Pep Guardiola wirkt zunehmend ratlos. - Bildquelle: 2020 Getty ImagesPep Guardiola wirkt zunehmend ratlos. © 2020 Getty Images

München - Ist das der Anfang vom Ende von Pep Guardiola bei Manchester City? Lange Zeit wurde der Katalane als bester Trainer der Welt gefeiert. Jeder wollte Pep verpflichten, jeder Spieler mit ihm trainieren. In dieser Saison aber bekommt Guardiola erstmals richtig Gegenwind – von seinen eigenen Spielern.

Die "Skyblues" werfen ihrem Trainer Medienberichten zufolge offenbar Planlosigkeit vor. Ausgerechnet ihm. Pep, Mister Strategie. Und dann begeht der 49-Jährige auch noch einen altbekannten Fehler, für den er schon einmal in seiner Bayern-Zeit bitter bestraft worden war. 

Guardiola gibt Kampf um Meisterschaft auf

"Liverpool ist nicht zu stoppen. Wir haben viel zu viele Punkte liegen gelassen in Spielen wie diesem", sagte ein enttäuschter Guardiola nach der 0:2-Niederlage gegen Tottenham Hotspur. Es war bereits die zweite Pleite in Serie ohne Torerfolg. Der Rückstand auf Tabellenführer Liverpool wuchs auf 22 Punkte an. Meisterschaft passé.

Weil mit Platz zwei in der Premier League die Qualifikation für die Champions League quasi nur noch Formsache ist, liegt jetzt die volle Konzentration auf der Königsklasse. Im Achtelfinale geht es dort Ende Februar gegen Real Madrid. 

Haussegen hängt schief

Doch vor den vielleicht wichtigsten Spielen einer äußerst durchwachsenen Saison hängt der Haussegen bei City schief. Schon im Dezember hatte Kyle Walker im "Mirror" darüber geklagt, dass die Konkurrenz das Team "entschlüsselt" hätte. Walkers Vorstoß bewertete Guardiola damals vielleicht noch als einzelnes Störfeuer. Kann man weglächeln.

Nach der Niederlage bei den Spurs aber wurde hinter verschlossenen Türen Tacheles geredet. Laut "Daily Mail" auch und besonders von Seiten der Spieler. Diese sollen demnach die Nase voll von Peps Experimentierfreudigkeit haben.

76 Änderungen bei der Aufstellung

In jedem Spiel der laufenden Saison bot der 49-Jährige eine andere Startelf auf. Seit dem Weggang seines langjährigen Assistenten Mikel Arteta zum FC Arsenal im Dezember, wechselte Guardiola permanent - Personal und System. Insgesamt sind es in dieser Saison unglaubliche 76 Veränderungen in der Mannschaft.

Eine Einheit wie in den vergangenen Jahren ist das Team dadurch schon lange nicht mehr. Ganz im Gegenteil. Verunsicherung hat sich breitgemacht. In allen Mannschaftsteilen.

Doppelt so viele Gegentore wie Liverpool

Mit 29 Gegentoren kassierte City knapp doppelt so viele wie etwa der FC Liverpool. Auch offensiv ist von einstiger Stärke immer weniger zu spüren. Bernardo Silva läuft seiner Form aus der Vorsaison hinterher. Selbst Raheem Sterling baute nach starkem Saisonbeginn stetig ab.

Die fehlende Eingespieltheit der Mannschaft sowie die verlorene Konstanz, die City in der Vergangenheit zum wohl besten Team der Welt gemacht hatte, sind längst zum Stimmungskiller in der Kabine geworden. Und die frühzeitig entschiedene Meisterschaft könnte Guardiola weiterhin dazu veranlassen, im Hinblick auf die Champions League zu tüfteln und zu experimentieren und damit die Lage zu verschärfen.

Guardiolas größter Fehler bei Bayern

So wie schon einmal in seiner Trainerkarriere. Einzig die Begleitumstände waren damals anders. Rückblick: In der Saison 2013/14 gelang Guardiola in seiner ersten Saison beim FC Bayern Historisches. Bereits am 27. Spieltag feierten die Münchner die Meisterschaft. Der Trainer erklärte die Bundesliga für beendet und legte den Fokus zu 100 Prozent auf die Königsklasse. Ein bitterer Fehler.

Durch ständige Rotation in den Liga-Spielen verloren die Bayern ihren Rhythmus und gingen im CL-Halbfinale gegen Real Madrid schließlich gnadenlos baden (0:1 und 0:4). Sie konnten den Hebel einfach nicht mehr umlegen. 

Pep ohne Pep und ohne Ideen

Jetzt, sechs Jahre später, droht Guardiola derselbe Fauxpas. Durch seine Experimentierfreudigkeit, die wohl aus Ratlosigkeit resultiert, beraubte er die "Skyblues" ihrer Stärke der vergangenen Jahre. Auf Pressekonferenzen wirkt er genervt. Oft scheint es, als könne er sich die Niederlagen selbst nicht erklären, weil man "eigentlich sehr gut gespielt" habe. So auch gegen die Spurs.

"Wieso soll ich kritisch sein", sagte er bei "Sky". "Es wäre ein unglaublicher Fehler, diese Vorstellung schlecht zu reden. Wir hatten viele Chancen, aber eben zwei Tore kassiert."

Pep ohne Erklärungen, Pep ohne Ideen. Pep ohne Pep. Die Luft scheint raus beim Katalanen, der sich auch schon mit dem Worst Case Szenario beschäftigt, obwohl sein Vertrag noch ein weiteres Jahr läuft. "Wenn ich mit Manchester City nicht die Champions League gewinne, wird meine Zeit hier als Misserfolg bewertet werden. Das ist völlig klar", so der Trainer bei der "BBC".

Bleibt die Frage, weshalb er seiner Mannschaft ausgerechnet vor dem CL-Achtelfinale gegen Real Madrid durch ständige Umstellungen die Möglichkeit nimmt, einen Rhythmus zu finden. Pep schweigt öffentlich. Doch City-Fans hoffen, dass es zumindest in Rahmen der 45-minütigen Kabinen-Revolte eine Antwort gab. Ansonsten könnte vielleicht sogar für den vermeintlich besten Trainer der Welt die Luft irgendwann sehr dünn werden.

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