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Reaktionen auf "One-Love"-Eklat

WM 2022: Diskussion um "One-Love"-Binde - nur einer hat Verständnis für die FIFA

  • Aktualisiert: 22.11.2022
  • 16:53 Uhr
  • ran.de
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© Imago
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Die FIFA hat bislang Erfolg mit den Drohungen gegenüber den Verbänden, die ihre Kapitäne mit der "One-Love"-Binde auflaufen lassen wollten. Die Reaktionen darauf sind heftig. Nur ein Nationaltrainer äußert Verständnis.

München - Es ist bislang das beherrschende Thema der WM in Katar: das Verbot der "One-Love"-Binde durch die FIFA und das Einknicken der Verbände, die ihre Kapitäne das Symbol für Vielfalt und Toleranz eigentlich tragen lassen wollten.

"Dem Vorwurf müssen wir uns nicht aussetzen", sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf am Montag noch zur Kritik am Einlenken seines Verbandes.

Die Drohung der FIFA, mit sportlichen Sanktionen für Kapitän Manuel Neuer oder für gesamten Mannschaft reagieren zu wollen, hatte für den DFB den Ausschlag gegeben, bei diesem Thema einen Rückzieher zu machen.

Die Sanktionsdrohung der FIFA und die Reaktionen des DFB sowie anderer europäischer Verbände sorgten für große Aufregung und führte zu massiver Kritik. Es gibt aber auch Verständnis für das Verhalten des Weltfußballverbandes.

ran fasst die Reaktionen zusammen.

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News

Messi verlängert laut Medien Vertrag in Paris

Vom 20. November bis zum 19. Dezember fand die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar statt. Mit dem ran-Ticker verpasst ihr keine News zur Endrunde.

  • 21.12.2022
  • 22:56 Uhr

Christoph Kramer, Weltmeister von 2014, im "ZDF":

"Die Fifa ist momentan wirklich unzurechnungsfähig. Das ist so traurig. Wenn diese WM eins gezeigt hat, dass es die Politik des längeren Hebels gibt. Die Fifa will ihre Macht demonstrieren, das tut sie. ich finde es total richtig, dass wir darüber diskutieren, Zeichen setzen, aber dass die Spieler jetzt die Suppe auslöffeln sollen, die da passiert ist – das finde ich nicht richtig. Die Fifa wird denen heute klargemacht haben, wenn ihr mit der Binde aufläuft, dann seid ihr bei dem Turnier raus."

Oliver Kahn, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, in der "Bild"-Zeitung:

"'One Love' ist vor vielen Wochen vorgestellt und erklärt worden. Die FIFA hätte sich viel früher mit den nationalen Verbänden dazu kurzschließen können. Dass es offenbar keinen Dialog zu diesem Thema gab, ist ein Fehler. Ich wünsche mir allerdings, dass man die Wut über die Entscheidung jetzt nicht an den Spielern auslässt."

Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli, bei ran:

"Bereits die Diskussion über die Armbinde zeigt, wie grundlegend falsch die Vergabe der WM 2022 durch den Weltfußballverband war. Nun missbraucht die FIFA auch noch ihre Macht, setzt mehrere Verbände massiv unter Druck, um ein Zeichen für Diversität zu verhindern. Es ist die endgültige Bankrotterklärung für einen Fußball, dessen Regeln nach Gutsherrenart von der FIFA diktiert werden. Viele Fans haben sich längst mit Grausen von diesem Fußball abgewandt. Sicherlich werden auch bald Sponsoren und Partner folgen."

Niklas Füllkrug, deutscher Nationalspieler, in der "Augsburger Allgemeinen":

"Das ist eine enttäuschende Entscheidung. Auch wenn wir auf die Binde verzichten müssen, stehen wir weiter für unsere Werte ein. Es ist wichtig, den Disput zwischen den Verbänden nicht auf dem Rücken der Spieler auszutragen. Wir sind uns alle der Umstände bewusst und verurteilen sie. Man muss es so deutlich sagen. Das ist total inakzeptabel, aber die Macht, diese Dinge wirklich zu verändern, die liegt in anderen Hände. Wir können auf Dinge aufmerksam machen, können mit dem Finger darauf zeigen, darüber reden – aber die Entscheidungen werden von anderen getroffen."

