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Senna-Marke: Warum Verstappen nicht zu Tränen gerührt sein wird

  • Aktualisiert: 16.06.2023
  • 17:28 Uhr
  • Motorsport-Total
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© Motorsport Images (Fotomontage)
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Max Verstappen und Ayrton Senna im Statistikvergleich: Mit einem Sieg in Kanada, dem 41. seiner Karriere, könnte Verstappen eine historische Marke einstellen

Mit einem Sieg beim Grand Prix von Kanada in Montreal am Sonntag könnte Max Verstappen rein statistisch gesehen Geschichte schreiben. Nicht nur, dass es der 100. Sieg für Red Bull in der Formel 1 wäre, würde er mit seinem persönlich 41. Sieg in der ewigen Bestenliste auch mit dem legendären Ayrton Senna gleichziehen.

Verstappen ist mit 40 Grand-Prix-Siegen aktuell die Nummer 6 der Statistik. Angeführt wird diese von Lewis Hamilton (103) vor Michael Schumacher (91), Sebastian Vettel (53) und Alain Prost (51). Dass Verstappen Senna, Prost und Vettel ein- und überholen wird, ist wohl nur eine Frage der Zeit. Zu Hamilton und Schumacher ist der Abstand schon etwas größer.

Die Senna-Marke hat unter allen Formel-1-Statistiken aber eine besondere Bedeutung. Der dreimalige Weltmeister ist 1994 beim Grand Prix von San Marina in Imola verstorben, und seither haben sich zahlreiche Mythen und Legenden um ihn verselbstständigt. Ihn zu übertreffen, ist für viele junge Rennfahrer ein ganz besonderes Ziel.

Zuletzt brach Michael Schumacher beim Grand Prix von Italien in Monza 2000 in Tränen aus, als er Sennas 41 Siege egalisierte. "Es ist offensichtlich, warum mir das so viel bedeutet", sagte er mit tränenerstickter Stimme, während ihm Mika Häkkinen auf die Schulter klopfte und Bruder Ralf, der neben ihm in der Pressekonferenz saß, ob solcher Emotionen seinen Augen nicht traute.

Verstappen wirkt am möglichen Vorabend der Senna-Marke hingegen recht gelassen: "Ich schaue nie auf solche Zahlen", sagt er und relativiert: "Rennfahrer haben immer unterschiedliche Karrieren. Einige sitzen früher in einem Siegerauto als andere, und wir haben heute ja auch viel mehr Rennen als früher."

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Verstappen vs. Senna: Ein statistischer Vergleich

Allerdings zeigt der Statistikvergleich mit Senna in der Datenbank von Motorsport-Total.com, dass der Unterschied zwischen den beiden gar nicht so groß ist. Senna hat bis zu seinem Tod 162 Rennen bestritten, Verstappen mit 174 aber nur unwesentlich mehr. Der größte Unterschied klafft bei den Polepositions. Da hat Senna 65 und Verstappen 24.

"Als ich ein kleines Kind war", räumt Verstappen ob solcher Erfolge dann doch ein bisschen Emotion ein, "hätte ich nie davon geträumt, eines Tages in solchen Listen zu stehen. Für mich ist das eine herausragende Errungenschaft. Aber man kann es meiner Meinung nach nicht miteinander vergleichen."

Anders als bei Schumacher hat man bei Verstappen nicht unmittelbar das Gefühl, dass allein der Klang des Namens Senna Gänsehaut auslöst. "Für mich hat das alles nichts mit Lieblingsfahrern zu tun", winkt er ab. "Ich respektiere, was andere in diesem Sport erreicht haben. Und ich schaue mir auch gern Onboards von früher an."

Aber einen besonderen Bezug zu Senna habe er nicht: "Es fällt mir schwer, dazu was zu sagen. Früher mussten sie die Autos ganz anders fahren. Die hatten ja auch noch Handschaltung mit Kupplung." Senna, sagt er, habe "viele großartige Dinge" erreicht: "Was hängen geblieben ist, ist seine erste Runde in Donington Park im Regen. Das war ziemlich gut."

