Moise Kean ist aktuell der Shooting Star im Kader des italienischen Serienme... - Bildquelle: imagoMoise Kean ist aktuell der Shooting Star im Kader des italienischen Serienmeisters Juventus Turin. Juve hofft deshalb wieder auf eine Top Leistung von ihm bei Rückspiel im Viertelfinale. Anstoß zur Partie zwischen Turin und Ajax ist Dienstag um 21:00 Uhr © imago

München/Turin – Wenn Juventus Turin im Viertelfinale der Champions League Ajax Amsterdam zum Rückspiel empfängt, ruhen die Hoffnungen auch auf Moise Kean. Der 19-Jährige ist aktuell der Shooting Star schlechthin im italienischen Fußball und hat bereits einige Rekorde aufgestellt. Seiner Erfolgsgeschichte geht aber ein langer, harter Weg voraus.

Es ist der 19. November 2016. Juventus Turin führt im eigenen Stadion souverän mit 3:0 gegen Delfino Pescara. Der Sieg ist bereits in trockenen Tüchern. Nur ein Spieler hat in der Schlussphase der Partie vermutlich einen stark erhöhten Pulsschlag: Moise Kean. Schließlich, in der 84. Minute, entscheidet sich Juve-Coach Massimiliano Allegri dazu, den jungen Nachwuchsstürmer Serie-A-Geschichte schreiben zu lassen.

Profi-Debüt mit 16 Jahren

Im Alter von 16 Jahren, acht Monaten und 20 Tagen betritt Moise Kean erstmals bei einem Pflichtspiel den Rasen im Juventus-Stadium. Er kommt für Mario Mandzukic auf dem Platz, der zu diesem Zeitpunkt beinahe doppelt so alt ist wie Kean.

Direkt mit seinem ersten Einsatz trägt sich Kean in die Geschichtsbücher der Liga ein. Durch seine Einwechslung ist er der jüngste Juve-Spieler in der Historie der Serie A und der erste im Jahrgang 2000 oder später geborene Spieler der in der italienischen Liga aufläuft. Mittlerweile ist Kean der Shooting Star des italienischen Fußballs.

 

Schwierige Kindheit

Bevor es soweit kommen konnte, hat Kean jedoch bereits einen langen, schwierigen Aufstieg mitsamt einiger kurioser Geschichten hinter sich. Eine beinahe märchenhafte Geschichte, die von Willensstärke und Entschlossenheit eines jungen Mannes geprägt ist, welcher sich nach ganz oben arbeiten möchte.

Geboren am 28. Februar 2000 wuchs Kean in Vercelli in der Region Piemont im nördlichen Italien auf. Sein Bruder Giovanni berichtet von einer schweren Kindheit. Die Eltern von Kean trennten sich bereits früh, Vater Birou Jean Kean verließ die Stadt und gründete eine neue Familie.

Allegri erkennt Keans Talent

Moise Kean lässt sich davon nicht beirren, verfolgt seinen Traum, Profi-Fußballer zu werden und wechselt 2011 aus der Jugend des FC Turin in die Talentschmiede des Stadtrivalen Juventus. Für Kean, der weitestgehend ohne Vater aufwuchs, wird das Internat von Juve zu einer zweiten Heimat. Bei der alten Dame wird sein Talent direkt erkannt. Bereits in den Jugendmannschaften darf er in älteren Jahrgängen mitmischen. Trainer Massimiliano Allegri bekommt sein Talent mit, lässt ihn sehr früh mit den Profis trainieren.

Nach seinem ersten Profi-Einsatz in der Serie A schreibt Kean sportlich weiter Geschichte. Nur drei Tage nach seinem Liga-Debüt wird Kean auch in der Champions League eingewechselt – und auch hier ist er der erste Profi aus dem Jahrgang 2000 oder jünger, der je in der Königsklasse aufgelaufen ist. Sein erstes Profi-Tor folgt noch in derselben Saison. Am letzten Spieltag trifft der mittlerweile 17-Jährige per Kopf zum 2:1-Endstand gegen den FC Bologna.

