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München - Im Jahr 2013 brach Daniel Engelbrecht, damals Stürmer bei den Stuttgarter Kickers, auf dem Feld zusammen. Reanimiert wurde er nicht und kam zum Glück von alleine wieder zu sich. Er schaffte das Comeback, war aber, wie er im Interview mit ran verrät, nie wieder wirklich fit. Dementsprechend weiß der heute 30-Jährige bestens, in welcher Situation sich Inter Mailands Christian Eriksen befindet. 

Laut Medienberichten soll derzeit geprüft werden, ob der bei Eriksen implantierte Defibrillator wieder entfernt werden kann, damit er weiter für Inter spielen kann.

Im Interview mit ran spricht Engelbrecht über Eriksen, seinen eigenen Defibrillator und warum für ihn nie zur Debatte stand, diesen zu entfernen.

ran: Herr Engelbrecht, die erste Frage, die nicht nur in diesen Zeiten, sondern auch bei Ihnen eine wichtige ist: Wie geht es Ihnen?

Daniel Engelbrecht: Mir geht es gut, danke. Ich habe 2018 meine Karriere beendet und seitdem geht es mir deutlich besser als vorher. Ich musste mir leider eingestehen, dass ich nach dem Vorfall nie mehr meine 100 Prozent erreicht habe.

ran: Sie haben, wie jeder Fußballfan, das Drama um Christian Eriksen bei der Europameisterschaft mitverfolgt. Was glauben Sie, wie es mit ihm weitergeht? Schließlich darf er laut den Statuten der Liga nicht mehr in Italien spielen.

Engelbrecht: Das ist ein Thema, das ich während der EM bereits angesprochen habe. Alle freuen sich, dass er wohlauf ist und sprachen bereits von einem Comeback. Ich habe die Hoffnungen aber sofort gedämpft. Keiner weiß bis heute, was die genaue Ursache war und die wird wohl absichtlich geheim gehalten. Wird er jemals wieder spielen können? Kriegt er sein altes Leben zurück? Die Gefahr eines Herztodes besteht immer nach so etwas. Es kommt darauf an, wie er sich erholt. In diesem Jahr sehe ich das nicht mehr.

ran: Zuletzt wurde bekannt, dass wohl geprüft wird, ob man ihm den Defibrillator wieder entfernen kann. Was halten Sie davon und glauben Sie, dass Inter das womöglich forciert hat? Schließlich will man so einen Spieler nicht ohne Kompensation verlieren.

Engelbrecht: Ich glaube nicht, dass es vom Verein kommt. Aber zu Inter kann ich nur sagen, dass es absolut unterste Schublade war, dass eine Woche nach dem Vorfall bereits Hakan Calhanoglu als potentieller Ersatz verpflichtet wurde. Das zeigt einem mal wieder: Du als Mensch bist dem großen Verein nichts wert. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Inter das angeordnet hat. Ich denke eher, dass es der Wunsch von Eriksen war.

ran: Haben Sie sich auch überlegt, den Defibrillator entfernen zu lassen?

Engelbrecht: Bei mir stand es niemals zur Debatte, den Defibrillator herauszunehmen. Er hat mir seit dem Vorfall damals im Spiel gegen Erfurt noch drei Mal das Leben gerettet, wo ich ohne ihn wohl gestorben wäre. Ich hätte ihn nach meinem Karriereende vielleicht rausnehmen können, ich habe es mich aber absolut nicht mehr getraut. Er ist mein Schutzengel.

ran: Haben Sie eine Prognose für Eriksen? Was glauben Sie, wie es mit ihm weitergeht?

Engelbrecht: Ich kann nicht beurteilen, ob er wieder volle Fitness erlangt. Ich kann nur sagen, wie es bei mir war und ich habe danach nie wieder mehr als 60, vielleicht 70 Prozent Fitness erlangt. Wenn es eine Herzmuskelentzündung wie bei mir war, dann denke ich nicht, dass er wieder auf seine 100 Prozent kommt. Fußballspielen verlernt man nicht, aber ich kenne die Ursache auch nicht. Sollte es wirklich das Gleiche wie bei mir sein, dann sehe ich leider keine guten Chancen.

Das Interview führte: Kai Esser

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