In Nottingham stürmen Forest-Fans den Platz - Bildquelle: Getty ImagesIn Nottingham stürmen Forest-Fans den Platz © Getty Images

München - Um die historische Tragweite dieser Geschichte zu erfassen, lohnt ein Blick zurück.

Als Nottingham Forest zuletzt in der Premier League spielte, war Erling Haaland noch nicht einmal geboren. Manchester City feierte gerade den Wiederaufstieg in die 2. englische Liga.

In Deutschland konnte der 1. FC Kaiserslautern seinen Bundesliga-Titel nicht verteidigen – und der FC Bayern sollte in wenigen Tagen von einem gewissen Ole Gunnar Solskjaer ins bittere Tal der Tränen geschickt werden.

Es war die Zeit, bevor in der Premier League alle Geld-Schleusen geöffnet und die TV-Verträge in Milliarden-Beträgen angegeben wurden.

Nottingham Forest vor 23 Jahren abgestiegen

Als sich Forest damals aus der englischen Beletage verabschiedete, konnte keiner ahnen, dass es ein Abschied für mindestens 23 Jahre werden würde.

Denn noch ist die Rückkehr nicht perfekt, noch steht dieses eine für den gesamten Klub so unglaublich wichtige Spiel an – das Finale in den Aufstiegsplayoffs zur Premier League gegen Huddersfield Town.

Wie groß die Euphorie rund um die Reds aus Nottingham ist, zeigt der Rekord-Ansturm auf die Tickets für das Spiel am 29. Mai.

Innerhalb kürzester Zeit waren 17.500 Tickets vergriffen. Dass die etwas mehr als 36.000 zur Verfügung stehenden Karten ihre Abnehmer gefunden haben, lange bevor das Spiel im Wembleystadion angepfiffen wird, gilt als sicher.

Dabei werden viele Käufer die großen Triumphe des Klubs aus der 330.000-Einwohner-Stadt am River Trent nur aus Erzählungen kennen.

Legendärer Clough führt Forest auf Europas Thron

Zweimal hintereinander holte Forest die Champions League, die damals noch Pokal der Landesmeister hieß: 1979 und 1980 war das. Im zweiten Jahr gewann das Team die Trophäe im Finale gegen den Hamburger SV mit 1:0.

Trainiert wurde die Mannschaft damals von Brian Clough, einem der charismatischsten Coaches des englischen Fußballs – und in gewisser Weise Vorgänger von Jose Mourinho.

Clough hielt sich zwar nicht für den "Special One". Dafür aber ist ein anderer Spruch überliefert, der von ähnlichem Selbstbewusstsein zeugt. "Ich zähle mich nicht zum besten Trainer im Fußball-Geschäft. Aber ich würde mich schon unter den Top One sehen", sagte er einst.

Von diesem Selbstverständnis ist nach dem Abstieg des Klubs kurz vor der Jahrtauendwende nicht viel übrig geblieben.  

Bis in die 3. Liga stürzte der Klub zwischenzeitlich ab. Erst seit 2008 spielt Forest wieder zweitklassig. Es war die Zeit, in der sie in Nottingham Demut lernten, ohne freilich den Traum von der Rückkehr in die Premier League jemals aufgegeben zu haben. Der ist jetzt nur noch ein Spiel entfernt.

Erfolg dank eines Trios

Der Erfolg des Teams ist eng verbunden mit den Namen Steve Cooper, Dane Murphy und Evangelos Marinakis. Der griechische Reeder, der auch Olympiakos Piräus besitzt, ist seit 2017 Eigentümer des Klubs und verfolgt seitdem einen klaren Plan, wie er den Klub wieder zurück in die Premier League führen kann.

Im Juli vergangenen Jahres holte er den ehemaligen US-Profi Murphy als Geschäftsführer, der seitdem den Kader erfolgreich reduziert und verjüngt hat.

Superstars sucht man in der Mannschaft vergebens. Dafür findet man viele junge, hungrige Spieler, für die der Aufstieg der größte Erfolg ihrer Karriere wäre. Trainiert werden sie seit letztem Jahr von Cooper.

Der war jahrelang Jugend-Coach des FC Liverpool und trainierte später die englischen Jugendauswahl-Teams, hat also viel Erfahrung darin, Talente zu fördern und auf die nächste Stufe zu heben.

City Ground platzt aus allen Nähten

Wie viel Enthusiasmus diese Spieler verbreiten, war im Halbfinal-Rückspiel der Aufstiegs-Playoffs zu sehen. Da platzte der altehrwürdige City Ground, in dem Forest schon seit 1898 seine Heimspiele austrägt, schon lange vor dem Anpfiff aus allen Nähten.

Und als die Spieler dann auf dem Rasen standen und die Fans ihrem Stadion mit ihrer Version des McCartney-Songs "Mull of Kintyre" huldigten, lag Gänsehautstimmung über dem City Ground.

Nachdem der Sieg im Elfmeterschießen gegen Sheffield United dann feststand, fluteten wiederum viele der 30.000 glückseligen Forest-Fans den Rasen.

Allerdings hinterließ der Abend auch einen faden Beigeschmack, weil inmitten der Feierlichkeiten Sheffield-Kapitän Billy Sharp angegriffen und am Kopf verletzten worden ist. Der Täter konnte ermittelt werden und wurde in U-Haft genommen.

Er wird die letzte Etappe der lange Reise nicht mit antreten können, wenn Nottingham Forest im Wembleystadion nur noch einen Sieg braucht, um die Rückkehr in die Premier League zu feiern.

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