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Olympia 2026 - Eishockey: Ex-Bundestrainer Uwe Krupp exklusiv - "Leon Draisaitl ist unser Euro-Lotto-Jackpot"

  • Aktualisiert: 10.02.2026
  • 17:02 Uhr
  • Oliver Jensen

Der frühere Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp spricht im Interview mit ran über die Chancen der Deutschen Nationalmannschaft bei Olympia, die besonderen Fähigkeiten von Leon Draisaitl und die Qualitäten des deutschen Eishockeys.

Das Interview führte Oliver Jensen

Uwe Krupp gehört zu den großen Legenden im deutschen Eishockey. Im Jahre 1996 schoss er das NHL-Team der Colorado Avalance mit seinem Tor zur Meisterschaft. Er war der erste Deutsche, der den Stanley Cup gewann.

Später begann er seine Trainerlaufbahn und war unter anderem Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. Heute ist der 60-Jährige für den EV Landshut in der DEL 2 zuständig.

Bevor die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft am Donnerstag (21:10 Uhr im Liveticker) mit dem ersten Vorrunden-Spiel gegen Dänemark in das Turnier startet, spricht Krupp mit ran über Leon Draisaitl, die Chancen der deutschen Nationalmannschaft, die Olympia-Favoriten und die Geheim-Favoriten.

ran: Herr Krupp, man spricht ja oft von der "besten deutschen Eishockey-Nationalmannschaft aller Zeiten". Würden Sie dem zustimmen?

Uwe Krupp: Ich glaube, auf dem Papier ist das auf jeden Fall die beste Mannschaft, die wir in der deutschen Geschichte hatten. Das ist keine Frage. Gerade bei den Stürmern sind wir für deutsche Verhältnisse unglaublich stark und tief besetzt. Es ist eine tolle Sache, mit so einer Mannschaft in ein "Best-on-Best"-Turnier zu gehen.

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Uwe Krupp über DEB-Chancen: "Zur echten Turniermannschaft entwickelt"

ran: Was trauen Sie der Mannschaft zu?

Krupp: Gut, die andere Seite ist natürlich, dass auch die anderen Nationen mit ihren NHL-Stars antreten. Ich bin bei Prognosen traditionell etwas vorsichtig, denn wenn alle Teams in Bestbesetzung antreten, dann ordnet sich das oft entlang der Weltrangliste. Nimmt man Russland heraus, liegt Deutschland wohl irgendwo zwischen Platz fünf und acht.

ran: Aber?

Krupp: Aber wir haben uns in den letzten Jahren zu einer echten Turniermannschaft entwickelt, und das kann in einem K.-o.-Modus viel ausmachen. In diesen Spielen spielt der Torhüter eine große Rolle - und mit Philipp Grubauer, der derzeit vielleicht in einer seiner besten Form ist, kann das schon ausschlaggebend sein.

ran: Welchen Impuls könnte dieses Turnier für das Eishockey haben. Erhoffen Sie sich einen ähnlichen Effekt wie 1992 für den Basketball, als das "Dream Team" rund um Michael Jordan die Welt begeisterte?

Krupp: Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir ein "Best-against-Best"-Olympiaturnier erleben - das gab es im Eishockey schon ein paar Mal. Einer der größten Showcases war sicherlich 2010 in Vancouver, im Herzen des Eishockeylands Kanada. Da ist unglaublich viel passiert. Eishockey ist nach wie vor kein echter globaler Sport. Die Olympischen Spiele bieten aber die Bühne, sich weltweit zu präsentieren. Ich habe auch Interviews von Spielern gelesen, die sagen: Dieses Turnier kann Kinder und neue Fans fürs Eishockey begeistern - Menschen, die den Sport bisher nur am Rande verfolgt haben.

ran: Sprechen wir über die Aufgaben der deutschen Nationalmannschaft. Dänemark, Lettland und die USA sind die Gegner der Vorrunde. Wie schätzen Sie diese Aufgaben ein?

Krupp: Gegen Dänemark und Lettland muss man gewinnen, um gut ins Turnier zu starten. Der Druck liegt also klar bei Deutschland in diesen beiden Partien. Aber gerade Dänemark ist nicht zu unterschätzen, weil die ebenfalls mit sechs Spielern aus der NHL antreten. Frederik Andersen ist ein absoluter Top-Torwart. Zudem haben sie eine starke Heim-WM gespielt (Platz 4). Trotzdem: Deutschland sollte gegen Dänemark und Lettland die Nase vorn haben, aber die USA sind natürlich eine andere Kategorie. Wenn wir mit zwei Siegen im Rücken in dieses Spiel gehen, können wir durchaus für eine Überraschung sorgen. Wenn man aber wackelig startet, wird es gegen die USA schwieriger.

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ran: Wer sind aus Ihrer Sicht die Top-Favoriten?

Krupp: An den USA und Kanada kommt man nicht vorbei. Dahinter würde ich Schweden nennen, die sind immer gefährlich. Finnland wird wie immer mitmischen, denn die Finnen sind in solchen Turnieren besonders unangenehm. Sie haben eine klare Identität als Turniermannschaft und sind immer für eine Überraschung gut.

ran: Gibt es auch Geheimfavoriten, die für eine Überraschung sorgen könnten?

