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NBA Finals

Finals-Takeaways nach Spiel 3: Wie Nikola Jokic und Jamal Murray Miami Heat auseinandernahmen

  • Aktualisiert: 08.06.2023
  • 12:58 Uhr
  • ran.de / Ole Frerks
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Die Denver Nuggets haben sich Spiel 3 der NBA Finals in überzeugender Manier gesichert und eine fast perfekte Antwort auf alle Fragen der Miami Heat gefunden. Das Star-Duo Nikola Jokic und Jamal Murray dominiert, allerdings empfiehlt sich auch ein Rollenspieler für das Podium.

Von Ole Frerks

Spiel drei der NBA Finals ging an die Denver Nuggets, die sich mit 109:94 bei den Miami Heat behaupteten. Damit führt der Western-Conference-Champion in der Best-of-Seven-Serie mit 2:1 und hat den Heimvorteil wieder auf seiner Seite. Die Takeaways von Spiel 3.

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1. Die Superstar-Antwort zweier Superstars

Viel wurde nach der Niederlage in Spiel 2 darüber diskutiert, ob beziehungsweise wie die Heat Nikola Jokic zum Scorer gemacht hatten. Spiel drei verdeutlichte dann gut, warum Heat-Coach Erik Spoelstra fast schon verärgert über diese Theorie war. Es ist schlichtweg nicht so einfach, den Nuggets irgendetwas aufzuzwingen oder ihre Spielweise zu diktieren. Vor allem ist es ein laufender Prozess, weil die Offense Denvers adaptier- und lernfähig ist. Sie kann kontern.

In Spiel 2 kam Jokic zwar auf 41 Punkte und Jamal Murray auf ein Double-Double, trotzdem hatten die beiden Nuggets-Stars auf ihre jeweilige Art und Weise Luft nach oben. Nach diesem Spiel ist es schwerer, von "Luft nach oben" zu sprechen – denn das war historisch. Beide Stars kamen auf 30-Punkte-Triple-Doubles, das hat es in den Finals noch nie gegeben.

Jokic lieferte 32 Punkte, 21 Rebounds und zehn Assists –ein Finals-Novum. Murray legte 34 Punkte und ebenfalls zehn Assists auf und schnappte sich in der Schlussminute auch noch seinen zehnten Rebound. Gemeinsam waren sie so dominant, dass ausnahmsweise sogar ihr Head Coach zufrieden war. "Das war in sieben Jahren ihr mit Abstand großartigstes gemeinsames Spiel", schwärmte Michael Malone.

Nikola Jokic und Jamal Murray versenken Heat
News

Jokic und Murray historisch: Nuggets holen sich Spiel 3

Die Denver Nuggets haben sich die Führung in den NBA Finals zurückgeholt. Die Nuggets gewannen das erste Auswärtsspiel bei den Miami Heat mit 109:94. Nikola Jokic und Jamal Murray schreiben Geschichte.

  • 08.06.2023
  • 08:35 Uhr

Man konnte ihm nur beipflichten. Von Beginn an war es ihr Two-Man-Game, das Denver offensiv ins Spiel brachte. Die ersten 22 Nuggets-Punkte kamen alle von ihnen oder wurden von ihren vorbereitet (Aaron Gordon und Michael Porter Jr. erhielten je einen Layup nach Jokic-Assist). Und es waren fast immer gute Würfe: Denver lebte in der Zone, auch gegen die disziplinierte Heat-Defense fanden sie immer wieder eine Lücke für gute Abschlüsse am Korb.

Das (mal wieder) vielleicht beeindruckendste dabei war, wie die beiden sich das Spiel quasi organisch aufteilten. Murray erzielte 20 Punkte in der ersten Halbzeit und 14 im vierten Viertel, die letzten sechs kamen in den letzten anderthalb Minuten von der Freiwurflinie. In der Zwischenzeit übernahm vermehrt Jokic, der gerade im dritten Viertel einen absurden Wurf nach dem anderen traf.

Murray und Jokic teilten den Ball miteinander und mit ihren Teammates, erstmals in dieser Serie sah Denver dadurch offensiv wie Denver aus, obwohl nach wie vor kaum Möglichkeiten in Transition da waren und der Dreier nicht fiel (5/18). Er wurde nicht gebraucht: Denver erzielte 60 Punkte in der Zone zu Miamis 34, wirkte physisch komplett überlegen.

Und die Nuggets-Stars lieferten auch defensiv ihren Beitrag. Jokic blockte zwei Würfe, inhalierte Rebounds und erschwerte etliche Abschlüsse vom diesmal etwas schwächeren Bam Adebayo. Auch Murray war stark am Brett und nahm das Duell mit Jimmy Butler an, der ihn zwar auch einige Male düpierte, das Spiel aber trotz seiner 28 Punkte nicht dominierte.

