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Motorsport Formel 1

Wie Briatore "ein bisschen Marketing" für Bottas' Cadillac-Deal gemacht hat

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© Getty/circuitpics.de

Valtteri Bottas feiert 2026 ein Comeback in der Formel 1, als Teamkollege von Sergio Perez bei Cadillac. Eine Fahrerwahl, die Experten wie Alexander Wurz und Jacques Villeneuve nachvollziehen können, wegen des reichen Erfahrungsschatzes der beiden Routiniers. Obwohl sich viele Fans frisches Blut im Fahrerfeld gewünscht hätten.

Aber Mercedes-Teamchef Toto Wolff kann verstehen, dass sich Cadillac für Bottas entschieden hat: "Valtteri hat einen enormen Speed und ist unserer Meinung nach einer der besten Fahrer im Feld", sagt er.

Wenig überraschend, ist Bottas doch aktueller Testfahrer, langjähriges Mitglied der Mercedes-Familie und einstiger Schützling im Wolff-Managementkader. Schon bei Bottas' Vorgänger als Mercedes-Testfahrer, Mick Schumacher, hatte sich Wolff immer bemüht gezeigt, die Chancen auf eine Rückkehr in ein Renncockpit bei einem anderen Team mit schmeichelhaften Aussagen in Interviews zu verbessern.

Wie Briatore beim Bottas-Deal mitgeholfen hat

So erscheinen heute auch Medienberichte in einem anderen Licht, die rund um den Grand Prix von Österreich entstanden sind, als Flavio Briatore in der Mercedes-Hospitality zu Gast war und spekuliert wurde, Bottas sei ein möglicher Kandidat, um bei Alpine noch während der Saison 2025 Franco Colapinto zu ersetzen.

Ernsthafte Gespräche darüber, dass Bottas zu Alpine wechseln könnte, habe es "nie gegeben", stellt Briatore jetzt augenzwinkernd klar: "Ich denke, Alpine hat Bottas ein bisschen dabei geholfen, den Vertrag bei Cadillac zu bekommen. Wir haben da ein bisschen Marketing gemacht. Das war der Grund, ehrlich gesagt."

Bottas sei "ein super Fahrer", unterstreicht der 75-Jährige: "Er hatte Pech, zur gleichen Zeit wie Lewis für Mercedes zu fahren, als Lewis auf dem Höhepunkt seines fahrerischen Könnens war. Wir haben für unser Team andere Pläne, aber es ist schön, dass Valtteri zurück ist. Er ist ein Fahrer mit viel Erfahrung. Aber ich suche gerade was anderes."

Bottas: In der Mercedes-Zeit besser als sein Ruf?

Bottas kam 2017 als Teamkollege von Lewis Hamilton zu Mercedes, nachdem Nico Rosberg bei der FIA-Gala in Wien 2016 als amtierender Weltmeister überraschend seinen Rücktritt erklärt hatte - trotz eines bestehenden Vertrags bis Ende 2018. Und der Finne schlug sich wacker: Das Qualifyingduell verlor er mit 7:13, und mit 305:363 Punkten erreichte er den dritten Platz in der Fahrer-WM. Die ersten drei Grand-Prix-Siege seiner Karriere inklusive.

2019 und 2020 wurde Bottas sogar Vizeweltmeister, geschlagen jeweils nur von Hamilton, und 2021 noch einmal WM-Dritter. Mit 326 Punkten und vier Grand-Prix-Siegen war 2019 die erfolgreichste Saison seiner Formel-1-Karriere. Der große Unterschied zu Hamilton war oftmals in erster Linie das Können, die Reifen im Rennen bestmöglich zu managen und deren Performance maximal zu extrahieren.

"Valtteri", sagt Wolff, "ist ein sehr, sehr interessanter Fall, weil er das Glück und gleichzeitig das Pech hatte, als Teamkollege gegen Lewis Hamilton anzutreten, und zwar in einer Phase, in der Lewis auf dem Höhepunkt seines Könnens war." Trotzdem sei ab 2022 kein Platz mehr für Bottas gewesen, "weil wir George Russell befördert haben".

Wolff sucht: Wer wird jetzt Mercedes-Testfahrer?

Aber seitdem "hat er in jedem Auto jeden seiner Teamkollegen dominiert", attestiert Wolff Bottas, dass dieser auch im Alter von 36 Jahren nichts von seinem früheren Speed verloren habe. "Wenn einer unserer Stammfahrer eine Fischvergiftung hätte, wüssten wir, dass wir jemanden ins Auto setzen können, der genauso schnell und konkurrenzfähig ist. Es gibt keinen Kompromiss, wenn man Valtteri an einem Samstag oder Sonntag ins Auto setzt."

"Das fehlt uns jetzt natürlich, weil er zu Cadillac geht", bedauert Wolff - der übrigens noch keine Entscheidung darüber getroffen hat, wer Bottas' derzeitige Rolle bei Mercedes ab 2026 übernehmen wird: "Das haben wir uns noch nicht überlegt. Es ist wahnsinnig schwierig, Valtteri zu ersetzen. Er erfüllt alle Voraussetzungen für den Job."

Gleichzeitig werde man Bottas keine Steine in den Weg legen, wenn es darum geht, ihn für gewisse Cadillac-Aktivitäten freizustellen, obwohl er eigentlich noch bis Jahresende als Testfahrer an Mercedes gebunden ist: "Valtteri bleibt bis zum Ende der Saison unser Reserve- und dritter Fahrer, und er gibt wirklich alles. Ich habe keinerlei Zweifel, dass er das mit größter Integrität tun wird."

"Gleichzeitig habe ich kein Problem damit, dass er seinen Job bei Cadillac beginnt. Es macht die Sache einfacher, dass die Regeln für das nächste Jahr völlig anders sind. Es war für uns überhaupt kein Problem, Valtteri für die Ankündigung und die Events freizugeben, die Cadillac veranstaltet hat, um die Fahrer zu präsentieren, und so wird es auch im Laufe des Jahres weitergehen", sagt Wolff.

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