Roger Goodell ist Commissioner der NFL - Bildquelle: ImagoRoger Goodell ist Commissioner der NFL © Imago

München/Washington - Der Skandal rund um Vorwürfe sexueller Belästigung bei den Washington Commanders hat nun endgültig auch die Politik erreicht.

NFL-Commissioner Roger Goodell sah sich in seiner Anhörung vor dem wichtigsten Untersuchungsausschuss des US-Repräsentantenhauses drastischen Forderungen ausgesetzt.

Obwohl die Franchise aus der Hauptstadt liga-intern bereits mit einer Strafzahlung von zehn Millionen Dollar belegt worden war, kamen während der Anhörung Forderungen nach einer Entlassung von Owner Daniel Snyder auf.

Goodell: Kann Snyder nicht allein entlassen

Auf die Frage einer Abgeordneten, ob Goodell Snyder aus dessen Amt entfernen werde, antwortete der NFL-Boss: "Ich habe nicht die Autorität, ihn zu entfernen."

Tatsächlich kann ein Owner nach "ESPN"-Informationen seines Amtes nur enthoben werden, wenn drei Viertel der anderen Teambesitzer sich dafür aussprechen. Allerdings könnte Goodell dem Gremium eine solche Abstimmung zumindest vorschlagen.

Dass Snyder mit Verweis auf geschäftliche Verpflichtungen in Frankreich nicht selbst an der Anhörung teilnahm, empfand die Ausschussvorsitzende Carolyn Maloney als weiteren Beleg für dessen Haltung gegenüber Frauen.

"Anscheinend ist Mister Snyder in Frankreich, wo er mit seiner Luxusjacht einen Ferienort angesteuert hat. Das sollte Ihnen zeigen, wie viel Respekt er vor Frauen am Arbeitsplatz hat", sagte sie.

Sie unterstrich dabei ihr Vorhaben, Snyder zu einer Aussage vor dem Ausschuss zu zwingen: "Die NFL ist nicht willens oder in der Lage, Mister Snyder zur Rechenschaft zu ziehen. Deshalb beabsichtige ich, ihn für eine Aussage in der nächsten Woche vorzuladen."

Allerdings ist Snyder nun auch der zweiten Einladung nicht gefolgt. Über einen Sprecher ließ er verlauten, dass "der Kongress sich nicht mit Problemen auseinandersetzen sollte, um die sich ein Football-Team bereits vor Jahren gekümmert hat".

Verbaler Schlagabtausch im Ausschuss

Zuvor schon hatte sich die Demokratin einen heftigen verbalen Schlagabtausch mit dem Republikaner Byron Donalds geliefert, der die Anhörung als eine reine Zeitverschwendung empfand.

Obwohl er von Maloney immer wieder aufgefordert wurde, sich zurückzuhalten, tat er genau das Gegenteil. "Sie können so viel auf den Tisch hauen, wie Sie wollen, das ist mir egal", sagte er und beharrte auf seinem Standpunkt, dass die Politik angesichts von Rekord-Inflation und Rekord-Gaspreisen wichtigere Themen zu besprechen hätte als die Vorgänge in einem Football-Team.

Dabei waren die Zustände bei den Commanders bei weitem nicht das einzige Thema, das in der zweieinhalbstündigen Anhörung zur Sprache kam. Ein Abgeordneter aus Ohio wollte wissen, warum der Sport-Blogger David Portnoy, dem sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden, keinen Zutritt mehr zu NFL-Spielen habe.

Er sei mit dieser Thematik nicht vertraut, antwortete Goodell.

Endgültig skurril wurde die Anhörung, als ein Abgeordneter aus Texas die Anschuldigungen gegen die Commanders mit Tom Bradys Deflategate-Skandal verglich und Goodell fragte, wie man den Luftdruck in den Bällen auch in Zukunft auf einem konstanten Level halten könne.

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