Der neue Europameister: Mick Schumacher - Bildquelle: gettyDer neue Europameister: Mick Schumacher © getty

Hockenheim - Viele Fans strömen an diesem Wochenende durch das Fahrerlager. Auch die Formel 3 ist hier stationiert. Obwohl die Mechaniker vor der Nase der Zuschauer unter Zelten an den Wagen schrauben, interessiert dies eigentlich nur wenige. Langsam schlendern die Besucher vorbei, werfen mal einen Blick rüber oder machen gelegentlich ein Foto. Nur vor dem Zelt mit Auto Nummer vier tummeln sich die Leute.  

Mick Schumachers Wagen lockt die Fans an. In der Hoffnung, einen Blick auf den 19-Jährigen zu erhaschen, harren sie vor der Prema-Station aus. Auch Fotografen tauchen immer mal wieder auf, um ein Bild des neuen Formel 3-Champions zu machen. Seine Konkurrenten können in der Zeit unbemerkt vorbeiziehen – erkannt werden sie nicht. Doch Schumacher kennt offenbar schon jeder.

Zu Beginn seiner Karriere war dies anders. Seinen ersten großen Titel feiert Mick zehn Jahre nach seinem Einstieg in den Kartsport. Damals startete er noch als Mick Betsch – der Mädchenname seiner Mutter sollte die große Aufmerksamkeit verhindern, die ihn heute im Fahrerlager erwartet. Dem Nachwuchstalent gelangen einige zweite und dritte Plätze bei Meisterschaften, ehe er 2015 unter dem Namen Schumacher in den Formel-Sport wechselte.

Fan-Liebling ohne Berührungsängste

In der deutschen und italienischen Formel 4 gelangen ihm einige Siege, 2016 wurde er deutscher Vizemeister und ebnete damit den Aufstieg in die Formel 3. Nun scheint mit dem F3-Titelgewinn der Zeitpunkt gekommen, den nächsten Schritt zu machen: in die Formel 2. Weitere wichtige Erfahrungen im Rahmen der Königsklasse sammeln, ehe sich Schumi jr. womöglich 2020 seinen Traum von der Formel 1 erfüllt.

Ein paar Fans haben Glück: "Quick Mick", wie er auch in den Medien genannt wird, schleicht sich schnellen Schrittes aus dem Prema-Lager raus und legt einen kurzen Boxenstopp auf der öffentlichen Toilette im Fahrerlager ein. Berührungsängste mit den Hockenheim-Besuchern? Keine Spur.

Na klar haben ihn die Motorsportbegeisterten erkannt und warten ungeduldig, dass er wieder rauskommt, um ein Foto mit ihm zu machen. Trotz des Drucks, der an diesem Wochenende auf dem Youngster lastet, nimmt er sich kurz die Zeit und posiert mit den Fans, die sich danach voller Begeisterung ihre Fotos anschauen. Mick Schumacher ist derweil zurück in die Prema-Box geeilt. Zu viel Rummel muss dann doch nicht sein.

Wieder ein Champion namens Schumacher

Auch Mama Corinna ist zu Micks großem Tag nach Hockenheim gekommen. Im Vormittagsrennen hilft das Daumendrücken der Familie aber noch nicht: "Schumi III" beschädigt sich den Frontflügel im Kampf mit seinem Teamkollegen und muss in die Box. Matchball vertan. Danach zieht er sich zurück. Volle Konzentration auf Rennen zwei.

Um kurz nach 17 Uhr ist es dann endlich soweit: Mick Schumacher ist Formel 3-Europameister 2018. Wahnsinnig viele Pressevertreter empfangen ihn gemeinsam mit seinen Teammitgliedern und Vertrauten im Parc Ferme. Der 19-Jährige klettert auf sein Auto, jubelt und lässt sich feiern. Ein emotionaler Moment für die Ewigkeit – wieder feiert nicht nur Motorsport-Deutschland begeistert einen Champion namens Schumacher.

"Das heute bedeutet mir extrem viel," betont der Prema-Fahrer. Und das spürt man ihm auch an. "In Rennen eins war ich vielleicht zu motiviert, hatte zu viel Adrenalin." In Manier eines Titelgewinners kann er auch Fehler eingestehen und meistert die vielen Fragen der Presse.

Wie der Papa so der Sohn

Mit seinem Erfolg in der Formel 3 tritt Mick in die Fußstapfen von Vater Michael Schumacher. Der wurde 1990 Deutscher Meister in der F3. Ein kleiner aber feiner Unterschied: Michael stand damals noch längst nicht im Fokus, auf Mick sind in Hockenheim alle Augen gerichtet.

Bis spät abends stehen Fans vor dem Prema-Zelt. Eine große Feier gibt es hier aber nicht, schließlich will der frisch gebackene Europameister in seinem voraussichtlich letztem Formel 3-Rennen am Sonntagvormittag noch einmal überzeugen. Auch das klingt eben typisch nach Schumi.

Aus Hockenheim berichtet Alessa-Luisa Naujoks

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