Yann Sommer jubelt mit seinen Teamkollegen. - Bildquelle: imago images/sport pictures-Razvan PasaricaYann Sommer jubelt mit seinen Teamkollegen. © imago images/sport pictures-Razvan Pasarica

München – Die Ratschläge kamen vor allem aus Gladbach. Eindringlich. Mahnend. Sie kennen das Spiel ja zur Genüge.

Die Message: "Liebe Schweiz, mit einem Yann Sommer im Tor sollte man nicht auf ein Elfmeterschießen spekulieren." Denn das kann nur nach hinten losgehen.

Ganz witzig, allerdings sind die Tweets schlecht gealtert. Denn der Held beim dramatischen 5:4-Sieg im Elfmeterschießen im Achtelfinale der EM gegen Frankreich war – ja, Yann Sommer. 

Miserable Quote

Der 32-Jährige parierte den Elfmeter von Superstar Kylian Mbappe, und in Gladbach fallen sie vom Glauben ab und verstehen die Welt nicht mehr.

Mit einem Augenzwinkern versteht sich.

Denn die Qualitäten Sommers sind seit Jahren unbestritten. Als Elfmeter-Killer hat er sich bei der Borussia aber keinen Namen gemacht, auch wenn er mit diesem Ruf aus Basel 2014 nach Mönchengladbach kam. 

Ein Mythos, der inzwischen zu einem Running Gag geworden ist. Denn Sommer ist vom Punkt eine Bank – leider nur meistens für den Gegner.

Die "Rheinische Post" führt penibel Buch: Immerhin 55 Elfmeter hat Sommer seit seinem Wechsel zur Borussia 2014 aufs Tor bekommen. 

 

Die Bilanz ist bitter: 47 Mal war der Ball drin, einmal ging er über das Tor, einmal daneben, einmal rettete die Latte, einmal der Pfosten. Wirklich gehalten hat Sommer in den letzten sieben Jahren also ganze vier Elfmeter.

Eine bescheidene Quote von 7,27 Prozent.

Ein Moment des Zweifelns

Dabei kann der Torhüter bei einem Elfmeter ja im Grunde nur gewinnen, die Versagensangst liegt vor allem beim Schützen. Meint man zumindest. Doch im Psycho-Duell mit den 55 Schützen behielten vor allem die Gegner vom Punkt zumeist den kühleren Kopf. 

Und einen Moment lang zweifelte Sommer dann tatsächlich auch an diesem historischen Abend in Bukarest an seiner eigenen Glanztat. Eine erhobene Hand, ein Blick, der fragte: "War die Parade regelkonform?" Denn die Füße des Torhüters müssen bis zur Ausführung die Torlinie berühren. Sommer bremste sogar kurz seine Teamkollegen aus.

Doch als klar war, dass die Parade tatsächlich eine war, ließ auch er seinen Emotionen freien Lauf, rannte mit der kompletten "Nati" jubelnd in die Kurve, feierte Historisches: Erstmals seit 67 Jahren gelang den Eidgenossen bei einem großen Turnier der Sprung ins Viertelfinale. Sogar bei der Borussia wird gejubelt. "Ich habe gar keine Angst mehr davor, wenn wir einen Elfer gegen uns bekommen", scherzte ZDF-Experte Christoph Kramer.

De Niro soll Sommer spielen

Sommer hatte deshalb gut lachen. Auf die Frage, ob das dramatische 5:4 nicht einem guten Hollywood-Drehbuch geglichen habe, antwortete Sommer im ZDF mit einem breiten Grinsen: "Wahnsinn, ich rufe nachher mal Robert De Niro an, ob er Lust hat, mich zu spielen im Biopic."

Die Story ist aber noch nicht zu Ende, wer weiß, wo es die Schweiz hinführt? Im Viertelfinale wartet nun am Freitag Spanien. Möglicherweise ja wieder mit einem Elfmeterschießen.

"Das ist Geschichte", sagte der 32-Jährige: "Wir haben ein paar Mal die Möglichkeit gehabt, sind ein paar Mal gescheitert. Ich bin unglaublich stolz auf diese Mannschaft. Es hat niemand mehr wirklich an uns geglaubt", sagte Sommer, aber die Mannschaft habe sich "geschworen, egal wie es läuft, wir gehen bis zum Schluss."

Dass ausgerechnet er diesen Schlusspunkt setzte - nach der kuriosen Pointe dürften die Ratschläge aus Gladbach erst einmal verstummen. 

Andreas Reiners

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