Schlüsselspieler: Harry Kane (l.) gewann bei der WM in Russland den Golden S... - Bildquelle: imago images/PA ImagesSchlüsselspieler: Harry Kane (l.) gewann bei der WM in Russland den Golden Schuh als bester Torschütze. © imago images/PA Images

München - "Three Lions on a shirt, Jules Rimet still gleaming. Thirty years of hurt. Never stopped me dreaming." Selbst 30 Jahre voller Schmerz konnten die britische Rockband "Lightning Seeds" nicht davon abbringen, vom nächsten großen Triumph der englischen Nationalmannschaft nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1966 zu träumen.

Das war 1996. Das Lied "Football is Coming Home" wurde damals zur Heim-Europameisterschaft in England geschrieben. Mittlerweile sind seitdem nochmal 25 Jahre voller Schmerz, Torwartpatzern, verlorener Elfmeterschießen und einem peinlichen Aus gegen Island bei der letzten EM dazugekommen.

Was nichts daran geändert hat, dass die Ansprüche und Erwartungen an die "Three Lions" eigentlich immer riesig sind. Doch die Mannschaft reiste regelmäßig wieder früher nach Hause als erwartet und wurde oft genug von der nicht gerade freundlichen englischen Boulevard-Presse und den eigenen Fans mit Häme überschüttet.

Anders war es aber bei der WM 2018, als sich England erst in der Verlängerung des Halbfinales Kroatien geschlagen geben musste. Nun soll es bei der EM endlich mit dem großen Wurf klappen, die lange Durststrecke soll enden. Das englische Team im ran-EM-Check.

So lief die EM-Qualifikation:

Sieben Spiele gewannen die Engländer in ihrer Gruppe, dazu kam eine Niederlage in Tschechien, die aber nichts daran änderte, dass die "Three Lions" souveräner Gruppensieger wurden. Vor dem 1:2 in Prag im Oktober 2019 blieb England übrigens in 43 WM- und EM-Qualifikationsspielen ungeschlagen, was belegt, wie stark die Mannschaft ist.

Das ist neu:

Die sportliche Euphorie, die rund um die englische Nationalmannschaft vorherrscht. Jadon Sancho, Phil Foden, Marcus Rashford, Jude Bellingham, Mason Mount - der Kader ist gespickt mit jungen, extrem talentierten und spielfreudigen Profis. Teammanager Gareth Southgate steht ein echtes Überangebot an Stars zur Verfügung. Außerdem findet das EM-Finale in Wembley statt, dem Heiligtum des englischen Fußballs. Die Gelegenheit, endlich wieder einen Titel zu holen, scheint so günstig zu sein wie zuletzt vor 25 Jahren. Damals war es übrigens der heutige Nationaltrainer Gareth Southgate, der im Halbfinale gegen Deutschland den entscheidenden Elfmeter verschoss und die englischen Fans einmal mehr ins Tal der Tränen stürzte.

Neu und extrem bitter ist allerdings auch, dass ein Teil der Fans sich anscheinend gegen die Mannschaft wendet. Zuletzt wurde das Team von einigen Fans ausgebuht, weil Spieler auf die Knie gingen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Davon unbehelligt wollen die Engländer auch bei den Turnierspielen in London knien. Ob wieder gebuht wird und ob das Auswirkungen auf die sportlichen Leistungen haben könnte, muss sich zeigen.

Auf diese Spieler kommt es an:

Harry Kane ist zwar auch erst 27 Jahre alt, in der jungen englischen Mannschaft ist er aber der Spieler, der vornewegmarschiert. Sechs Tore erzielte der Kapitän bei der WM in Russland und führte die Mannschaft ins Halbfinale. Präsentiert der Tottenham-Hotspur-Stürmer sich bei der EM in ähnlich starker Verfassung, wird er der Spieler sein, der den Unterschied macht.

Das macht Mut:

Die Fehlgriffe englischer Torhüter bei großen Turnieren in der Vergangenheit sind legendär. Mit Jordan Pickford und Dean Henderson stehen diesmal allerdings gleich zwei Torhüter im Kader, die das Zeug dazu haben, ihren Job sehr gut zu erledigen. Eventuell sogar im Elfmeterschießen.

Das bereitet Sorgen:

Trent Alexander-Arnold wird die EM verpassen, der Rechtsverteidiger vom FC Liverpool zog sich im Testspiel gegen Österreich eine Oberschenkelverletzung zu und musste nach Hause reisen. Coach Southgate nominierte den 23-jährigen Ben White von Brighton & Hove Albion nach. Einen der besten Rechtsverteidiger der Welt so kurz vor dem Turnier zu verlieren, ist bitter. Dass die Defensive der Engländer generell etwas schwächer besetzt ist als die Offensive, macht das Ganze nochmal ärgerlicher.

Das sagt der Experte:

"Die Erwartungen sollten hoch sein, denn wir haben eine wesentlich bessere Mannschaft als wir vor drei Jahren hatten. Wir haben wunderbare, junge, talentierte Fußballer dazubekommen. Sie wissen, wie man Turniere gewinnt. Einige von ihnen haben mit der U19 oder U17 Erfolge gefeiert und die Geschichte zeigt uns, dass Teams, die im Jugendfußball dominiert haben, sehr konkurrenzfähig bei den großen Turnieren sind", sagte England-Legende Gary Lineker im Gespräch mit "Sport Joe".

EM 2021: So stehen Englands Chancen auf den Titel:

"That England's gonna throw it away. Gonna blow it away. But I know they can play." So lautet eine weitere Zeile aus dem Song "Football is coming Home." Werden die Engländer sich zum Titel spielen oder werden sie sich einmal mehr selbst im Weg stehen? Möglich ist beides, auch wenn die Chance diesmal deutlich größer als in den letzten Jahren ist, dass die Engländer endlich den ersehnten Titel holen.

Christian Stüwe

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