Bundesliga

Kumpel und Autorität

Jupp Heynckes: Mit dem Wohlfühlfaktor zurück zum Erfolg

Jupp Heynckes hat dem FC Bayern bereits mit seiner bloßen Anwesenheit die gute Laune zurückgebracht. Dass sich seine Spieler für ihn zerreißen, war schon 2013 ein wichtiges Puzzlestück für das Triple.

13.10.2017 18:30 Uhr / ran.de / Andreas Reiners
Heynckes Stimmung
Jupp Heynckes: Sorgt für eine neue Aufbruchstimmung. © imago/Sven Simon

München - Bereits seine Zusage reichte. Plötzlich war da überall gute Laune. Aufbruchstimmung. Friede, Freude, Jubel, von allem etwas. Die Stimmung, die Jupp Heynckes beim FC Bayern entfacht hat, in einem Satz zusammengefasst: Jetzt wird alles gut.

Uli Hoeneß lächelte. Selbst Karl-Heinz Rummenigge tat etwas, das stark danach aussah. Die Triple-Fraktion von 2013 kommt aus dem Grinsen nicht mehr heraus: David Alaba, Manuel Neuer, Jerome Boateng.

Oder Arjen Robben, dessen spontaner Rücktritt in der niederländischen Nationalelf aber wohl eher mehr mit seinen 33 Jahren zu tun hat als mit Heynckes. Oder Javi Martinez, der alleine bei dem Gedanken an die langfristige Rückkehr auf die Sechs in Freudentränen ausbricht. Oder Mats Hummels, der sich wohl am meisten darüber freut, dass Thomas Tuchel nicht wieder sein Trainer wird. Sich aber auch einfach freut, dass sich alle anderen freuen.

Wie Thomas Müller. Das Münchner Sorgenkind, der Ur-Bayer, der wie kein anderer das Gesicht der Krise, der sportlichen Misere oder Stagnation unter Ex-Coach Carlo Ancelotti stand.

"2013 sind wir mit den besten Erinnerungen auseinandergegangen. Daran versuchen wir anzuknüpfen. Es ist ein altbekanntes Team, das viel Freude versprüht und gut aufeinander abgestimmt ist", meinte Müller: "Das kann uns nur helfen. Wir haben keine Zeit für eine Eingewöhnung."

Erfahrung und Fingerspitzengefühl

Boateng lobt Heynckes Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Heynckes wisse, wie er mit den Spielern umgehen müsse. "Auch mit Spielern, die nicht so viel spielen. Er macht ein sehr gutes Training, hat eine super Ansprache, kann Spiele gut analysieren. Das sind Sachen, die uns zugute kommen", so Boateng. Selbst Lukas Podolski meldete sich aus Japan und freute sich mit für seinen Ex-Klub, Bastian Schweinsteiger sowieso. Der sagte kürzlich erst, man könne gar nicht genug betonen, wie groß Heynckes’ Anteil am Triple-Triumph 2013 war. Und: "Ich habe noch nie einen Menschen erlebt, der sich im Alter trotz all des Erreichten noch mal so neu erfinden konnte wie Jupp Heynckes."

Heynckes hatte es damals geschafft, die am Boden liegende Mannschaft nach dem verlorenen "Finale dahoam", dem Vize-Triple, auf das gemeinsame Ziel einzuschwören. Er wusste, wie er die Spieler anpacken musste, ließ mal die lange Leine baumeln, zog dann wieder das Tempo an, tätschelte, streichelte, tadelte. Er traf den richtigen Ton, sorgte für familiären Wohlfühlfaktor, die menschliche Komponente.

Herrisch, dünnhäutig, schwierig

Dieses neu erfinden, wie Schweinsteiger es nannte, galt vor allem für seinen Umgang mit den Spielern. Ihm hing der Ruf nach, herrisch zu sein, dünnhäutig, schwierig. Feldwebel im Anzug nannten ihn die Frankfurter Medien in den 90er Jahren, als er gerne mal die Stars, die Sprachführer einer Mannschaft gegen sich aufbrachte. Menschenführung war nicht so seins, ein Menschenfänger war er schon gar nicht.

Doch Beobachter sagten bereits zu seiner Leverkusener Zeit von 2009 bis 2011, dass er sich geändert habe. Er sei gelassener, ausgeglichener. Altersmilde? Ja, vielleicht, aber im positiven Sinne. Bereits bei Bayer herrschte Harmonie, im Triumphjahr bei den Bayern 2013 erst recht. Heynckes war die perfekte Mischung aus Kumpel und Boss. Er schaffte es, dass die Spieler ihm das mit Leistung zurückzahlten, mit bedingungslosem Einsatz. Sie taten das, was er ihnen sagte, und sie taten es vor allem für ihn.

Kein Gute-Laune-Onkel

Klar: Heynckes kommt nicht als Gute-Laune-Onkel zur Säbener Straße, damit er den Klub harmonisiert, aber titellos übergibt. Der 72-Jährige soll Titel holen, das Double ist ja der Mindestanspruch.

Erstmal aber muss er die Mannschaft wieder in die richtige Richtung bringen, in die Spur, taktisch und spielerisch, ihr das Selbstvertrauen zurückbringen.

Nein, Heynckes wird sicher nicht nächtelang am Laptop neue Systeme austüfteln, fraglich ist auch, ob er sich fachlich noch einmal neu erfinden wird.

Das muss er aber auch gar nicht, ein Umbruch wird von ihm, der im Sommer wieder weg sein wird, gar nicht erwartet. Der Wohlfühlfaktor wird wieder den Unterschied machen: Setzt der FC Bayern die gelebte Vorfreude nur halbwegs auf dem Platz um, wird auch Heynckes’ vierte Amtszeit ein Erfolg.

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