Die EM-Songs sind nicht alle massentauglich. - Bildquelle: imago images/GEPA picturesDie EM-Songs sind nicht alle massentauglich. © imago images/GEPA pictures

München – Der Auftritt ist in seiner Gesamt-Komposition ein echtes Kunstwerk. Kult. Und deshalb nach nunmehr 35 Jahren deutsches Fußball-Kulturgut. Mindestens.

Ganz nebenbei war "Mexico mi amor", geschmettert von Peter Alexander und der deutschen Nationalmannschaft, der musikalische Wegbereiter für ein erfolgreiches WM-Turnier, welches das DFB-Team 1986 in Mexiko nach der Final-Niederlage gegen Argentinien als Vize-Weltmeister abschloss. 

Alleine schon wie Toni Schumacher gleich zu Beginn des Auftritts leidenschaftlich die Trompete bediente, ließ gewitzte Beobachter damals frühzeitig erahnen, was bei dem Turnier möglich sein könnte. Denn auch Michael Frontzeck ließ sich nicht von der offensichtlichen Tatsache abhalten, dass er keine Gitarre spielen konnte. Er hielt sogar bis zum Ende durch und klampfte auf dem Gerät herum, was die Saiten hergaben.

Und auch Lothar Matthäus und Pierre Littbarski machten (halbwegs) gute Miene zu dem Spiel, dass sie als einzige der Barden-Truppe mit Sombrero und Poncho posieren mussten. Die Kamera hielt erbarmungslose zehn Sekunden drauf, so dass sie auch wohl oder übel die Lippen halbwegs synchron zum Gesang bewegen mussten.

Die Nationalmannschaft singt nicht mehr

Heute sind Darbietungen dieser Art leider hierzulande undenkbar, weil es die Songs der Nationalmannschaft schon lange nicht mehr gibt. Eine echte Schande übrigens.

Kleiner Trost: Phonetische Perlen gibt es trotzdem noch pünktlich zu jedem großen Turnier. Wie auch jetzt zur EM.

Die UEFA hat keine Mühen gescheut, von den Namen her echte Prominenz aufzufahren. So sind der niederländische Star-DJ Martin Garrix sowie Bono und The Edge von "U2" für "We are The People" verantwortlich.

Auch die ARD hat einen eigenen Song, der die Übertragungen untermalt. "Die guten Zeiten" stammt von Wincent Weiss und Johannes Oerding. 

Auch die Telekom lässt sich nicht lumpen und hat für die Übertragungen bei "MagentaTV" einen Song produzieren lassen: "On the Field of Dreams" von Daniel Hall.

Sogar Spieler werden einfallsreich. Der bisherige Gladbach-Leihspieler Valentino Lazaro hat sich musikalisch auf die EM-Teilnahme mit der österreichischen Nationalmannschaft eingestimmt. 

Der 25-Jährige veröffentlichte seinen persönlichen EM-Song mit dem Titel "Immer wieder", den Lazaro gemeinsam mit dem in Wien lebenden Musiker Meydo aufnahm. 

Auch die Teilnehmer haben ihre Songs. Nordmazedonien wird durch rockige Klänge der Gruppe "Vis Risovi" unterstützt, Goran Pandev und Co. schauen dann auch recht entschlossen in die Kamera. 

Auch die Türkei hofft, dass ein eigener Song die Mannschaft pushen kann.

Die Schotten machten es so, wie man es eigentlich machen sollte: Sie feierten die gelungene Quali in der Kabine mit dem Klassiker "Yes Sir, I can Boogie" des spanischen Duos Baccara. Und natürlich ist der Song nun auch die offizielle Team-Hymne für die EM. 

Genial? Oder gaga? Die Belgier lassen sich von "Deviltime" pushen, eine, sagen wir, eigenwillige Cover-Version des Hits "U Can’t Touch This" von MC Hammer.

Alte Hits umzufunktionieren, ist ein beliebtes und probates Mittel. Die Slowaken bekommen daher eine EM-Version des Partisanen-Lieds "Bella Ciao" ("Daj gola, daj") vorgeträllert. 

Die Tschechen bekommen von der Punk-Rock-Band "Tri Sestry" natürlich einen Punk-Song serviert, der von einem Video begleitet wird, das mit dem Kneipenbesuch eines Mannes in Corona-Zeiten zwar irritiert, dank des Nebendarstellers Nedved (eine Schildkröte) aber auch amüsiert.

England setzt 2021 auf das Rap-Stück "We are England" von Krept and Konan. Wie das bei den Anhängern ankommt, bleibt abzuwarten.

Das Gute: Die englischen Fans können immer auf ihren ganz eigenen Klassiker zurückgreifen. "Football’s coming Home" ist legendär und der wohl beste Fußball-Song der Geschichte.

Das zeitlose Stück spiegelt aber auch das Problem wider: Fußball-Lieder sind eine Kunst für sich. Eine Kunst, die die wenigsten beherrschen, denn in vielen Fällen sind diese Lieder eine akustische Belästigung oder Beleidigung. 

Der verzweifelte Versuch, irgendwas zwischen eingängig, melodisch und fußballtauglich hinzubekommen, das am Ende alles ist, aber kein Ohrwurm oder gar Sommerhit. 

Es gibt sie aber auch, die Ausnahmen. Auch 2021.

Die Dänen können sich über so eine Ausnahme freuen. "Danmarks Dynamite" ist eingängig und durchaus zum Mitgrölen geeignet.

Das Highlight: Die dänische Nationalmannschaft singt mit. Und als dann mittendrin Christian Eriksen auch noch die Luftgitarre auspackt, werden Erinnerungen an Michael Frontzeck wach.

Und man stellt sich unweigerlich die Frage, ob der Song für Geheimfavorit Dänemark nicht auch ein Wegbereiter sein könnte.

Andreas Reiners

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