teams aller Ligen ist."

Dass sich die Pariser fest im Favoritenkreis der Champions League etabliert haben, ist wahr. Genauso wahr ist jedoch, dass sie erst noch beweisen müssen, dass sie den Pott auch holen können.

Genau wie PSGs Weltklasse-Sturm endlich beweisen muss, auch auf Knopfdruck in den großen Spielen da sein zu können. Und dann am besten über volle 90 Minuten.

Am Dienstag wäre dazu eine gute Gelegenheit.

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