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NFL - Cleveland Browns: Myles Garrett nach Sack-Rekord gegen die New England Patriots frustriert - ist sein Schicksal selbst gewählt?
- Aktualisiert: 28.10.2025
- 08:41 Uhr
- Julian Erbs
Gegen die New England Patriots hat Browns-Superstar Myles Garrett erneut gezeigt, dass er zu den besten Spielern der NFL gehört. Trotzdem verlor Cleveland klar mit 19 Punkten, er zeigte sich sehr frustriert nach dem Spiel. Beschweren darf sich Garrett darüber jedoch nicht.
von Julian Erbs
Myles Garrett nahm kein Blatt vor den Mund.
"Ich bin frustriert", sagte der NFL-Superstar der Cleveland Browns "The Athletic". "Ich will gewinnen. Es ist mir egal, wie viel Zeit noch auf der Uhr ist. Ihre Starter stehen noch auf dem Feld, also gibt es eine Chance, dass wir gewinnen können. Ich will ein Teil davon sein."
Damit nicht genug, denn der Defensive End war frustriert.
"Es ist mir egal, wie aussichtslos die Situation aussieht – ich will versuchen, etwas zu bewirken. Deshalb hasse ich es, in solchen Momenten ausgewechselt zu werden. Ich hasse dieses Gefühl der Unvermeidlichkeit und dass ich nichts dagegen tun kann. Ich will gewinnen, und ich werde alles dafür tun."
Die Emotionen waren verständlich nach einem Spiel, in dem Garrett mit fünf Sacks einen neuen Teamrekord aufstellte und damit seine eigene Bestmarke von 4,5 Sacks aus einem Duell mit den Chicago Bears aus dem Jahr 2021 übertraf.
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Dennoch verloren die Browns klar mit 13:32 gegen die New England Patriots. Aus Frust warf Garrett seinen Helm zu Boden, nachdem er in der Schlussphase der deutlichen Niederlage ausgewechselt worden war.
Garrett wurde 2017 von den Browns als First-Overall-Pick im Draft ausgewählt. In seiner ersten Saison blieb er komplett sieglos. In den Jahren 2018, 2019, 2021, 2022 und 2024 beendeten die Browns die Saison mit einer negativen Bilanz, also mehr Niederlagen als Siegen.
Myles Garrett: Zu gut für die Browns?
Nur 2020 und 2023 erreichte Garrett mit Cleveland die Playoffs. 2020 war in der Divisional Round gegen die Kansas City Chiefs Endstation, und 2023 setzte es bereits in der Wild Card Round gegen die Houston Texans eine deutliche Niederlage.
Besonders die Saison 2024 brachte Garrett stark zum Nachdenken.
Seine persönlichen Statistiken zeigen deutlich, warum Garrett immer weniger Lust auf Cleveland hat. In acht Spielzeiten mit den Browns gehörte er in sechs davon zu den Top 7 der Sack Leader. 2023 wurde er zudem zum Defensive Player of the Year gewählt, und auch in der aktuellen Saison führt er die Liga erneut an – mit bereits zehn Sacks nach acht Spielen.
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2017 unterschrieb Garrett wie üblich für Erstrunden-Rookies einen Vierjahresvertrag bei den Cleveland Browns, der ihm rund 30,5 Millionen Dollar einbrachte. Für seine herausragenden Leistungen wurde der Pro-Bowl-Pass-Rusher dann mit einer Vertragsverlängerung über fünf Jahre belohnt, die bis zur Saison 2026 laufen und ihm insgesamt 125 Millionen Dollar einbringen sollte.
Geld wichtiger als Erfolg?
Im Februar 2025 sorgte Garrett dann mit einer überraschenden Aussage für Aufsehen: Er wolle Cleveland verlassen. Der Grund: "Obwohl ich es geliebt habe, diese Stadt mein Zuhause zu nennen, lässt mich mein Wunsch zu gewinnen und auf den größten Bühnen zu konkurrieren nicht selbstzufrieden werden."
Sein Vertrag wäre regulär noch bis einschließlich 2026 gelaufen. Danach hätten die Browns theoretisch die Möglichkeit gehabt, ihn für die Saison 2027 mit dem Franchise Tag zu belegen. Da Garrett jedoch betonte, dass er gewinnen und auf den größten Bühnen des Footballs konkurrieren wolle – was in Cleveland aus seiner Sicht nicht möglich war –, forderte er einen Trade. Doch nur rund einen Monat später folgte die überraschende Wende: Garrett verlängerte seinen Vertrag in Cleveland doch noch – und das mit einem historisch hoch dotierten neuen Deal.
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Böse Zungen würden behaupten, dass letztlich die enorme Summe an Geld ausschlaggebend war, damit Garrett seine Talente weiterhin in Cleveland einsetzt. Ein Blick auf die Vertragsdetails unterstreicht diese Vermutung: Der neue Deal läuft über vier Jahre und hat ein Gesamtvolumen von 160 Millionen Dollar.
Hinzu kommen ein Signing Bonus von knapp 22 Millionen Dollar sowie eine No-Trade-Klausel, die bis 2030 gilt. Zudem macht der Vertrag Garrett zum bestbezahlten Nicht-Quarterback der NFL-Geschichte – gemessen am durchschnittlichen Jahresgehalt zum Zeitpunkt der Unterzeichnung.
Selbst gewähltes Schicksal?
Natürlich können Gespräche eine Meinungsänderung auslösen, doch abgesehen von den Playoff-Saisons 2020 und 2023 war in Garretts acht Jahren nur selten die echte Wettbewerbsfähigkeit eines Contenders zu spüren. Das ganze Drama um die Verpflichtung von Deshaun Watson, die Entscheidung, Baker Mayfield gehen zu lassen, die generellen QB-Planungen und die merkwürdige Trennung von Odell Beckham Jr. stehen unter anderem sinnbildlich dafür.
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Die Browns waren in den vergangenen Jahren nicht gerade ein Vorbild für kluge, langfristige Entscheidungen, die nachhaltigen Erfolg sichern und eine Winning Culture entstehen lassen. Jeder Footballspieler will gewinnen, so auch Garrett. Doch das klappt auch in dieser Saison nicht, die Pleite gegen die Patriots war die sechste in acht Spielen.
Wir lehnen uns nicht weit aus dem Fenster, wenn wir eine weitere Saison ohne Playoffs prognostizieren. Für Garrett sollte das nach den Erfahrungen der Vorjahre dann auch keine große Überraschung sein.
Zu verkünden, man wolle getradet werden, um endlich erfolgreichen Football zu spielen, dann aber nur einen Monat später einen der höchstdotierten Verträge der NFL-Geschichte ausgerechnet bei jener Franchise zu unterschreiben, die wie kaum eine andere für Negativschlagzeilen steht, und sich anschließend über ausbleibenden Erfolg zu beklagen, während man selbst einen großen Teil des Cap Space bindet, wirkt daher zumindest ein Stück weit doppelmoralisch.
Es ist immer gut, wenn Führungsspieler kein Blatt vor den Mund nehmen, die Fehler deutlich ansprechen und die Franchise antreiben, auch verbal.
Klar ist aber auch: Sein sportliches Schicksal ist selbst gewählt.
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