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DFB-Rekordspieler bei Ran über die Heim-EM

Lothar Matthäus exklusiv: "Für mich ist das Halbfinale immer eine Enttäuschung"

  • Aktualisiert: 14.06.2024
  • 14:20 Uhr
  • Martin Volkmar
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Lothar Matthäus spricht im exklusiven ran-Interview über die Heim-Europameisterschaft und wirft dabei einen Blick in die Vergangenheit.

Von Martin Volkmar

Mit 150 Spielen ist Lothar Matthäus Rekord-Nationalspieler des DFB. 1988 war der Mittelfeld-Allrounder als Spielführer bei der Heim-Europameisterschaft am Start.

Nun steht erneut eine Euro im eigenen Land an. Im Gespräch mit ran erklärt der 63-Jährige, warum er Deutschland als Topfavorit sieht, wen er noch auf dem Zettel hat und wie er zu den Personalien Mats Hummels und Leon Goretzka steht.

ran: Herr Matthäus, eine Europameisterschaft in Deutschland gab es schon einmal. 1988 waren Sie als Spielführer der DFB-Auswahl dabei. Was haben Sie für Erinnerungen, sowohl sportlich als auch von der Stimmung damals?

Lothar Matthäus: Sportlich haben wir unser Ziel damals nicht erreicht. Wenn man als Deutschland eine Europameisterschaft zu Hause bestreiten darf, dann sollte man im Endspiel sein und auch den Titel gewinnen. Das muss zumindest die Zielsetzung sein und das ist uns 1988 nicht gelungen. Wir sind in einem immerhin guten Halbfinale gegen die Niederlande ausgeschieden, die dann auch verdient Europameister geworden sind. Atmosphärisch muss ich sagen hatten wir gerade im Halbfinale ein Auswärtsspiel in Hamburg, da waren gefühlt mehr Niederländer als Deutsche im Stadion. Deswegen sind wir ein bisschen enttäuscht gewesen von unserer Leistung und vom Ergebnis, aber auch von unseren Fans, die uns vielleicht gerade gegen Holland ein bisschen im Stich gelassen haben.

ran: Bei der WM 2006 war die Stimmung deutlich besser, aber auch da ist Deutschland nicht übers Halbfinale rausgekommen. Trotzdem erinnern jetzt viele an das Sommermärchen. Kann es wieder so werden?

Matthäus: 2006 war es auch ein anderes Europa, da waren ja nicht nur die Deutschen in guter der Stimmung, sondern eben auch diejenigen, die Deutschland besucht und ihre Nationalmannschaft unterstützt haben. Ich gehe aber davon aus, dass bei dieser Europameisterschaft eine ähnliche Stimmung herrschen wird, vielleicht sogar noch euphorischer. Weil Fußball nach wie vor unser Leben bestimmt und ich von meinen ausländischen Freunden weiß, dass dort jeder über die EM redet. Gerade bei Teams wie Albanien oder Georgien, die das erste Mal dabei sind, werden die Mannschaften nicht nur von den Anhängern unterstützt werden, die hier in Deutschland leben, sondern es werden eben auch zehntausende zu Besuch kommen. Ich erwarte ein internationales Fest in den nächsten vier Wochen.

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ran: Als Profi war das Halbfinale für Sie eine Enttäuschung. Würden Sie als Experte auch sagen, dass bei diesem Turnier ein Aus im Halbfinale eine Enttäuschung wäre?

Matthäus: Ja, für mich ist das Halbfinale immer eine Enttäuschung, weil wir ein Fußball-Land sind. Auch die Brasilianer oder die Franzosen sind nicht zufrieden, wenn sie im eigenen Land nicht ins Endspiel kommen. Aber ich traue unserer Mannschaft auch das Finale zu, weil wir hohe Qualität haben und viele Möglichkeiten haben. Wichtig ist natürlich die Stimmung in der Mannschaft, und die scheint sehr gut zu sein, auch zwischen Trainer und Mannschaft. Daher sind wir einer der Topfavoriten und können auch Europameister werden.

ran-Reporter Martin Volkmar mit Lothar Matthäus
ran-Reporter Martin Volkmar mit Lothar Matthäus© ran

ran: Wen haben Sie noch auf dem Zettel?

Matthäus: Spanien, vielleicht Portugal, England und Frankreich. Und dann habe ich noch Kroatien vergessen und Italien und wahrscheinlich noch eine Mannschaft, die man gar nicht auf dem Zettel hast. Daran sieht man: Es wird eine spannende Europameisterschaft und keiner darf sich irgendwie einen Aussetzer erlauben, weil man dann schnell raus ist aus dem Turnier.

ran: Es gab diesmal gar nicht so viele Diskussionen um den Kader, den Julian Nagelsmann weitgehend schon im März zusammengestellt hat und dabei gesagt hat, ich setze nicht allein auf Leistung, sondern auch darauf, wie die Mannschaft zusammenpasst. Daher fehlen auch Mats Hummels und Leon Goretzka. Können Sie die Gedanken nachvollziehen?

Matthäus: Ja, ich gehe da mit. Rein nach sportlichen Aspekten darfst du vielleicht ohnehin nicht gehen, denn es geht auch um die Atmosphäre. Ich habe das selbst ja bei einigen Turnieren mitgemacht und da gab es große Unterschiede. Bei der WM 1986 war nur Unruhe da, weil viele Spieler unzufrieden waren und das auch sehr deutlich geäußert haben. Bei der WM 1990 waren die unzufriedenen Spieler auch unzufrieden, aber sie waren ruhig, haben nicht die Interviews wie vier Jahre zuvor gegen die Mitspieler gegeben und stattdessen für eine gute Atmosphäre gesorgt. Das war ein entscheidender Unterschied, warum wir Weltmeister geworden sind.

ran: Hätten Sie eine ähnliche Gefahr bei Hummels oder Goretzka gesehen?

Matthäus: Ich will damit jetzt nicht sagen, dass Goretzka oder Hummels Stinkstiefel sind, das sind sie nicht. Sie sind aber beide sportlich ambitioniert und natürlich ist das journalistische Interesse dann auch eher gegeben, mit einem Mats Hummels ein Interview zu machen statt mit einem Waldemar Anton oder Robin Koch. Und selbst wenn ein Spieler aus Stuttgart oder Frankfurt ein Interview gibt, hat es bei weitem nicht diese Wirkung wie bei Mats Hummels oder Leon Goretzka. Ich glaube daher, dass das vor allem für die Nominierung ausschlagend war. Weil Julian Nagelsmann nicht hundertprozentig mit ihnen geplant hat. Und vielleicht die Sorge gehabt hat, dass sie damit aufgrund ihrer Qualität und ihrer Erfolge nicht zufrieden sein könnten und dadurch die Ruhe, die man für einen Erfolg bei einem solchen Turnier braucht, gestört wird.

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