Audi und BMW testen in Jerez. - Bildquelle: Audi Communications Motorsport //Paulo Maria / INTERSLIDE, free of charge for press purpose only. If you need pictures for otherAudi und BMW testen in Jerez. © Audi Communications Motorsport //Paulo Maria / INTERSLIDE, free of charge for press purpose only. If you need pictures for other

München/Jerez – Rennfahrer wollen von allem so viel wie möglich. Fahrzeit. PS. Action. Davon kann es gar nicht genug sein. In dieser Winterpause gibt es in der DTM zumindest mehr als früher.

Denn in Jerez stehen vom 10. bis 12. Dezember die zweiten Testfahrten nach dem Saisonfinale in Hockenheim auf dem Programm. 

Heißt: Drei Tage lang geht es auf die Strecke, von morgens bis abends. Reichlich Fahrzeit also. Viele Kilometer. Action. Und auch mehr PS als letzte Saison. Es ist also einiges los in Spanien. ran.de beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Testfahrten.

Was wird getestet? BMW und Audi testen zum einen die Autos für 2019. In der kommenden Saison startet die DTM mit dem neuen Class-1-Reglement, also mit neuen Autos mit neuem Vierzylinder-Turbomotor und weniger Aerodynamik. Mehr als 600 statt wie bislang rund 500 PS leisten die Boliden, die dadurch zwei bis drei Sekunden schneller sind. Auch Geschwindigkeiten jenseits der 300 km/h auf der Geraden sollen nun möglich sein.

Für Audi sitzen Mike Rockenfeller und Nico Müller im Audi-Testträger, bei BMW sind es Marco Wittmann und Bruno Spengler. Das Quartett kennt sich aus, saß bereits bei den ersten Tests mit den neuen Boliden im Cockpit.

Und: Gleichzeitig findet der Young Driver Test statt, eine alljährliche Nachwuchssichtung. Wobei "Young" bei Teilnehmern jenseits der 40 relativ ist. Für BMW steigen die beiden Werksfahrer Nick Catsburg (30) und Mikkel Jensen (23), der Brite Nick Yelloly (28) und Sheldon van der Linde (19) ins Cockpit eines M4 DTM von 2018.

Audi schaut sich eine Mischung aus Jung und Alt an. Rallycross-Star Andreas Bakkerud (27), der dreimalige Le-Mans-Sieger und ehemalige Champion der Japanischen Super GT, Benoît Tréluyer (42), der im Kundensport-Programm von Audi Sport erfolgreiche Belgier Frédéric Vervisch (32), der junge Italiener Mattia Drudi (20) sowie Formel-3-Youngster Jonathan Aberdein (20) aus Südafrika sitzen in einem Audi aus der letzten Saison.

In Jerez erstmals auch dabei: Das Audi-Kundenteam W Racing Team (WRT). Die Belgier gehen 2019 mit zwei Audi an den Start. 

Was sagen die Fahrer zu den neuen Autos? Die sind begeistert. "Das Auto fühlt sich beim Fahren richtig cool an, und es macht riesigen Spaß", sagte Wittmann. "Man spürt deutlich die Leistung und das Drehmoment des neuen Motors. Auch durch die modifizierte Aerodynamik verhält sich das Auto anders. Das wird garantiert für noch mehr Spektakel sorgen."

Müller schwärmte: "Das neue DTM-Auto hat mächtig Bums und geht richtig vorwärts. Der Turbomotor schiebt ganz gewaltig an. Wir werden Geschwindigkeiten erleben, wie es sie in der DTM noch nie gegeben hat."

Warum sind die Tests so wichtig? Für Audi und BMW in zweierlei Hinsicht. Zum einen wollen die beiden Hersteller die nächsten Schritte bei der Entwicklung der neuen Boliden sammeln. Denn wie erwähnt sind das im Moment nur Testträger, weitere Evolutionsstufen folgen, ehe die Autos im März homologiert werden. Jeder Kilometer zählt.

Und: Der "Nachwuchs" wird drei Tage lang unter die Lupe genommen. Denn möglicherweise werden sich BMW und Audi aus dem Fundus bedienen.

WRT hingegen schnuppert erstmals DTM-Luft. Das Team existiert seit 2009, machte sich aber bislang im GT-Bereich einen Namen. Die Tourenwagenserie ist eine Herausforderung, der nächste Schritt. "Wir sind alle sehr aufgeregt, dabei zu sein. Es ist eine große Herausforderung. Wir wissen, dass es nicht einfach wird. Wir sind sehr fokussiert, alles richtig zusammenzubekommen", sagte Teamchef Vincent Vosse.

