Dicke Luft zwischen Olivier Giroud und Kylian Mbappe - Bildquelle: 2020 imagoDicke Luft zwischen Olivier Giroud und Kylian Mbappe © 2020 imago

München – Weltmeister Frankreich gilt auch bei der EM als Topfavorit, ein Selbstläufer wird der Titel ganz sicher nicht. Das liegt nicht nur an der Konkurrenz. Innerhalb der "Equipe Tricolore" brodelt es. Mal wieder. "Wir werden unser ärgster Gegner sein", prophezeite Paul Pogba im französischen Fernsehen.

Die atmosphärischen Störungen im Team waren nach den abschließenden Tests gegen Wales (3:0) und Bulgarien (3:0) deutlich spürbar. "So langsam wird es peinlich", urteilte TV-Experte Johan Micoud. "Du hast gerade erst zwei Vorbereitungsspiele absolviert, die gut gelaufen sind. Und wenn du vom Platz gehst, macht es nach außen den Eindruck, als hättest du 0:4 verloren."

Kleinkrieg zwischen Mbappe und Giroud

Grund für die angespannte Stimmung ist ein Disput der Stürmerstars: Kylian Mbappe und Olivier Giroud sind sich derzeit so gar nicht grün. Der frisch gebackene Champions-League-Sieger Giroud traf gegen Bulgarien zwar doppelt, beschwerte sich nach Abpfiff im TV-Interview aber lautstark über das mangelhafte Zusammenspiel in der Offensive. "Ich bekomme einfach keine Bälle", polterte er.

Auch wenn der Chelsea-Stürmer seinen Teamkollegen Mbappe nicht beim Namen nannte, fühlte dieser sich auf den Schlips getreten. Und zwar so sehr, dass er kurzerhand eine Pressekonferenz anberaumen wollte, um sich zu den Vorwürfen ebenso öffentlich zu äußern. Nationaltrainer Didier Deschamps verhinderte die PK und damit wohl auch eine weitere Eskalation. Vorerst.

Böse Erinnerungen an die WM 2010

Was nach außen ein wenig aufgebauscht wirkt, weckt bei den Franzosen böse Erinnerungen. Bei der WM 2010 in Südafrika hatte ein verheerender Streit zwischen Spielern und Trainerstab der "Equipe Tricolore" nicht nur das Aus in der Vorrunde bedeutet. Beim "Fiasko von Knysna" war die Reputation der Nationalmannschaft auf Jahre hin ernsthaft beschädigt worden. Sogar die Politik hatte sich damals eingeschaltet.

Die halbe Mannschaft hatte sich gegen Trainer Raymond Domenech gestellt, nachdem dieser Stürmerstar Nicolas Anelka wegen Beleidigung nach Hause geschickt hatte. Kapitän Patrice Evra und Franck Ribery hatten sogar einen Trainings-Streik angezettelt, der die Situation komplett aus dem Ruder laufen ließ.

2010 war der Ursprung des Unfriedens eine ungewollte Grüppchenbildung innerhalb des Kaders. Ganz so schlimm scheint es um die aktuelle Mannschaft nicht zu stehen. Was wohl auch daran liegt, dass Weltmeister-Trainer Deschamps ein besseres Standing hat als seinerzeit Domenech.

Wird Mbappe zum Problem?

Dennoch sorgt der Stürmer-Zwist zwischen Giroud und Mbappe für miese Stimmung beim Favoriten. Vor allem Mbappe kristallisiert sich immer mehr als Problem-Spieler heraus. Sportlich ist der PSG-Star unumstritten, erzielte er in der abgelaufenen Saison doch 42 Tore in 47 Matches.

Doch der 22-Jährigen fiel schon häufiger negativ durch Star-Allüren und divenhaftes Gehabe auf. Mit seinem Eigensinn auf dem Platz zieht er zudem immer wieder den Unmut seiner Teamkameraden auf sich. Mbappe müsse endlich lernen, dass sich nicht alles um ihn dreht, forderte auch der frühere Nationalspieler Micoud. Sonst könne die Leistung der gesamten Mannschaft darunter leiden.

Pogba spielt Zwist herunter

Mittelfeld-Stratege Paul Pogba bemühte sich derweil, die Querelen im Kader herunterzuspielen. "Die einzigen Verspannungen haben wir am Rücken und in den Beinen. Es gibt wirklich nur Lachen, Musik und Massagen", beteuerte der 28-Jährige im französischen Fernsehen. So recht glauben, wollte es ihm niemand.

Dem Radiosender "RMC Sport" zufolge soll Giroud im Training auf Mbappe zugegangen sein, um Frieden zu schließen. Das habe allerdings nach Interpretation der Körpersprache nicht so recht geklappt. Wie groß die Kluft der beiden Angreifer tatsächlich ist, und ob sich der Streit auf die Leistung der Franzosen auswirken wird, könnte schon das erste EM-Gruppenspiel gegen Deutschland am Dienstag zeigen.

Doch aufgepasst: Giroud und Mbappe haben schon einmal bewiesen, dass sie an einem Strang ziehen können – bei der Weltmeisterschaft 2018. Aus französischer Sicht wird es nur Zeit, dass sich alle Beteiligten daran wieder erinnern.

Carolin Blüchel

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