Der neue Mario Balotelli?

Nach seinem spektakulären Start in jungen Jahren wird Kean von den italienischen Medien schnell zu einer Art Wunderkind hochstilisiert. Vergleiche mit Mario Balotelli, der ebenfalls als Sohn afrikanischer Einwanderer in extrem jungen Jahren einen kometenhaften Aufstieg bei Inter Mailand hinlegte, werden immer wieder herangezogen. Große Leistungen in jungen Jahren rufen aber auch Interessenten aus dem Ausland auf den Plan.

So besteht bereits früh das Interesse aus der Premier League, konkret wohl vom FC Arsenal und Manchester City. Keans Berater, immerhin niemand geringeres als der große Mino Raiola, der auch besagten Mario Balotelli mit 20 Jahren zu Man City vermittelte, soll damit beschäftigt gewesen sein, einen Wechsel in die Premier League einzufädeln. Aber auch Juve will Kean unbedingt halten.

Schlechte Beziehung zum eigenen Vater

Das große Problem: Kean ist zu diesem Zeitpunkt nicht volljährig. Die Entscheidungsgewalt liegt bei seinen Eltern. Wie Keans Vater, von Beruf Berater für italienische Bauern, später berichtete, verlangte er zwei Traktoren dafür, dass er seinen Sohn vom Verbleib überzeugt – mit Erfolg. Kean blieb bei Juventus, die Traktoren habe sein Vater aber bis heute wohl nicht erhalten. Traktoren hin oder her, Kean Junior distanziert sich bis heute von seinem Vater mit Aussagen wie "dass ich der Mann bin, der ich heute bin, habe ich nur meiner Mutter zu verdanken".

Dem sportlichen Aufstieg Keans tat das ganze jedoch keinen Abbruch. Nach einer einjährigen Leihe von Juve zu Hellas Verona in der Saison 2017/2018 ist Moise Kean seit vergangenem Sommer wieder in Turin – und startet mittlerweile so richtig durch. Acht Mal kam er in dieser Saison bisher in der Serie A zum Einsatz und erzielte dabei sechs Treffer. Seine zuletzt vier Treffer in Folge machen ihn zum jüngsten Spieler der Serie A, der in mehr als drei aufeinanderfolgenden Partien getroffen hat.

 

Tor-Premiere im A-Nationalteam

Auch im A-Nationalteam der Italiener ist Kean mittlerweile angekommen. Im November 2018 feierte er dort unter Coach Roberto Manchini sein Debüt gegen die USA. In den EM-Quali-Spielen im März gegen Finnland und Liechtenstein erzielte er jeweils ein Tor.

Zuletzt geriet Kean jedoch auch nicht nur durch sportliche Leistung in die Schlagzeilen. Vor gut zwei Wochen stellte sich Kean nach seinem Treffer zum 2:0 gegen Cagliari Calcio jubelnd vor den gegnerischen Fanblock. Diese sollen ihn daraufhin ob seiner Hautfarbe rassistisch beleidigt haben. Die Szene löste europaweit Anteilnahme aus, Sportstars aus aller Welt stellten sich vor Kean und verurteilten die Aktion der Cagliari-Fans.

In der italienischen Liga ist Juventus die Meisterschaft schon nicht mehr zu nehmen. Einmal ist Kean mit Juve bereits Meister geworden. Seiner Titelsammlung gehören auch bereits der italienische Ligapokal und der italienische Superpokal an. Ergänzen kann Kean diese Sammlung in dieser Saison noch durch den heiß begehrten Henkelpott. In der Champions League ist Kean bisher noch ohne Treffer. Im Viertelfinal-Rückspiel gegen Amsterdam bekommt der Shooting Star die nächste Gelegenheit auf seinen Premierentreffer in der europäischen Königsklasse.

Hannes Niemeyer

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