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München - Lange waren Bill Belichick und Tom Brady das Traum-Duo der NFL. Zwischen 2000 und 2019 gewannen die beiden zusammen sechs Super-Bowl-Titel und dominierten die AFC nach Belieben.

Doch wo Erfolg ist, sind auch Kritiker. Über die Jahre entwickelte sich das Narrativ, Belichick und Brady könnten nur als Tandem erfolgreich sein. 

Aufschwung nach einem Jahr ohne Brady

Auch beim Abgang von Brady 2020 soll dies eine Rolle gespielt haben. Der Superstar-Quarterback wechselte nach Florida und schloss sich den Tampa Bay Buccaneers an. Dort gelang ihm, was ihm nur wenige zugetraut hatten: Direkt in der ersten Saison mit seinem neuen Team gewann der Routinier erneut den Super Bowl. Seinen siebten, aber seinen ersten ohne Coach Belichick an der Seitenlinie.

Während sein ehemaliger Schützling bei den "Bucs" genau da weiter machte, wo er in New England aufgehört hatte, verlief die erste Saison für Belichick ohne Brady deutlich weniger erfolgreich. Mit einer Bilanz von 7-9 schlossen die Patriots die 2020er Spielzeit ab. Es war die schlechteste seit 2000. Experten sahen sich in ihren Mutmaßungen bestätigt.

Nicht einmal ein Jahr später hat sich das Blatt allerdings komplett gewendet.

Im Draft wählte New England an der 15. Stelle Mac Jones aus. Der Quarterback von den Alabama Crimson Tide überzeugte die Verantwortlichen so sehr, dass sie kurz vor Saisonstart den eigentlich Starter, Cam Newton, vor die Tür setzten. Somit lagen die Geschicke der Offensive von Beginn an in den Händen des Rookie.

Belichick nimmt Geld in die Hand

Und sie sorgten dafür, dass der Rookie genug Waffen in der Offense hat. In der Offseason investierten die Patriots zum ersten Mal seit Jahren richtig viel Geld. Rund 160 Millionen US-Dollar nahm das Team aus Foxborough in die Hand.

Jonnu Smith, Hunter Henry, Kendrick Bourne - um nur einige Namen zu nennen - sorgen nun dafür, dass Jones diverse Anspielstationen zur Verfügung hat, bei denen er den Ball in guten Händen weiß. 

Ebenfalls aus der Free Agency angelten sich die Patriots Matt Judon. Die sowieso schon starke Defense wurde durch den Linebacker und die Rückkehr von Dont'a Hightower nochmals verstärkt.

Dass Defensiv-Guru Belichick an all diesen Verpflichtungen beteiligt, versteht sich von selbst. Seit Jahren ist er neben seiner Position als Head Coach de facto auch General Manager.

Wieder einmal lag er mit den Neuen goldrichtig. Denn nach zwölf Spielen ist die Defense der "Pats" die beste der Liga (15,8 Punkte). 

Rex Ryan, ehemaliger Head Coach der New York Jets und jetziger NFL-Experte, lobte seinen Kollegen nach dem überzeugenden 45:7-Sieg gegen die Cleveland Browns in Woche 10: "Diese Saison ist die beste Saison, die Bill Belichick je gecoacht hat. Es geht nicht nur um das reine Coaching, es ist auch das, was er in der Offseason gemacht hat. Das unterscheidet Belichick von allen anderen."

Vom "Dark-Horse" zum Mitfavoriten

Nach einem holprigen Start in die aktuelle Spielzeit sind die Patriots seit mittlerweile sechs Spielen ungeschlagen und liegen auf dem zweiten Platz der Conference. Schon längst haben sich Jones, Judon und Co. vom einem Geheimfavoriten zu einem klaren Kandidaten für den Gewinn der AFC gemausert.

Der Einfluss von Belichick ist deutlich zu spüren und zu sehen. Der mittlerweile 69-Jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch ohne Brady Erfolg zu haben. 

Mit Mac Jones entwickelt er sich gerade einen "Brady-Klon", er "darf" endlich wieder einen Quarterback entwickeln. Das hatte Belichick wohl auch schon mit Jimmy Garoppolo vor. Was Brady seinerzeit nicht wirklich geschmeckt haben soll - schließlich war er doch der uneingeschränkte Patriots-Anführer auf dem Rasen.

Die Beziehung der beiden Alphatiere soll in den letzten gemeinsamen Jahren unter diesem Fakt deutlich gelitten haben.

Für beide scheint die Trennung auch deshalb letztlich eine gute Sache gewesen zu sein. Brady hat aktuell den Spaß seinen Lebens. Man erinnere sich nur an die "Bucs-Parade" nach dem Super-Bowl-Sieg, als ein sichtlich angetrunkener Brady die Vince Lombardi Trophy von Boot zu Boot warf. 

Einen Höhepunkt hätte die Belichick/Brady-Ära allerdings noch zu liefern: einen Super Bowl zwischen den Tampa Bay Bucaneers und den New England Patriots. Mit Belichick als amtierendem "Coach of the Year" und Brady als "MVP". Die Geschichten würden sich quasi von selbst schreiben. 

 

Philipp Schmalz

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