Coutinho wechselt auf Leihbasis zu Aston Villa - Bildquelle: Getty ImagesCoutinho wechselt auf Leihbasis zu Aston Villa © Getty Images

München - Es gibt so Tage, an denen entscheiden sich Fußballer-Karrieren. Klingt pathetisch, aber es gibt Beispiele. So dürfte Mario Götze insgeheim den Tag seiner Unterschrift beim FC Bayern München verflucht haben. Im Fall von Philippe Coutinho wurde der 8. Januar 2018 zum Schicksalstag.

Der "kleine Magier", wie ihn die Fans des FC Liverpool liebevoll tauften, heuerte beim FC Barcelona an. Mit einer Ablöse von 135 Millionen Euro wurde er hinter Neymar zum zweitteuersten Spieler der Geschichte.

Die Bürde des Preisschildes, Verletzungspech und womöglich auch ein wenig schlechtes Karma ließen den brasilianischen Dribbelkünstler seine Zauberkraft verlieren.

Nachdem Coutinho im Winter 2017 seinen Vertrag an der Merseyside noch unter Treueschwüren verlängert hatte und zum Topverdiener der "Fab Four" um Mohamed Salah, Sadio Mane und Roberto Firmino aufgestiegen war, jammerte er sich innerhalb des Folgejahres stillos weg. Für viele Fans der "Reds" bis heute ein Schlag ins Gesicht - und ein ziemlich fauler Zauber.

Coutinhos letzte Chance

Für Coutinho selbst ist es seither wie verhext. In 72 Pflichtspielen für Barca erzielte er 21 Treffer, zu keinem Zeitpunkt konnte er die hohen Erwartungen auch nur annähernd erfüllen.

Vier Jahre später startet der 29-Jährige jetzt seinen wohl letzten Versuch, die ins Stocken geratene Karriere wiederzubeleben. Welcher Ort wäre da besser geeignet als das Land, in dem ihm einst der Durchbruch gelungen war? Auch wenn die Brötchen heute deutlich kleiner sind.

Statt Liverpool, FC Chelsea oder Manchester City wechselt Coutinho bis zum Saisonende auf Leihbasis zu Aston Villa, den 13. der Premier League. Willkommen im Mittelmaß. Sein früherer Teamkollege und jetziger Trainer des Birmingham-Klubs, Steven Gerrard, soll ausschlaggebend für den Transfer gewesen sein.

"Du bekommst den Spitznamen 'der Magier' nicht, wenn du kein besonderer Fußballer bist", schwärmte Gerrard bei der Bekanntgabe der Verpflichtung. Die Liverpool-Legende spricht aus eigener Erfahrung. 80 Mal trugen Gerrard und Coutinho zwischen 2013 und 2015 gemeinsam das Trikot der "Reds".

"Er ist ein wunderbarer Fußballer. Gemeinsam mit Coutinho auf dem Platz zu stehen, war eine großartige Erfahrung. Denn er war auf einem Niveau, auf dem sich nur wenige befinden. Seine Vorstellungskraft, seine Kreativität, seine Geistesblitze sind unglaublich. Sein Name spricht für sich selbst", schwärmt der Engländer.

Aston Villa hofft auf Robinho-Effekt

Es ist kein Geheimnis auf der Insel, dass Villa mit dem Coutinho-Deal auf den Robinho-Effekt hofft, den einst Manchester City erlebte. 2008 hatten die neuen Investoren den Brasilianer von Real Madrid losgeeist. City war damals keine große Adresse im Weltfußball, doch Robinho erwies sich als Zugpferd für weitere Top-Transfers. Im Grunde war es der Beginn des Aufstiegs der "Citizens".

In der Hoffnung, Geschichte könnte sich wiederholen, erklärte sich Aston Villa sogar bereit, gut zwei Drittel des Gehalts von Coutinho zu übernehmen. Bei kolportierten 23 Millionen Euro pro Jahr durchaus kein Pappenstiel. Nach Saisonende könnte der Klub seinen neuen Hoffnungsträger dann für 40 Millionen Euro fest verpflichten.

Dritter Neuanfang für Coutinho

Die Engländer sind allerdings gut beraten, ihre Erwartungen nicht allzu hoch zu stecken. In den vergangenen Jahren hatte Coutinho schon den ein oder anderen Neuanfang gewagt. Mit überschaubarem persönlichem Erfolg.

Als er 2019 als Leihspieler des FC Bayern einen neuen Anlauf startete, war eigentlich alles angerichtet. Die Bundesliga lechzte nach einem neuen Superstar. Coutinho gewann mit den Münchnern zwar das Triple und ließ hin und wieder sein außergewöhnliches Können aufblitzen. Zum Stammspieler reichte es nicht, weshalb die Bayern die vereinbarte Kaufoption verstreichen ließen, obwohl Barcelona die ursprüngliche 120-Millionen-Euro-Forderung deutlich heruntergeschraubt hätte.

Zurück in La Liga ereilte den Zauberfuß dann auch noch das Verletzungspech. Ein Außenmeniskuseinriss bremste ihn die komplette Rückrunde 2020/21 über aus. Nachdem im Sommer Lionel Messi und Antoine Griezmann Barcelona verließen, lagen die Hoffnungen der Katalanen erneut auf Coutinho. Die Magie kehrte auch diesmal nicht zurück. 608 Spielminuten in 14 Partien, zwei Treffer, so seine magere Ausbeute.

Die Rückkehr auf die Insel soll Coutinho nun an glücklichere Zeiten erinnern - und inspirieren. Wie ginge das besser als mit einem alten Liverpooler Buddy an seiner Seite, der an ihn glaubt? Und wer weiß: Vielleicht war der 7. Januar 2022 der Tag, an dem eine Fußballer-Karriere ein zweites Mal eine unerwartete Wendung nimmt. Es wäre beinahe Zauberei.

Carolin Blüchel

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