Manuel Gräfe, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter, auf Twitter:

"Der DFB sowie die anderen Verbände sind hier sehenden Auges in das Dilemma geraten. Man ist mit einer an sich gut gemeinten Idee eines Zeichens der FIFA ins offene Messer gelaufen, denn bei diesen Themen war die FIFA immer streng und konsequent und konnte sich einfach auf die Regularien berufen. Es war ein wenig blauäugig zu denken, die FIFA würde das - noch dazu bei einer WM in Katar - einfach so hinnehmen. Typisch FIFA."

Lothar Matthäus, Weltmeister von 1990, bei "Sky":

"Zeichen zu setzen, wie es der DFB und andere Verbände wie mit der "One Love"-Binde wollten, ist wichtig. Man soll seine Meinung haben und frei äußern dürfen, aber ab und zu gibt es Regeln, die vorgegeben sind. Ich finde es schade, dass wir den Fußball nicht so genießen können, wie wir es gerne wollen. Ich würde mir wünschen, dass wir uns ein bisschen mehr über den Sport unterhalten als in den vergangenen drei Monaten."

Thomas Hitzlsperger, ehemaliger deutscher Nationalspieler, in der "ARD":

"Er wirkt so, dass wir sie (die deutschen Nationalspieler, d. Red.) jetzt überfrachtet haben. Nur, was sie verstehen müssen, ist, dass sie in der Vergangenheit selbst Zeichen setzen wollten, so haben sie die Erwartungshaltung gesteigert. Es wird eine Zeit dauern, bis sie wieder glaubwürdig für diese Werte einstehen können. Man hat gemerkt, wie die Machtverhältnisse im Weltfußball sind. Dort, wo die Rechnung bezahlt wird, wird auch bestimmt. Meines Erachtens kommt der Druck aus dem Gastgeberland, und das war heute unmissverständlich."

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Virgil van Dijk, Kapitän der Niederlande:

"Das ist total lächerlich, mit einer Strafe zu drohen wegen eines Armbands. Ich verstehe das nicht."

Harry Kane, Kapitän von England:

"Die Entscheidung wurde aus meinen Händen genommen. Ich bin enttäuscht. Ich bin sicher, dass der Verband FA und die FIFA weiter zu diesem Thema diskutieren werden."

Gareth Southgate, Nationaltrainer von England:

"Wir mussten uns auf den Fußball konzentrieren. Wir konnten da nicht involviert sein, vor allem die Spieler nicht. Das ist nicht ihre Aufgabe, das zu regeln. Die Menschen wissen, wofür wir stehen. Wir knien, weil wir glauben, damit etwas bewirken zu können. Die Diskussionen waren zwischen den Nationen und der FIFA. Ich verstehe die Situation der FIFA. Es ist schwierig, irgendwo eine Linie zu ziehen."

Kasper Hjulmand, Nationaltrainer von Dänemark:

"Wir haben mit der Armbinde schon gespielt, in Europa-Wettbewerben der UEFA. Das hat mit der WM nichts zu tun. Ich sehe das Problem nicht."

Dario Minden, stellvertretender Vorsitzender der Fan-Dachorganisation "Unsere Kurve", im "Hessischen Rundfunk":

"Ich glaube, die DFB-Spitze begreift noch gar nicht, was der Rückzieher bedeutet. Die (eventuelle!) Gelbe Karte war eigentlich ein Geschenk der FIFA: nur zum Preis einer Gelben Karte hätte man auf einen Schlag Haltung zeigen und viel Ansehen gewinnen können. So hingegen hat der DFB schon seine erste bittere wie peinliche Niederlage bevor der Ball überhaupt rollt."


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