Denver schickte generell etwas weniger Hilfe als in den vorigen Spielen. Dadurch kamen Butler und Bam auf viele Abschlüsse gegen Single Coverage (45 Würfe, 18 Treffer), aber kombiniert auf bloß sieben Assists. Dieses Rezept konnte nur aufgehen, weil die beiden Stars der Nuggets ihrem Ruf als defensiv angreifbare Spieler eben nicht gerecht wurden.

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2. Denver spielt GROß

Die Nuggets hatten nach Spiel 2 einige Punkte, bei denen sie aufräumen mussten. Einer davon war, wie sie mit Miamis neuer Starting Five mit Kevin Love umgehen sollten – das funktionierte in Spiel 3 besser. Der Oldie spielte diesmal nur 16 Minuten (-10) und musste defensiv viel mehr arbeiten, als dies noch im vorigen Spiel der Fall gewesen war.

Vereinfacht gesagt lag das daran, dass Denver ihn häufiger direkt in Aktionen involvierte (etwa mit Gordon als Screener) und generell ein verbessertes Off-Ball-Movement zeigte. Love ist smart, aber relativ fußlahm und vertikal eingeschränkt. Je mehr Bewegung vorhanden ist, desto schwerer fällt es ihm, seinen Platz in der Defense zu finden. Ist er der letzte Verteidiger in der Nähe vom Korb, ist seine einzige Chance eigentlich das Ziehen von Offensivfouls (was etwa gegen Milwaukee immer wieder funktionierte). Denver wirkte diesmal besser darauf vorbereitet.

Die Heat hatten ein Defensiv-Rating von 122 in Loves Minuten. Cody Zeller war und ist auch nicht die Antwort. Als Resultat waren die Heat wieder zurück bei nur einem wirklich spielfähigen Big in Adebayo und Größennachteilen auf allen Positionen. Das zeigte sich bei den Zonenpunkten, aber auch bei den Rebounds (58:33 Denver).

Szenen mit Symbolwert: Jokic wurde beim Kampf um den Rebound mehrfach von zwei kleinen Heat-Spielern gefoult, sodass die Schiedsrichter erst darüber debattieren mussten, bei wem das Foul nun angeschrieben werden sollte. Es fiel Miami ungewöhnlich schwer, dagegenzuhalten. "Sie haben uns in der Zone einfach überwältigt", musste Spoelstra eingestehen.

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3. Das Christian-Braun-Spiel

Miami muss auch aufgrund der physischen Nachteile das Team sein, das in dieser Serie härter und smarter spielt – nicht zuletzt diese Kombination brachte Miami in die Finals. In Spiel 3 war es jedoch ein Rookie auf Seiten der Nuggets, der am ehesten den "Hustle-Award" verdient hatte und die Partie mitentschied.

"Ich habe ihm gesagt, dass er uns das Spiel gewonnen hat", sagte Jokic über besagten Rookie namens Christian Braun: "Er hat uns das Spiel mit seiner Energie gewonnen. Selbst wenn er einen Fehler macht, ist das ein aggressiver Fehler. Darüber kann man sich nicht ärgern."

Malone sieht den letzten Teil normalerweise wohl anders, doch in dieser Partie wird er über die ein oder zwei übereifrigen Szenen von Braun wohl gerne hinwegsehen. Der Swingman war kurzum zu gut, zu effektiv in seiner Spielzeit. 15 Punkte (7/8 FG) in 19 Minuten brachte er aufs Scoreboard, hinzu kamen vier Rebounds (zwei davon offensiv) und ein Steal.

Braun war wie üblich defensiv sehr engagiert und klebte an Miamis Schützen, unter anderem Duncan Robinson. Vor allem aber erwies er sich als exzellentes Gegenmittel gegen Miamis Zone. Er klebte nicht an der Dreierlinie, sondern war in stetiger Bewegung, mit oder ohne Ball in der Hand. Er spielte mit Tempo, was insbesondere gegen die Zone unerlässlich ist.

"Heute konnte man einfach spüren, wie das Selbstvertrauen aus ihm triefte. Wie er mit physischer Aggression gezogen ist, wie er Plays für andere gegen die Zone gemacht hat. Es war toll zu sehen, wie ein junger Mann wie er so auftrumpft", lobte auch Malone, der Braun noch in der vorigen Runde gegen die Lakers teils gar nicht einsetzte.

