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Eishockey-WM 2023 - Rick Goldmann exklusiv: DEB-Team muss "Viertelfinale als Ziel haben"

  • Aktualisiert: 12.05.2023
  • 13:48 Uhr
  • ran.de
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Vor dem Auftakt der Eishockey-WM in Finnland und Lettland hat sich #ranNHL-Experte Rick Goldmann die Chancen des DEB-Teams eingeordnet und den deutschen Kader analysiert.

von Rainer Nachtwey

Das DEB-Team tritt bei der WM 2023 in Finnland und Lettland ersatzgeschwächt und mit neuem Trainer an. Vor dem Start gibt #ranNHL-Experte Rick Goldmann seine Einschätzungen zu den Chancen.

ran: Harold Kreis ist neuer Bundestrainer, der Nachfolger von Marco Sturm und Toni Söderholm. Was erwarten Sie selbst von ihm? 

Goldmann: Eigentlich, dass er das fortführt, was Sturm und Söderholm in die richtige Richtung getrieben haben die letzten Jahre. Wenn man mal auf die Fußstapfen schaut, in die Kreis tritt, die sind schon immens groß. Sturm mit Olympia-Silber und Söderholm in den letzten Weltmeisterschaften zwei Mal Viertelfinale und ein Mal Halbfinale. Letztes Jahr in der Gruppe in der Vorrunde zweiter Tabellenplatz, das ist schon sehr, sehr stark, wo sich das deutsche Eishockey hinentwickelt hat. Und das meine ich im Spiel nicht nur mit der Scheibe, sondern auch ohne Scheibe. Ich gehe davon aus und hoffe auch, dass wir eine ähnliche Spielweise bei dieser Weltmeisterschaft sehen werden. 

ran: Was erwarten Sie denn von ihm, was er bei dieser WM macht, wie er sein Konzept einbringt in die Mannschaft?

Goldmann: Wenn man sich die Mannschaft anschaut, die Kreis zusammengestellt hat, dann fällt auf, dass diese Mannschaft vor allem im Sturm auf Geschwindigkeit aufgebaut ist. Wir haben aktuell den kleinsten Kader aller Nationen, das heißt die Spieler, vor allem in der Offensive, sind eher klein, schnell und wendig. Das Prunkstück ist definitiv die Verteidigung. Du hast da mit Moritz Seider und mit Leon Gawanke und Kai Wissmann, die in Nordamerika in der American Hockey League spielen, nochmal zwei Spieler dazubekommen, die unheimliche Qualität reinbringen. Was noch auffällt ist, das ist ähnlich wie bei den Trainern zuvor, dass es eine relativ klare Rollenverteilung gibt - insofern, wer spielt Powerplay, wer ist offensiv, wer ist eher defensiv orientiert für die Arbeit zuständig und spielt in Unterzahl? Das ist zu erkennen und deshalb erwarte ich letztendlich, dass man das dann auch in seinem System in der Spielweise sieht. 

ran: Worauf ruhen Ihre Hoffnungen auf ein erfolgreiches Abschneiden? 

Goldmann: Ich glaube, dass die Defensive sehr stark ist. Ich glaube, dass mit Mo Seider ein Spieler dazugekommen ist, der durch seine individuelle Qualität einer ist, der den Unterschied machen kann zwischen einer Niederlage und einem Sieg. Er ist offensiv unheimlich stark, ist defensiv stark und vor allem im Körperspiel unglaublich. Da sagen wir oft als Witz: Der kann mit Menschen werfen, aber positiv gemeint. Also ich glaube, dass er schon so ein Leuchtturm sein kann in der Defensive, der die anderen mitzieht und im Sturm hast du natürlich mit Nico Sturm einen aktuellen Stanley-Cup-Sieger, der über harte Arbeit und über Schnelligkeit kommt, der aber auch in der Offensive sich unheimlich verbessert hat. Dazu mit John-Jason Peterka von Buffalo einen, der offensiv stark ist und einen guten Schuss hat. Ich glaub, wenn die Offensive funktioniert, dann hat man auch die Chance, ins Viertelfinale einzuziehen und die Nationen auf Augenhöhe ab dem vierten Gruppenspiel zu besiegen. 

ran: Das heißt Viertelfinale wäre für Sie ein erfolgreiches Abschneiden? 

Goldmann: Ich glaube, bei jeder Weltmeisterschaft sollte die deutsche Nationalmannschaft das Ziel haben, das Viertelfinale zu erreichen. Das ist realistisch und es sollte der Ansporn sein, zu den acht besten Nationen zu gehören. Und wenn man jetzt drauf schaut, muss man sagen, man kämpft da vor allem gegen Dänemark, das ist das vierte Gruppenspiel und dann im fünften Gruppenspiel gegen Österreich. Das sind meiner Ansicht nach die zwei härtesten Konkurrenten, die es zu besiegen gilt, die auf Augenhöhe sind, um sich dann einen Platz fürs Viertelfinale zu sichern. 

