Duell gegen den FC BAyern
Eintracht Frankfurt: Entdecker über neuen SGE-Trainer Albert Riera - "ohne Psychologen wird er an sich selbst scheitern"
- Aktualisiert: 20.02.2026
- 12:07 Uhr
- Philipp Kessler
Im ran-Interview vor dem Duell bei Bayern München spricht Albert Rieras Entdecker Adam Delius über Stärken und Schwächen des neuen Trainers von Eintracht Frankfurt.
Von Philipp Kessler
Albert Riera sorgt für frischen Wind in der Bundesliga. Der Spanier, der als Spieler unter anderem für Manchester City und den FC Liverpool auflief, ist seit Anfang Februar Trainer von Eintracht Frankfurt.
Abseits des Rasens fiel der 43-Jährige bislang durch markante Sprüche auf. Auf dem Platz coachte er die SGE bislang zu einem 1:1 bei Union Berlin und einem 3:0 gegen Borussia Mönchengladbach. Am Samstag trifft Riera mit den Frankfurtern auf Tabellenführer FC Bayern (ab 15:30 Uhr im Liveticker).
Adam Delius kennt den eigenwilligen Trainer bestens. Der Immobilienunternehmer aus München ist seit Ende 2021 Präsident von Olimpija Ljubljana.
Er verhalf Riera zu seinem ersten Trainerjob und wurde für den Mut belohnt: Der Spanier führte den slowenischen Traditionsklub 2023 zu Meisterschaft und Pokalsieg. Bei ran erklärt Delius, wie der neue Frankfurt-Coach tickt und wo er sich selbst im Weg steht.
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Eintracht Frankfurt: Albert Riera ist von sich überzeugt
ran: Herr Delius, in Fußball-Deutschland hat Albert Riera bislang mit markanten Sprüchen auf sich aufmerksam gemacht. Wie verrückt ist er wirklich?
Adam Delius: Albert Riera habe ich als fanatischen Menschen kennengelernt. Er sah die Chance und ich spürte, dass er dafür alles geben würde. Besessen von dem, was er macht. Von sich überzeugt. Sein Team verteidigt er, ansonsten niemanden. Sein Verhalten ist oftmals unverständlich und andere würden sagen krankhaft.
ran: Wie gefährlich wird seine Mannschaft für die Bayern am Wochenende?
Delius: Träume gehören zum Fußball und jeder hat die Chance, zu gewinnen. Der FC Bayern wird optimal vorbereitet in das Spiel gehen mit einer Mannschaft, die derzeit überirdischen Fußball spielt. Frankfurt hat eine Liste von Verletzten und nur ein großes Wunder kann ihnen helfen. Allerdings wissen wir, Wunder gibt es immer wieder.
ran: Was trauen Sie Riera mit Frankfurt zu?
Delius: Wenn er auf die gesamte Mannschaft zugreifen kann, wird er Frankfurt nach Europa führen. Es ist alles möglich und Riera ist besessen davon, das zu erreichen. Aber es wird sehr schwierig, denn das Verletzungspech lässt die Eintracht nicht los.
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ran: Vor vier Jahren war er noch Co-Trainer bei Galatasaray Istanbul. Sie haben ihn von dort zu Olimpija Ljubljana geholt und zum ersten Chefposten verholfen. Wie viel Mut haben Sie für diese Entscheidung gebraucht?
Delius: Als wir Robert Prosinecki gekündigt hatten, war das Zeitfenster für einen neuen Trainer nur 14 Tage. Uns wurde Albert Riera neben vielen anderen Trainern angeboten. Er ist mit der nächsten Möglichkeit angereist. Man spürte, dass er hungrig war. Er hatte das gewisse Etwas und Olimpija die beste Mannschaft. Wir wollten bewusst einen neuen Weg gehen und modernen Fußball sehen. Neue Mentalität und Spirit. Das spürte man bei Albert Riera und deshalb bekam er den Chefposten.
Albert Riera: Publikumsliebling und Geschenk für die Medien
ran: Vermummte Ultras haben damals seine Antrittspressekonferenz gestürmt. Wie hat er die Fans auf seine Seite gebracht?
