Endlich auf Platz 1: Daniel Juncadella feiert seinen ersten DTM-Sieg - Bildquelle: imago/PakuschEndlich auf Platz 1: Daniel Juncadella feiert seinen ersten DTM-Sieg © imago/Pakusch

Brands Hatch / München – 67 Anläufe hatte er gebraucht, um endlich sein erstes Rennen in der DTM zu gewinnen. Auf der englischen Traditionsrennstrecke Brands Hatch schlug nun seine große Stunde: Erst holte der 27-jährige Daniel Juncadella die Pole-Position, dann gewann er auch noch das Rennen. Als er von Moderatorin Andrea Kaiser auf den perfekten Samstag angesprochen wurde, sagte er spontan: "Geil, oder? Das war natürlich ein großes Rennen und großer Tag für mich."  

Sein Schlüssel zum Sieg klingt simpel, ist aber gleichwohl extrem schwierig umzusetzen: "Ich habe das wie im Qualifing gemacht, habe jede Runde gepusht." Genau das gelang ihm in den vergangenen Jahren zu selten. Juncadella war nie als Überflieger, sondern meist nur als Hinterherfahrer bekannt. Sieht man einmal vom Jahre 2012 ab, als er Meister der Formel-3-Euroserie wurde, war seine Karriere nicht von großen Erfolgen gekrönt. 

"Es hat keinen Spaß mehr gemacht"

16, 18, 20, 24 – dies waren die Endplatzierungen, die der aus Barcelona stammende Rennfahrer in der DTM belegte. Nach der Saison 2016 nahm er eine Auszeit aus dem Renngeschehen der DTM, fuhr stattdessen in der Blancpain Endurance Series und als DTM-Testfahrer. Teilweise schien es so, als würde er nie wieder auf die große Bühne des Rennsports zurückkehren. "Es hat mir keinen Spaß mehr gemacht. Ich war nicht motiviert und habe nicht voll trainiert", sagte er in einem Interview mit Motorsport-Magazin.com. Damals dachte er sogar über ein Karriereende nach. 

Ein Schicksalsschlag kam erschwerend hinzu: Im November des vergangenen Jahres verstarb einer seiner besten Freunde bei einem Motorrad-Unfall.  "Als er gestorben ist, war das ein großer Schock für uns alle. Wir kennen uns, seit wir zehn Jahre alt waren, wir hatten uns damals im Sommerurlaub kennengelernt", so Juncadella.  

Der Tod eines Freundes sorgte für ein Umdenken

Doch ausgerechnet dieses schlimme Erlebnis führte bei Juncadella zu einem Umdenken – und zwar in positiver Hinsicht. "Ich habe gesehen, wie plötzlich das Leben vorbei sein kann. Mir ist sehr bewusst geworden, dass du jeden Tag ausnutzen musst", erklärte er und fügte hinzu: "Ich habe meine Denkweise nach seinem Tod komplett geändert."  

Möglicherweise hätte Juncadella gar nicht die Gelegenheit für ein DTM-Comeback bekommen, hätte Mercedes-Fahrer Maro Engel nicht plötzlich seinen Platz geräumt, um sich auf andere Rennserien zu konzentrieren. Auf einmal wurde ein neuer Fahrer gesucht. Und zwar möglichst einer, der das Team und die Abläufe bereits kennt. So fiel die Wahl auf Juncadella.

Der Mann aus Titan

"Es ist toll, dass ich noch einmal die Chance bekomme, mich zu beweisen", sagte er damals und stellte völlig zurecht fest: "Die Ergebnisse können nur besser werden." Sein Ehrgeiz schien größer zu sein als je zuvor. Beste Beispiel: Als er in Folge eines Fahrradunfalls unter einem Schlüsselbeinbruch litt, absolvierte er trotzdem 121 Test-Runden. Seitdem hat er im Team einen neuen Spitznamen: Der Mann aus Titan. 

Eigentlich liegt der Erfolg bei ihm auch in der Familie: Sein Großvater war ein erfolgreicher Textilunternehmer, seine Großmutter eine bekannte Schriftstellerin, sein Vater ein begnadeter Rallyfahrer, sein Onkel Mitgründer der ehemaligen Motorsport-Organisation Escuderia Montjuic. Nun wurde die Familiengeschichte um einen DTM-Sieger erweitert – dank Daniel Juncadella.

Damit soll die Erfolgsgeschichte aber noch längst nicht beendet sein. Am Sonntag möchte Juncadella auch den 2. Lauf in Brands Hatch (ab 14 Uhr live auf Sat.1) erfolgreich gestalten. Denn eines ist sicher: Bis zu seinem nächsten Sieg sollen nicht noch einmal 67 Rennen vergehen.

Du willst die wichtigsten Motorsport-News direkt auf dein Smartphone bekommen? Dann trage dich für unseren kostenlosen WhatsApp-Service ein unter http://tiny.cc/ran-whatsapp

Motorsport-Galerien

Motorsport 2018 / 2019