Vergangenes Wochenende startete das ADAC GT Masters in die neue Saison. - Bildquelle: ADAC MotorsportVergangenes Wochenende startete das ADAC GT Masters in die neue Saison. © ADAC Motorsport

München - Dieses Jahr gibt es in Deutschland mit der DTM und dem ADAC GT Masters zwei konkurrierende GT3-Sprintserien mit weniger als einer Stunde Rennlänge. Aber wäre das notwendig gewesen? Diese Frage stellen sich auch viele Motorsport-Insider, denn während die DTM nach Gerhard Bergers Kraftakt 18 Autos zusammenbrachte, schrumpfte das Feld im ADAC GT Masters von über 30 auf 27 Boliden.

"Warum kann man nicht die Hälfte der Rennen zusammen am Wochenende machen?", wünscht sich Ex-DTM-Legende Hans-Joachim Stuck in der "ARD", dass die beiden Serien gemeinsame Sache machen. Und sieht in der Sache keinen Interessenskonflikt.

"Probleme mit dieser Besetzung nicht lösbar"

"Die DTM ist eine reine Sprintserie, die es auf der Welt nur ein Mal gibt. Und das GT Masters ist eine Serie, wo Fahrerwechsel stattfinden, wo Pro-Am (Profi und Amateur; Anm. d. Red.) gegeneinander fährt. Die tun sich ja nicht mal weh", sagt er: "Wenn man da mal vernünftig miteinander reden würde, und ein Wochenende zusammen macht, hätte der Fan was davon. Es gäbe kompakten Motorsport, wo der Fan richtig Spaß hat. Das wäre sensationell."

Damit spielt Stuck auf das ADAC-Motorsportfestival an, das 2016 und 2017 auf dem Lausitzring stattfand und bei dem beide Serien an einem Wochenende starteten. Die Eigeninteressen der Serienbetreiber ließen das Projekt danach platzen und die beiden Meisterschaften immer weiter auseinanderdriften.

"Da spielen leider Gottes Probleme eine Rolle, die aus meiner Sicht mit dieser Besetzung nicht lösbar sind, was wirklich sehr, sehr schade ist", verweist Stuck auf die Gefechte zwischen Berger und dem langjährigen ADAC-Sportpräsidenten Hermann Tomczyk, dem nun Gerd Ennser nachfolgt.

Ex-DTM-Pilot Manuel Reuter, der beim Audi-Team Rutronik im ADAC GT Masters als Sportdirektor agiert, ist nach wie vor der Ansicht, dass die beiden Serien zusammengehen hätten sollen. "Es ist schade, dass man daraus nicht eine Serie gemacht hat, aber das ist jetzt dieses Jahr mal so", sagt er. Nun müsse man sehen, "ob in Deutschland dieses Konzept, dass zwei Serien im Grunde mit identischen Autos fahren, zukunftsträchtig ist".

Reuter: Ist Elektro-Plan der DTM umsetzbar?

Reuter sieht ein, dass es für die DTM keinen anderen Weg gab, als auf GT3-Autos zu wechseln: "Nach diesem Ausstieg der Hersteller war das letztendlich die einzige Möglichkeit, die DTM weiterzuführen."

Ob sich das durch die Elektropläne der DTM-Dachorganisation ITR mit dem von Schaeffler entwickelten Prototypen in Zukunft ändern wird, müssen man "abwarten", meint Reuter in der "ARD": "Gerhard Berger sagt ganz klar: 'Wenn elektrisch, dann müssen die Autos auf den uns bekannten Rennstrecken idealerweise mit deutlich über 1.000 PS fahren. Und so ein Rennen soll dann trotzdem um eine Stunde gehen.'"

Die Umsetzung sei aber mit der aktuellen Technologie fraglich: "Das sind im Moment natürlich schon noch ganz dicke Bretter, die man da bohren muss, damit dieses Thema mit Elektro gestemmt werden kann."

Haug fordert synthetischen Kraftstoff

Ex-Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug ist währenddessen vor allem erleichtert, dass es die DTM weiterhin gibt. "Wir haben ja alle die DTM im Blut und lieben es auch, wenn es diese Serie weiter gibt", sagt Haug, der dabei vor allem an die zahlreichen "verdienten Mitarbeiter" denkt. "Die haben ihre Daseinsberechtigung, dass sie in ihrem Wettbewerbssport weiterhin arbeiten, funktionieren, ihre Leistung umsetzen dürfen."

Für den deutschen Motorsport ist laut Haug eine Koexistenz der beste Weg: "Ich glaube, der deutsche Motorsport kann sich nur wünschen, dass es eine hochstehende DTM und ein hochstehendes GT Masters, das ja jetzt auch einen Meistertitel hat, gibt." Gerade für Berger und die ITR sei die Rettung der DTM "eine große Herausforderung", gewesen, "aber offensichtlich sind die, was ich höre, auf einem sehr guten Weg".

Ob Haug irgendwelche Präferenzen hat? "Mir wäre es recht, dass der die meisten Pluspunkte von mir bekommt, der als erster mit synthetischem Kraftstoff und E-Fuels fährt", stellt Haug in der "ARD" klar, wohin aus seiner Sicht die Reise in Zukunft gehen muss.

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