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ran: Wo sehen Sie noch Probleme oder Schwächen in der Mannschaft? 

Goldmann: Wie vorher herausgestellt, glaube ich, dass die Defensive stark ist. Das heißt aber, wenn man sich mal letztes Jahr anschaut: Warum ist Deutschland Gruppenzweiter geworden? Für mich war der wichtigste Punkt: Man hatte die höchste Schusseffizienz im ganzen Turnier, also den besten Wert mit 14,4 Prozent und man hat das fünftbeste Powerplay gehabt, das heißt die Offensive hat gepasst, man hat knappe Spiele gewonnen. Die Offensive hat letztes Jahr vielleicht vom Papier her mehr Durchschlagskraft gehabt und da ist für mich das Fragezeichen: Wer werden die Spieler sein, die in der Offensive in Erscheinung treten und die Durchschlagskraft für die deutsche Mannschaft zeigen? 

ran: Ich frage mich, wie sich die Verletzungen von Yasin Ehliz und Andreas Eder auswirken. 

Goldmann: Ich meine klar, Marc Michaelis, Ehliz, Lukas Reichel, Leo Pföderl, Tim Stützle und auch Matthias Plachta zum Beispiel sind Spieler, die offensiv fehlen. Das ist keine Frage, aber wenn wir jetzt mal zurück auf die letzten Weltmeisterschaften schauen, da hat es immer Absagen gegeben, vor allem oft auch viele von den Finalisten. Dieses Jahr sind viele von den Finalisten gekommen, die haben Ausscheidungsspiele bzw. Entscheidungsspiel auf höchstem Niveau gespielt. Das heißt, die kommen wirklich mit Topniveau rein und heben das Niveau. Jetzt kann man natürlich darüber streiten und kann sagen: Hättest du nicht vielleicht einen Dominik Bokk, Daniel Schmölz oder einen Maxi Kammerer gebraucht? Das sind die besten Torschützen in der Hauptrunde der deutschsprachigen, also deutschstämmigen Torschützen der DEL gewesen. Ja, da kann man drüber streiten, aber der Kader ist wie vorhin erklärt nach Rollen aufgebaut. Das heißt, es gibt die offensiven Spieler und es gibt die eher für die Arbeit defensiv zuständigen Spieler. Das heißt aber nicht, dass die keine Tore schießen dürfen. Trotzdem ist die Frage für mich: Wer werden die Spieler dann sein, die sich in der Offensive herauskristallisieren und quasi die entscheidenden Tore machen? 

ran: Sie haben Mo Seider vorhin angesprochen und welchen Wert er auch für die Mannschaft hat. In wieweit schauen Sie denn noch auf die NHL? Leon Draisaitl hat heute Nacht mit den Edmonton Oilers das 2:2 gemacht. Das dauert noch ein bisschen, bis die Serie zu Ende ist und man weiß nicht genau, wie sie ausgeht. Genauso Philipp Grubauer. Würden Sie mit denen überhaupt noch rechnen? Sollte man da überhaupt noch dran denken? 

Goldmann: Ich glaube, das ist unrealistisch, um es auf den Punkt zu bringen. Du kannst auf der einen Seite nicht spekulieren zum jetzigen Zeitpunkt, wie die Serien ausgehen. Punkt 1: Also es kann ja sein, dass sie einfach weiterkommen, dann hat es sich erledigt. Punkt 2: Da ja große Verträge im Raum stehen, geht es natürlich auch um die Versicherungssummen. Punkt 3: Es kommt auf den Spieler an, in welchem Zustand er sich befindet, ob der möglicherweise schon angeschlagen, verletzt oder überhaupt fit ist zu spielen. Das heißt, wenn ich das jetzt mal alles einfließen lasse, gehe ich Stand heute nicht davon aus, dass wir zu diesem Kader bei der deutschen Mannschaft, den wir sehen, noch Verstärkungen hinzubekommen. 

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ran: Also Sie glauben auch nicht, dass sie die Plätze offen halten werden? 

Goldmann: Also machen wir es mal so: Du hast 25 Spieler zur Verfügung, diese 25 Kaderplätze werden normalerweise nicht sofort aufgeführt. Warum nicht? Weil Gawanke erstmal gar nicht da ist, der kommt erst später dazu. Das heißt, er wird realistisch wahrscheinlich erst am Montag das erste Spiel spielen, da gehe ich jetzt davon aus. Und du brauchst nicht alle drei Torhüter gleich lizensiert. Das heißt, rein rechnerisch wird der eine oder andere Platz offen sein. Ob der aber realistisch gefüllt wird, da ist ein großes Fragezeichen dahinter.


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