Krupp: Tschechien darf man nie abschreiben. Das ist oft eine Wundertüte, aber sie haben alles, was man braucht, um ein solches Turnier zu gewinnen. 1998 in Nagano, beim ersten "Best-on-Best"-Turnier, haben sie ja mit einem überragenden Dominik Hasek Gold geholt. Solche Turniere schreiben ihre eigenen Geschichten - mit Glück, Teamgeist und dem Gefühl, eine ganze Nation zu repräsentieren. Dann ist vieles möglich. Außerdem schätze ich die Schweiz sehr stark ein, die ebenfalls viele Top-Spieler aus der NHL in ihren Reihen hat.

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Uwe Krupp über Leon Draisaitl: "Wie Dirk Nowitzki für den Basketball"

ran: Sprechen wir wieder über unsere Mannschaft. Leon Draisaitl gilt als einer der besten Eishockeyspieler der Welt. Was macht ihn so besonders?

Krupp: Leon Draisaitl ist für das Eishockey das, was Dirk Nowitzki für den Basketball war - oder Boris Becker und Steffi Graf für den Tennissport in Deutschland. Das ist die Kategorie, in der ich ihn sehe. Er ist ein außergewöhnlich offensiver Spieler, seine Scoring-Qualitäten sind herausragend. In Edmonton spielt er gemeinsam mit Conor McDavid, vielleicht dem besten Spieler der Welt, und die beiden haben eine unglaubliche Chemie auf dem Eis. Leon ist ein Ausnahmespieler - ein Jahrhunderttalent.

ran: Wie abhängig ist das deutsche Team von Draisaitl?

Krupp: Ich glaube nicht, dass die Mannschaft ausschließlich von ihm abhängt. Wir haben in der zweiten Kategorie Spieler wie Tim Stützle oder JJ Peterka, dazu Moritz Seider in der Defensive - Spieler, die selbst das Momentum drehen können. Leon wird im Rampenlicht stehen, aber gerade das verschafft den anderen Raum, um zu wachsen. Unsere zweite Reihe muss sich definitiv nicht verstecken, auch die Jungs spielen in der NHL eine starke Rolle.

ran: In der Öffentlichkeit wird immer nur über die Stars aus der NHL gesprochen. Wer aus der DEL kann bei Olympia eine wichtige Rolle spielen?

Krupp: Die DEL-Spieler sehe ich als "Supporting Cast" - sie geben der Mannschaft Tiefe und Stabilität. Trotzdem können Einzelne Akzente setzen. Frederik Tiffels zum Beispiel, wenn er mit Draisaitl und Dominik Kahun in einer Reihe spielt, kann ein starkes Turnier hinlegen. In der Defensive wird viel Verantwortung auf Spielern wie Moritz Müller liegen.

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Uwe Krupp über deutsche Eishockey-Nationalmannschaft: "Außergewöhnlich starke Generation"

ran: Wie stark ist die DEL überhaupt im internationalen Vergleich einzuschätzen?

Krupp: Die DEL ist sehr ausgeglichen, das Leistungsgefälle zwischen Platz 1 und 13 ist gering, das zeichnet sie aus. Bessere Ligen sind natürlich die NHL und meiner Meinung nach auch die Schweizer Liga, die uns in vielen Bereichen leicht voraus ist. Die Schweden sind top, die finnische Liga hat einige Spitzenteams, aber ein größeres Gefälle. Die KHL ist ebenfalls qualitativ stark, auch wenn sie durch geopolitische Umstände schwerer einzuschätzen ist. Insgesamt würde ich die DEL weltweit etwa auf Rang fünf oder sechs einstufen. Mit Zuschauerzahlen wie in Köln, wo die Arena oft ausverkauft ist, entwickelt sich die Liga aber hervorragend weiter.

ran: Spieler wie Tim Stützle oder Moritz Seider wurden in der DEL ausgebildet, ehe Sie den Sprung nach Nordamerika geschafft haben. Erleben wir derzeit eine goldene Generation, oder ist dies einfach das Ergebnis guter Nachwuchsarbeit?

Krupp: Ich glaube, wir sind in der Lage, regelmäßig NHL-Spieler wie Peterka oder Nico Sturm hervorzubringen. Wir holen aus einer relativ kleinen Spielerbasis sehr viel heraus. Unsere Nachwuchsarbeit ist gut strukturiert, es wird kontinuierlich verbessert und angepasst, auch mit Blick auf Konzepte aus Skandinavien. Trotzdem bleiben wir eine kleine Eishockey-Nation, die aktuell eine außergewöhnlich starke Generation hat - das ist besonders, aber nicht selbstverständlich. Leon Draisaitl ist unser "Euro-Lotto-Jackpot" - unser Wayne Gretzky. Auf so etwas kann man nicht spekulieren.

ran: Sie haben 1998 selber einmal bei Olympia gespielt. Welchen Stellenwert hat das für Sie rückblickend?

Krupp: Zu Beginn meiner Karriere war der Stanley Cup das Maß aller Dinge. Mit der Globalisierung des Eishockeys kamen dann Turniere wie die Olympischen Spiele als "Best-against-Best"-Wettbewerbe hinzu. Das war etwas völlig Neues. Heute haben die Olympischen Spiele durch die Teilnahme der NHL-Spieler eine viel höhere sportliche und emotionale Bedeutung - sowohl für die Athleten selbst als auch für die Öffentlichkeit. Das Olympiaturnier hatte zu meiner Zeit nicht die selbe Strahlkraft wie heute.

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