Das Ziel für Kapitän Uwe Gensheimer ist klar: Halbfinale! - Bildquelle: getty Das Ziel für Kapitän Uwe Gensheimer ist klar: Halbfinale! © getty

Wien/Trondheim - Kaum hatten die deutschen Handballer ihr Hotel in Wien bezogen, rief Johannes Bitter den Neustart aus. "Wir hoffen, dass es jetzt unser Reset-Knopf wird", sagte der Torhüter nach der Ankunft am Hauptrunden-Spielort.

"Ich bin froh, dass wir aus Trondheim weg sind. Irgendwie lag da eine Last auf unseren Schultern", sagte Bitter: "Wir haben noch Luft nach oben, das wissen wir alle. Aber jetzt geht das Turnier erst richtig los." 

Ein Ortswechsel als Neuanfang

Bitter sprach seinen Mitspielern aus der Seele, den Ortswechsel empfand das gesamte Team als Neuanfang. "Das kann uns vielleicht auch irgendwo ein bisschen beflügeln", sagte Rückraumspieler Julius Kühn, der nach einer schwachen Vorrunde so etwas wie die personifizierte Hoffnung für die Hauptrunde ist. Bundestrainer Christian Prokop beteuerte: "Wir freuen uns auf Wien."

Die Vorfreude auf die am Donnerstag gegen Weißrussland beginnende Hauptrunde wird allerdings von ernsten Sorgen und Zweifeln getrübt. Bislang konnte das deutsche Team sein Leistungsvermögen nicht abrufen, für den angepeilten Sprung ins Halbfinale braucht es angesichts der aktuellen Verfassung viel Fantasie - und eine gewaltige Steigerung. Das DHB-Team befindet sich auf der Suche nach Stabilität.

"Heranrobben" an die Spitze

"Wir sind gerade nicht in den Leistungssphären, die wir für ein eventuelles Halbfinale bräuchten, das ist klar", sagte Prokop, der aber nicht vom großen Ziel abrücken wollte. Seinem Team seien in den Spielen gegen Titelverteidiger Spanien (26:33) und EM-Debütant Lettland (28:27) Defizite aufgezeigt worden, man sei von den Medaillen "im Moment ein bisschen weit weg, aber das heißt nicht, dass wir uns da im Turnier nicht noch heranrobben können".

Ausgerechnet in der sonst so stabilen deutschen Defensive hapert es gewaltig. Während im Angriff zumindest die starke Leistung (8 Tore bei 9 Versuchen gegen Lettland) von Kühn als Mutmacher taugt, präsentiert sich das Prunkstück der vergangenen Jahre bislang ungewohnt löchrig. Der Mittelblock mit den überspielt wirkenden Kieler Hünen Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek bekommt (noch) keinen Zugriff, und auch die sonst so starken Andreas Wolff und Bitter im Tor stecken im Formtief.

"Mit niedrigeren Ansprüchen nach Wien"

"Unsere Chance liegt im Steigerungspotenzial. Momentan sind wir nicht imstande, Kroatien oder Spanien zu schlagen, aber vielleicht in zwei Spielen", sagte Prokop. Das Tableau meint es gut mit seinem Team. Mit Weißrussland wartet zunächst kein übermächtiger Gegner, bevor es am Samstag gegen die starken Kroaten geht. "Jetzt ist jeder einzelne gefragt, und wir als Mannschaft zusammen sind gefragt, alles zu investieren, dass wir uns von Spiel zu Spiel steigern", sagte Prokop.

Kapitän Uwe Gensheimer wirkte nachdenklich. Als Mannschaft sei man "leider noch nicht so weit - zumindest in dieser Konstellation - wie wir uns das vorgestellt haben nach der Vorbereitung", sagte der Linksaußen. Er versuchte den mauen Vorstellungen der Vorrunde etwas Positives abzugewinnen. Für das gesamte Team sei es "gar nicht schlecht, jetzt mit ein bisschen niedrigeren Ansprüchen nach Wien zu fahren und vielleicht mit einer anderen Rolle und einem anderen Denken ins Spiel zu gehen".

Wie der Coach glaubt auch Gensheimer weiter fest an seine Mannschaft. "Auch wenn wir jetzt noch keine Topleistung gezeigt haben", habe man weiterhin das Ziel, ins Halbfinale zu kommen.

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