Bloch rät dazu nur noch gesunde Spieler einzusetzen - Bildquelle: AFP/SID/VLADIMIR SIMICEKBloch rät dazu nur noch gesunde Spieler einzusetzen © AFP/SID/VLADIMIR SIMICEK

Bratislava (SID) - Nach dem missglückten Experiment mit Rückraumspieler Hendrik Wagner rät Sportmediziner Wilhelm Bloch dem deutschen Team, bei der Handball-EM auf den Einsatz von corona-genesenen Akteuren zu verzichten. "Aus medizinischer Perspektive ist der Fall klar: Es geht sportlich um nichts mehr, deshalb sollte man die Gesundheit der Spieler in den Vordergrund stellen", sagte Bloch im SID-Interview: "Ich persönlich würde sagen: Lasst andere spielen und die infizierten Spieler sollen nach Hause reisen."

Wagner hatte am Sonntag nach überstandener Corona-Infektion ein Blitz-Comeback im Hauptrundenspiel gegen Schweden (21:25) gegeben, dabei aber nach nur wenigen Minuten über Atemnot geklagt. "Man sieht an genau so einem Fall, dass es sehr, sehr schwierig ist, einen corona-infizierten Spieler sofort in den Wettkampf zurückzuschicken", sagte Bloch. 

Für den renommierten Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln "kommen die Beschwerden des Spielers nicht unerwartet. Meist fühlen sich Patienten nach überstandener Infektion gut. Sobald sie in die Belastung gehen, merken sie jedoch, dass sie noch nicht fit sind." 

Langzeitfolgen befürchtet Bloch aber nicht. "Ich würde grundsätzlich nicht davon ausgehen, dass Langzeitschäden auftreten. Die Grundimmunität, die durch die Impfung erreicht wird, macht sehr viel aus. Es wäre eine andere Situation, wenn wir ungeimpfte Spieler mit Infektionen hätten", sagte er, verwies aber auch auf eine "noch sehr, sehr schwache" Datenlage. 

Das deutsche Team hatte sich trotz etlicher Infektionen gegen einen Turnier-Ausstieg entschieden. Am Montag vermeldete der Deutsche Handballbund (DHB) nun die Coronafälle Nummer 14 und 15 unter den Spielern. "Ich kann aus sportlicher Sicht verstehen, dass man es versucht hat. Mit einer so hochinfektiösen Variante wie Omikron brauchte man aber nicht den Blick in die Glaskugel. Es war leicht vorherzusehen, dass das nicht gut geht", sagte Bloch, der bereits nach den ersten Fällen im Team vor einer massiven Ausbreitung des Virus gewarnt hatte.

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