Wie sehen die Kader von BMW und Audi aus? BMW setzt beim Aufbruch in eine neue DTM-Ära auf Kontinuität: Das Aufgebot hat sich nicht groß verändert. In Philipp Eng, Joel Eriksson, Timo Glock, Bruno Spengler und Marco Wittmann bleiben fünf der bisherigen DTM-Fahrer an Bord. Offen ist aber noch der letzte Platz im Kader. Den hatte der bisherige Stammfahrer Augusto Farfus freigemacht. Der Brasilianer hat seine DTM-Karriere beendet, um sich mehr auf den GT-Sport zu konzentrieren. BMW will sich die vier Kandidaten in Jerez näher anschauen. Eine Art Shootout. BMW-Boss Jens Marquardt: "Wir werden uns dann etwas Zeit lassen, um das zu analysieren und zu entscheiden, ob wir einen der vier Fahrer oder jemanden ganz anderen nehmen. Aber: Das ist ein sehr starkes Quartett. Ich bin gespannt, wie sich die Jungs schlagen."

Audi will den Kader für 2019 noch vor Weihnachten bekanntgeben. Gibt es denn Handlungsbedarf? Theoretisch durchaus. Gesetzt sind Vizemeister Rene Rast, Mike Rockenfeller und Nico Müller. Wackelkandidaten dürften vor allem Loic Duval und Robin Frijns sein. Duval enttäuschte als Gesamt-17. erneut, Frijns geht in der neuen Saison der Formel E an den Start. Kollisionen gibt es bei den Kalendern keine, das Doppelprogramm wird aber vor allem im Frühjahr intensiv. Heißt: Unter dem Strich könnten bis zu zwei Cockpits neu vergeben werden.

Kein Thema ist aber offenbar Mattias Ekström, obwohl der zweimalige Meister nach dem Aus seines Rallycross-Projekts in der WM Zeit hätte. Der Schwede steht dem Thema DTM "recht offen gegenüber. Wenn jemand kommen und sagen würde: 'Willst du nicht in der DTM fahren?', dann wäre ich nicht abgeneigt. Aber das ist bisher nicht passiert, und daher beschäftige ich mich damit auch nicht", sagte er Motorsport.com. Er stellt klar: "Ich bin auch keine 18 mehr und werde nicht auf Knien rutschen. Es müsste für mich alles passen, und das Team müsste mich haben wollen. Audi hat ein gutes Team, für sie gibt es wenig Gründe, etwas zu ändern."

Wie laufen die Tests für WRT ab? WRT bekommt einen 2018er-Boliden vom Team Phoenix, um sich einzugrooven. Mit zehn Mann reist das Team an, 14 bis 16 sollen es am Ende werden, zu 60 Prozent Leute, die sich mit der DTM bereits auskennen, deshalb werden es auch Mitarbeiter von außen sein. "Das Wichtigste wird sein, das Team zusammenzustellen. Die richtigen Leute an die richtigen Stellen zu bekommen. Wir arbeiten noch an Optionen, um Leute ins Team zu holen. Deshalb laufen noch viele Gespräche", sagte Vosse. 

Keine Frage: Man fängt nicht bei Null an, hat aber eine Menge aufzuholen. Klar ist: Die Belgier wissen, wie es grundsätzlich geht. Knowhow und Qualität müssen nun "nur" noch in die DTM implementiert werden. In Jerez waren Aberdein und dessen Formel-3-Kollege Ferdinand Habsburg als Fahrer vorgesehen, Habsburg sagte jedoch kurzfristig ab, wie Vosse verriet. Er stellte aber klar: "Wir arbeiten weiterhin an den Fahrern. Aber natürlich wird der Test sehr wichtig sein."

Was ist mit Aston Martin? Der DTM-Neueinsteiger wird 2019 zunächst zwei, mittelfristig vier Autos an den Start bringen. Die Tests kommen für das Projekt um die AF Racing AG, HWA und R-Motorsport noch zu früh.

Fahrer stehen auch noch keine fest, Namen werden aber bereits fleißig spekuliert. Wie Ex-Meister Paul di Resta zum Beispiel. Eine naheliegende Lösung wäre Ex-DTM-Pilot und Aston-Martin-Werksfahrer Maxime Martin. Der Belgier war er zwischen 2014 und 2017 für BMW in der DTM unterwegs, absolvierte 64 Rennen und feierte drei Siege. Auch Nicki Thiim, Sohn von DTM-Legende Kurt Thiim, wäre dann eine mögliche Lösung. Bei R-Motorsport im Kader und nicht uninteressant für einen DTM-Einsatz: der Österreicher Dominik Baumann und der Deutsche Marvin Kirchhöfer. Er hatte in der Vergangenheit bereits einen DTM-Test absolviert.

Was macht Mercedes in Jerez? Vorab: Ein Comeback ist es nach dem Ausstieg nicht. Vielmehr gehört der Young Driver Test vertraglich zur abgelaufenen Saison, weshalb auch Mercedes ein Auto nach Spanien schickt. Die Fahrer stehen noch nicht fest. Gut möglich, dass HWA den Test dazu nutzt, um Nachwuchs für die kommende Saison in der neuen Formel 3 zu testen. Potenzielle Piloten für das Aston-Martin-Projekt sollen es aber offenbar nicht sein.

Die DTM gibt es live in SAT.1 und auf ran.de

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