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Neuer U21-Europameister: Das macht England besser als Deutschland

  • Aktualisiert: 09.07.2023
  • 13:47 Uhr
  • ran.de
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Die englische U21 krönt sich bei der Endrunde in Rumänien bzw. Georgien durch einen 1:0-Sieg im Finale gegen Spanien zum neuen Europameister. Es ist ein weiterer Erfolg Englands im Nachwuchsbereich in den zurückliegenden paar Jahren. Was macht man auf der Insel im Nachwuchsfußball derzeit besser als in Deutschland?

Von Christoph Gailer

Sechs Spiele, sechs Siege, 11:0 Tore. Die englische U21-Nationalmannschaft marschierte bei der Endrunde in Rumänien bzw. Georgien quasi zum Titel und zementierte damit den Ruf als derzeitige Nummer 1 im europäischen Nachwuchsfußball. Deutschland schied hingegen schon in der Vorrunde als Titelverteidiger aus.

Dass ein Team alle Spiele gewann und gleichzeitig kein Gegentor kassierte gab es in der Geschichte der U21-EM noch nie. 

Mit dem ersten englischen U21-EM-Titel seit 1984 setzt sich ein für die Engländer sehr erfreulicher Trend fort, nachdem in den zurückliegenden Jahren schon zwei U19-EM-Titel (2017, 2022) sowie der U20-WM-Titel 2017 an den dortigen Nachwuchs gingen. Doch woher kommt dieser plötzliche Erfolg englischer Nachwuchs-Nationalmannschaften nach zuvor vielen Jahren ohne nennenswerte Titel?

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FA ebnet mit dem Elite Player Performance Plan den Weg

Wie Deutschland nach den enttäuschenden Europameisterschaften 2000 und 2004, hat England einige Jahre später die nationale Nachwuchsförderung radikal umgebaut und modernisiert. In Deutschland führte dies letztlich zum U21-EM-Titel 2009 mit späteren Superstars wie Manuel Neuer, Mats Hummels oder Sami Khedira. Nicht zuletzt diese drei Spieler bildeten 2014 dann auch das erfolgreiche Korsett der A-Nationalmannschaft beim WM-Titel in Brasilien. 

Auf einen WM-Titel wartet Englands A-Nationalmannschaft zwar schon seit 1966, aber zumindest im Nachwuchs ist man derzeit das Maß aller Dinge. Zu verdanken hat man diese Entwicklung zu einem großen Teil dem sogenannten Elite Player Performance Plan (EPPP), der vom englischen Verband FA 2011 eingeführt wurde.

Nachwuchszentren sollen zu Oxford und Cambridge der Fußball-Förderung werden

Zurück geht die Revolution im englischen Nachwuchsfußball und die Einführung des EPPP auf Howard Wilkinson.

Er war früher technischer Direktor des englischen Fußball-Verbandes und hatte die Vision, die nationalen Nachwuchszentren "zum Oxford und Cambrigde in Sachen Talenteförderung zu machen". Angelehnt an die Ausbildung an den beiden weltberühmten Elite-Universitäten gab es für die englischen Fußball-Nachwuchszentren im Rahmen des EPPP auch sehr klare Bedingungen, die nicht zuletzt über die finanzielle Unterstützung durch den Fußballverband bestimmten.

Kurz gesagt: Je besser die Bedingungen und die Ausbildung der Talente in den vereinseigenen Nachwuchs-Akademien, desto mehr Geld gibt es von der FA.

Eines der Kriterien ist zudem, dass die Vereine möglichst viele englische Talente in ihren Nachwuchsteams ausbilden müssen. Bei der Zertifizierung der Nachwuchs-Akademien gibt es vier Kategorien mit jeweiligen Abstufungen der finanziellen Vergütungen des Fußballverbandes. Zudem wurde auch die Trainerausbildung im Nachwuchsbereich noch einmal deutlich verbessert. 

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Doch damit nicht genug, drei Jahre nach der Nachwuchs-Revolution kam 2014 die sogenannte England-DNA dazu. Diese gilt für alle Nachwuchs-Nationalmannschaften bis hinauf zum A-Team und beinhaltet feste Grundsätze zur taktischen Ausrichtung. Die klare Festlegung lautet dabei: Ballbesitzfußball mit hohen technischen Elementen und gegen den Ball ein strukturiertes Pressing. 

Dank Trafford und Co.: Englands historische Keeper-Schwäche ist Geschichte

Dass England dank einer bärenstarken Defensivleistung zum U21-EM-Titel 2023 marschierte, wurde bereits anfangs erwähnt. Was aus englischer Sicht aber neu und umso erfreulicher ist, ist die Tatsache, dass man mittlerweile im Nachwuchs auch auf der einstigen Problem-Position des Torhüters absolute Spitzenklasse hat. Nicht zuletzt im Finale gegen Spanien bewies U21-Keeper James Trafford mit seinem gehaltenen Elfmeter inklusive Nachschuss in der neunten Minute der Nachspielzeit, dass er auf dem Weg zu einem Star sein könnte.

Der 20-Jährige, ausgebildet bei Meister Manchester City, war zuletzt an die Bolton Wanderers verliehen. Für ihn dürfte nach dem nun eingefahrenen U21-EM-Titel ein großer Karriereschritt anstehen. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll Trafford in Kürze bei Premier-League-Aufsteiger Burnley unterschreiben. Der Klub werde für den 1,92 Meter großen Schlussmann eine zweistellige Millionensumme bezahlen, obwohl er bislang noch kein einziges Premier-League-Spiel bestritten hat.

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Englands Erfolgsgeheimnis: Unglaubliche Masse an Talenten - auch ohne Musiala

Apropos kein Premier-League-Spiel bestritten: In diese Kategorie fällt auch Jude Bellingham, der kürzlich für über 100 Millionen Euro von Borussia Dortmund zu Real Madrid wechselte. Das einstige Talent des Zweitligisten Birmingham ist ein weiteres Beispiel für die mittlerweile so vorbildliche Arbeit der englischen Nachwuchsleistungszentren.

Heute ist Bellingham längst A-Nationalspieler, wäre vom Alter her noch für die U21 bei der EM in Georgien bzw. Rumänien spielberichtigt gewesen, ebenso andere Stars wie Arsenals Bukayo Saka.

Dass diese Stars nicht einmal dabei sind und Englands U21 trotzdem zum EM-Titel marschierte, zeigt, welch große Anzahl an Toptalenten mittlerweile im Pool der "Three Lions" baden. So macht es aus aktueller Sicht gar nicht so viel aus, dass sich etwa Bayerns Jamal Musiala, Ex-Talent des FC Chelsea, für einen Nationalmannschafts-Karriere beim DFB entschieden hat - er spielte zuvor auch noch in den englischen U-Mannschaften und ist nun ein Jahr vor der Heim-EM Teil der DFB-Krise, statt möglicherweise mit den Engländern vor einer goldenen Zukunft zu stehen. 


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