In Spiel drei hatte Braun seine mit Abstand beste Playoff-Performance – witzigerweise gegen ein Team, das auf seinem Weg bis zu diesem Punkt immer wieder von Rollenspielern getragen wurde, die weit über ihrem gewohnten Niveau ablieferten (Braun scorte in den Playoffs bisher 2,4 Punkte im Schnitt).

Er gibt Malone dadurch eine weitere Alternative neben den etablierteren Reservisten Bruce Brown und Jeff Green. Das ist umso wertvoller, weil Porter Jr. weiter neben sich steht. "MPJ" kämpfte diesmal immerhin wieder um Rebounds, steht als Scorer aber bei nun 8/31 in der Serie und verliert defensiv immer mal wieder Schützen aus den Augen. In Spiel 3 stand der nominell drittbeste Nugget bloß 21 Minuten auf dem Court.

4. Hot Shooting ist ein Muss für ein Team

Es war viel von Shooting die Rede über die vergangenen beiden Spiele und die bisherigen Playoffs. Gerade Miami hatte schon etliche sensationelle Shooting-Leistungen gezeigt, Denver hat insgesamt aber sogar eine noch bessere Quote von Downtown vorzuweisen. Die Nuggets sind dennoch weniger auf den Dreier angewiesen, wie Spiel 3 demonstrierte.

Mit nur fünf getroffenen Dreiern gewinnt in 2023 eigentlich kein Team mehr Playoff-Spiele. Streichen wir das "eigentlich" – es war in diesem Jahr wirklich der erste Playoff-Sieg eines Teams mit maximal fünf Dreiern. Denver vollbrachte dieses Kunststück mit einem Offensiv-Rating von 117,2, das in der Regular Season für die sechstbeste Offense der Liga (!) gereicht hätte.

Die Nuggets kommen auch ohne Triples in der Regel an gute Würfe, obwohl sie fast alle Abschlüsse im Halbfeld nehmen müssen (Miamis Transition-Defense in dieser Serie bleibt bärenstark). Sie sind ein echtes Three-Level-Team, das von draußen, aber auch aus der Mitteldistanz oder am Korb immer gefährlich ist und an die Freiwurflinie kommt (27 Freiwürfe in Spiel 3).

Miami hat ebenfalls gute Midrange-Schützen, nimmt aber eher wenige Abschlüsse am Ring und trifft diese nicht sonderlich gut. Abgesehen von der Serie gegen New York gewannen sie ihre Spiele in dieser Postseason daher in der Regel dann, wenn sie von draußen heiß liefen. Was ihnen sehr regelmäßig gelang, zuletzt in Spiel 2 gegen Denver (17/35).

In Spiel 3 fielen unterdurchschnittliche elf von 35 durch die Reuse. Beide Werte wurden in den Schlussminuten sogar noch geschönt, weil Robinson noch zwei späte Dreier versenkte, als das Spiel eigentlich entschieden war. Denver gelang es über die Partie viel besser, freie Abschlüsse zu limitieren und bei den Dreiern, die Miami nahm, zumindest in der Nähe zu sein.

Die Nuggets mischten dabei fleißig ihre Coverages durch. Gerade in den Minuten ohne Jokic spielten sie teilweise sehr effektive Switch-Defense. Bei den gefürchteten Dribble-Handoffs von Adebayo kämpften sich die Guards besser über den Screen und schafften es häufiger, Schützen von der Linie wegzujagen oder noch eine Hand in Richtung des Balles zu bekommen.

Es gab insgesamt deutlich weniger Breakdowns, auch weniger unnötige Hilfe. Es war ein viel besseres Defensiv-Spiel der Nuggets. Miami wird Wege finden müssen, ihr Volumen im nächsten Spiel wieder nach oben zu schrauben.

5. Denver ist nicht zufrieden

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Denver ließ zwar in den letzten Minuten ein wenig den Fuß vom Gaspedal, wirkte aber insgesamt wie ein Team, das Blut geleckt hatte und motiviert war, die eigenen Fehler aus Spiel 2 wieder auszumerzen. Die Nuggets wollten dieses Spiel unbedingt, was auch dadurch verdeutlicht wurde, dass Jokic und Murray 44 respektive 45 Minuten spielten.

Denver wirkte nicht eingeschüchtert vom Favoritenschreck namens Miami, sondern eben wie der Favorit – größer, jünger, talentierter, mit mehr Waffen im Arsenal. Die Nuggets wirkten entsprechend auch nach dem Sieg noch nicht zufrieden.

"Wir sind nicht hierhergekommen, um nur einen Sieg zu holen", stellte Malone klar. In Spiel 4 (in der Nacht auf Samstag) sind nun wieder die Heat unter Druck.


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