Hamilton: Verstappen kann meine Rekorde brechen

Hamilton, immer noch überlegen alleiniger Rekordhalter, was die Anzahl an Grand-Prix-Siegen betrifft, geht davon aus, dass Verstappen eines Tages seine derzeit 103 Siege übertreffen wird: "Er hat noch eine lange Karriere vor sich. Er kann das absolut schaffen", sagt der siebenmalige Weltmeister (38) über den 25-jährigen Champion von 2021 und 2022.

Da ist Verstappen schon skeptischer: "Das zu schlagen, wird ziemlich schwierig. Dafür musst du über einen sehr langen Zeitraum im richtigen Auto sitzen. Wir wissen nicht, ob wir das hinbekommen. Aber damit habe ich mich ehrlich gesagt auch noch nie beschäftigt. Ich lasse mich im Moment einfach vom Fluss treiben und genieße diese Momente."

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Verstappen: Gelingt Red Bull die perfekte Saison?

Mit Red Bull als erstes Team alle Rennen einer Formel-1-Saison zu gewinnen, hält Verstappen für "unrealistisch", denn: "Irgendwann wird mal was schiefgehen, irgendwann hast du was nicht unter Kontrolle. Ich glaube nicht, dass es möglich ist. Und ich finde auch nicht, dass es notwendig ist."

Am nächsten dran an einer perfekten Saison war McLaren 1988, mit 15 Siegen in 16 Rennen. Und wäre Senna nicht beim Überrunden in Monza mit dem Williams von Jean-Louis Schlesser kollidiert, wäre Ron Dennis' Traum von einer makellosen Weltmeisterschaft in Erfüllung gegangen.

Verstappen räumt ein: "Wenn man sieht, wie schnell unser Auto gerade ist, dann ja, dann ist es nicht unmöglich. Aber es hat erst ein Jahr gegeben, in dem damals McLaren nah dran war, und damals waren es noch viel weniger Rennen als heute (16 statt 22; Anm. d. Red.). Solange ich Weltmeister werde, ist mir das ehrlich gesagt egal."

Verstappen: Das Gewinnen wird nicht langweilig!

Spekulationen, wonach ihm die Formel 1 angesichts der Red-Bull-Dominanz langweilig werden und er seine Karriere früher als gedacht beenden könnte, dementiert Verstappen: "Für mich ist das jetzt sogar noch mehr Motivation. Weil ich weiß, dass ich ein Auto habe, mit dem ich gewinnen kann."

"Manchmal gibt's Wochenenden, da weißt du, du kannst mit dem Auto bestenfalls Fünfter werden. Das ist immer noch eine gute Leistung. Aber es motiviert dich dann weniger, wenn du zu einem Rennen kommst und weißt, dass du mit deinem Auto nicht gewinnen kannst", sagt er.

Harter Wettbewerb sei "manchmal nett", räumt Verstappen ein: "2021 war sehr aufregend. Aber ich habe auch 2022 genossen. Am Anfang hatten wir Zuverlässigkeitsprobleme und das Auto war ziemlich schwer. Aber gegen Ende hin waren wir wirklich dominant."

"Ich verstehe, wenn die Leute das langweilig finden. Aber das hat's früher auch schon gegeben, mit Mercedes, mit Ferrari, auch mit Red Bull. Ich hoffe natürlich, dass es in Zukunft wieder spannender wird und dass andere zumindest dann gewinnen können, wenn es mal ein Problem gibt oder wenn du das Set-up nicht zu 100 Prozent triffst."

Langweilig sei ihm das Gewinnen aber noch nicht: "Es ist besser als alles andere! Nehmen wir zum Beispiel Barcelona: Wir haben das Rennen gewonnen, aber hatten wir wirklich die beste Strategie? Da bin ich mir mit unseren Reifen nicht sicher. Es gibt also jedes Mal wieder irgendwas, was man dazulernen kann", sagt Verstappen.


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