Delius: Mit Robert Prosinecki wurde einer Legende gekündigt, deshalb der Aufstand. Es gab Gespräche mit Vertretern der Ultras und die Begründung zur Kündigung und das Versprechen, dass wir das beste Olimpija sehen werden. Dann war es einfach Spiel und Sieg. Nach fünf Siegen in Folge gab es die ersten Rufe nach Albert Riera und nach zehn Siegen in Folge war Albert Riera der Publikumsliebling und das größte Geschenk für die Medien. Die Folge war, dass das beste Team in Slowenien den Meistertitel und den Pokalwettbewerb gewann.
ran: Im "kicker" sagten Sie, Riera sei "der beste Motivator, den es gibt". Woran machen Sie das fest?
Delius: Albert Riera hat das Talent, sich in jeden Spieler hineinzuversetzen. Er baut eine besondere Bindung auf. Die Spieler sehen nach kurzer Zeit zu ihm auf. Er umarmt sie und zeigt bewusst auch nach außen: "Wir" sind ein Team.
ran: Trainer-Legende Christoph Daum ließ seine Spieler einst über Scherbenhaufen laufen, um das Selbstvertrauen zu steigern. An welche Kniffe von Riera können Sie sich erinnern?
Delius: Vor dem Bayern-Spiel wird er jedem Spieler erklären, dass er besser ist als sein Gegner. In den Analysen verdeutlicht er die Schwächen des Gegners und macht den eigenen Spieler zum Gewinner. Du bist besser, du bist stärker … Die Spieler der Eintracht werden selbstbewusst das Stadion betreten mit einem extremen Siegeswillen. Motiviert bis zur letzten Haarspitze.
Albert Riera wird an sich selbst scheitern, wenn ...
ran: In Slowenien war Riera extrem erfolgreich. In Frankreich wiederum spricht man nicht gut über ihn seit seiner Zeit bei Girondins Bordeaux. Mangel an Respekt und Bescheidenheit sind nur zwei der Vorwürfe. Was sagen Sie dazu?
Delius: Der Erfolg ist das eine Thema. Der Respekt und Anstand das andere. Er ist leider so sehr von sich selbst überzeugt, dass er selbst Gott fragen würde: "Ich bin jetzt hier, wo sitzt denn Du?" Er erkennt die Leistung seiner Gegner nicht an. Er wird niemals akzeptieren, dass er verloren hat und immer behaupten, er und seine Mannschaft hätten besser gespielt. So antwortet er von oben herab. Das hat sich nicht geändert und wird sich kaum ändern.
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ran: Sie haben seinen Werdegang genau verfolgt. Wie hat er sich entwickelt?
Delius: Er hatte in seiner Zeit bei Olimpija die mit Abstand stärkste Mannschaft. Celje hat er nach Bordeaux verlassen. Auch wenn der sportliche Erfolg nicht eingetreten ist, hatte er dort seine Erfahrung gesammelt. Mit Celje kämpfte er sich dann nach seiner Rückkehr ins Achtelfinale der Conference League. Das war beachtlich und diese Erfahrungen sind unbezahlbar. In allen Wettbewerben zu stehen, diese Mehrbelastung ist extrem und war lehrreich. Wir wissen nicht, ob er den Erfolg wiederholen hätte können. Persönlich glaube ich, dass der Schritt in die Bundesliga etwas früh kam. Er ist kein Xabi Alonso.
ran: Star-Trainer wie Pep Guardiola oder Mikel Arteta reden positiv über Riera. Wird er ähnlich erfolgreich?
Delius: Das sind vollkommen andere Trainer. Diese Trainer sind Champions League und solche haben wir auch in Deutschland. Vorbilder auf und neben den Platz. Es ist schwer vorstellbar, dass er jemals diesen Trainern die Hand reichen kann. Er wird, wenn er keinen Psychologen und Medienberater an die Seite bekommt, an sich selbst scheitern. Er ist ein Geschenk für die Medien. Ein Vorbild für die Fans und die Jugend - davon ist er weit entfernt. Das belegen die Klagen und seine veröffentlichten Worte und Schreiben.