Paul di Resta: 2019 für Aston Martin? - Bildquelle: imago/PakuschPaul di Resta: 2019 für Aston Martin? © imago/Pakusch

München - Paul di Resta hat Respekt vor seiner neuen Aufgabe. Denn die ist nicht ohne: Der 32-Jährige geht in der Saison 2019 in einem Aston Martin Vantage DTM an den Start. 

Heißt: Ein ganz neues Projekt, neue Anreize, aber auch eine ganz neue Herausforderung. Denn das Konstrukt um das Motorsport-Unternehmen AF Racing, dem Schweizer Team R-Motorsport und dem früheren Mercedes-Werksteam HWA stampft innerhalb von rund sechs Monaten einen neuen Mitstreiter unter der Flagge der britischen Luxusmarke aus dem Boden, der es mit den etablierten deutschen Herstellern Audi und BMNW aufnehmen will. 

"Nicht leicht gegen Audi und BMW"

Der Ansatz lautet deshalb: Demut, aber auch Optimismus und jede Menge Ehrgeiz. "Sicher wird es für unsere vergleichsweise kleine Mannschaft nicht leicht gegen unsere Wettbewerber mit erfahrenen Werksteams großer Premium-Hersteller anzutreten", sagte der 32-Jährige: "Jedoch ist mein bisheriger Eindruck von der Professionalität, dem Engagement und Ehrgeiz unseres Teams sehr positiv und ich gehe mit einem guten Gefühl in die Saisonvorbereitung. Ich kann es kaum erwarten, den Aston Martin Vantage DTM beim ersten Test auf der Rennstrecke zu fahren und meinen Teil zur Entwicklung des Fahrzeugs einzubringen."

R-Motorsport-Teamchef Dr. Florian Kamelger weiß: "Mit Paul haben wir einen versierten und erfahrenen Fahrer mit einer beeindruckenden sportlichen Vita gewinnen können." Kamelger hatte im ran-Interview angekündigt, neben Erfahrung auch auf den Nachwuchs setzen zu wollen. Gesagt, getan: Zwei Stunden nach di Resta verkündete R-Motorsport den Briten Jake Dennis als zweiten Piloten. Der 23-Jährige kommt aus dem eigenen Stall, fuhr 2018 unter anderem erfolgreich im Blancpain GT Series Endurance Cup und absolvierte auch einen Formel-1-Test mit Red Bull Racing.

Keine Frage: Die Fahrer sind ein ganz wichtiger Faktor. Nicht nur auf der Strecke, sondern auch in der Garage, bei der Entwicklung des Autos, sind sie im Gesamtgefüge ein entscheidendes Puzzlestück. Bei vier geplanten Aston Martin Vantage DTM, die R-Motorsport einsetzen will, ist das Fahrer-Casting nicht ganz so einfach. Denn die Mischung macht's.

Einen Anführer hat Aston Martin mit di Resta nun gefunden. Der Schotte wurde bereits seit dem Saisonfinale im vergangenen Oktober gehandelt. Er war im Titelkampf 2018 lange ganz vorne dabei, fiel in Hockenheim dann aber hinter Champion Gary Paffett (Mercedes) und Vize Rene Rast (Audi) auf Platz drei zurück. 

Was für einen Fahrer setzt Aston Martin da ins Auto?

Der oft etwas wortkarge Schotte gilt nicht unbedingt als Entertainer, ist nicht derjenige, der sein Herz auf der Zunge trägt, Emotionen offen zeigt. Als er in Hockenheim seine Felle davonschwimmen sah, bewies er allerdings, dass er auch anders kann, teilte gegen Kontrahenten aus, von denen er sich behindert fühlte. Als er den Titel endgültig verloren hatte, verschwand er ohne ein weiteres Wort.

Man muss aber auch sagen: Diejenigen, die ihn bei seinem Experten-Job bei den britischen TV-Kollegen von Sky Sports UND in der DTM erleben, reiben sich aber immer wieder verwundert die Augen. Denn der Mann kann vor der Kamera eloquent und witzig sein. Nur leider ist er das zu selten als Fahrer. Was er auch nicht muss. Er muss vor allem erfolgreich sein. Und das ist er.

Ein Titelkandidat

Denn fahrerisch ist der 32-Jährige über jeden Zweifel erhaben. Meister 2010, 126 Rennen, elf Siege, 37 Podien. Dazu ausgestattet mit drei Jahren Erfahrung in der Formel 1. Und damit sportlich ein echtes Pfund. Mit einem siegfähigen Auto automatisch ein Titelkandidat. Einer, der weiß, wo er herkommt.

Denn di Resta hat sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet. Sein Vater besaß zwar einen Nachtclub, was di Resta bei seinen Freunden sehr beliebt machte, doch der Aufstieg im Motorsport war beschwerlich. "Wir waren immer ein Ein-Mann-Team. Wenn wir an der Strecke ankamen, war mein Dad der Mechaniker. Es war eine harte Schule", sagte di Resta. 

Und wie das oft so ist, spielte neben Fleiß, Beharrlichkeit und Talent auch das Glück eine wichtige Rolle: 2005 wurde er Mercedes-Junior, bekam die Chance, sich zu zeigen. Musste nicht mehr darum zittern, ob das Budget noch für eine weitere Saison reicht.

"Das machte den Unterschied aus. Ansonsten hätte es damals 'Game Over' gelautet und ich wäre niemals dorthin gekommen, wo ich heute bin. Es kam einfach alles zusammen, aber mein Dad hat mir alles gegeben, was möglich war und zum Glück wurde ich im richtigen Moment entdeckt."

Danach ging es schnell: Zwei Jahre in der Formel 3, den Titel holte er 2006. Der Schlüssel zur DTM, wo er ab 2007 für Mercedes an den Start ging. Er legte furios los und erzielte in seiner ersten DTM-Saison in einem zwei Jahre alten Auto vier Podestplätze. Bereits in seinem zweiten DTM-Rennen in Oschersleben belegte er hinter seinem Teamkollegen Gary Paffett Platz zwei. Im Verlauf seiner Debütsaison schrieb er DTM-Geschichte, indem er als erster Fahrer in einem sogenannten "Jahreswagen" die Gesamtwertung anführte.

Was ihn ebenfalls formte, war die Formel-1-Zeit. Vor allem das Ende. "Es war sehr emotional und hart. Ich habe es vor dem Rennen in Brasilien erfahren. Ich lag gerade auf dem Massagetisch und konnte ein Gespräch im Nebenraum mithören, das ich nicht hätte hören sollen." Drei Jahre fuhr er für Force India, erzielte in dieser Zeit in 58 Grands Prix 121 WM-Punkte.

Eine Rechnung offen

Dass die Formel 1 immer das Ziel war und im Grunde auch immer noch ist - daraus hat di Resta, der vor der Saison 2018 bei Williams sogar nochmal als Stammfahrer gehandelt wurde, nie einen Hehl gemacht.

Allerdings auch nicht daraus, dass er in seiner zweiten DTM-Karriere noch eine Rechnung offen hat.

Die kann er 2019 mit Aston Martin begleichen.

Andreas Reiners

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