Jutta Kleinschmidt kehrt an den Ort ihres größten Erfolgs zurück. - Bildquelle: Getty / Extreme EJutta Kleinschmidt kehrt an den Ort ihres größten Erfolgs zurück. © Getty / Extreme E

München - "Ab meinem sechsten Lebensjahr hatte ich nur zwei Dinge im Kopf: Geschwindigkeit und Abenteuer", verrät Jutta Kleinschmidt, die erste und einzige Gewinnerin der berüchtigten, fordernden und, wie viele sagen würden, geradezu furchterregenden Rallye Dakar.

Dieses Gefühl des Abenteuers, gepaart mit dem Aufwachsen mit Offroad-Motorrädern, führte dazu, dass Kleinschmidt 1987 - nicht als Konkurrentin, sondern als Fan - einfach an der Startlinie der Rallye Paris Dakar auftauchte.

Drei Wochen lang begleitete die unerschrockene junge Frau das offizielle Rennen und fuhr mit ihrem Motorrad 10.000 km durch Frankreich, Algerien und dann durch die beeindruckende Sahara in den Senegal zum unglaublichen Lac Rose.

Jede Nacht erschien Kleinschmidt im Lager - erschöpft, erleichtert und mit ihrem eigenen Zelt über ihrem Motorrad geschnallt.

Reifeprüfung Rallye Dakar

Sie erklärt: "Als ich die Rallye in diesem Jahr verfolgte, war es mein Ziel zu sehen, wie es sich anfühlte. Ich war einfach glücklich, jedes Zeltlager in jeder Nacht in einem Stück zu erreichen. Dies war eines der größten Abenteuer für mich, weil ich völlig alleine war und ohne technische Unterstützung."

Und weiter: "In gewisser Weise war es verrückt, was ich getan habe. Es ist lange her, also hatten wir weder GPS noch Mobiltelefone oder ähnliches. Wenn man sich verfahren hatte, war man wirklich verloren und es gab keinerlei Verbindung zur Zivilisation. Aber ich habe mich mit allen gut angefreundet - die Teams waren sehr nett - sie versorgten mich im Zeltlager mit Ersatzbrennstoff und Essen und versprachen, jemanden zu schicken, der mich finden würde, wenn ich nachts mal nicht auftauchen sollte!"

Nachdem Kleinschmidt es bis ins Ziel geschafft hatte, war ihr Appetit auf mehr geweckt und so trat sie schließlich 1988 offiziell in der Rallye an. Einige Jahre später wechselte sie mithilfe ihrer Sponsoren, die sie durch ihre Zeit auf den Motorrädern bekommen hatte, von zwei Rädern zu ihrer erste Dakar in einem Auto. Das war 1995 in einem weiblichen Team mit der Beifahrerin Dagmar Lohmann. Warum kam es zu dieser Änderung?

Kleinschmidt: "Ich hatte das Gefühl, mit dem Motorrad das getan zu haben, was ich wollte, und es kam zu einem Punkt, an dem ich es in einem Auto versuchen wollte. Ich habe es geschafft, meine Sponsoren davon zu überzeugen, mit mir auf Autos umzusteigen."

Weniger als vierzig Prozent der Teilnehmer schafften es überhaupt ins Ziel. Und genau an diesem Punkt, wollte sie dieses außergewöhnliche Ereignis meistern.

Historischer Sieg

"Als ich zum ersten Mal mit dem Motorrad gefahren bin, war es mein Ziel, das Ende des Rennens zu erreichen und nicht aufzugeben. Und es hat mich glücklich gemacht", erinnert sich Kleinschmidt.

Zwei Jahre später begann die Rallye-Welt wirklich aufzuwachen und auf die talentierte junge Frau aus Deutschland aufmerksam zu werden. 1997 gewann Kleinschmidt ihre erste Etappe bei der Dakar. Nach ihrem Wechsel zum Team von Ralliart Deutschland (Mitsubishi) im Jahr 1998 belegte sie bei der Rallye einen unglaublichen dritten Gesamtrang.

Im Jahr 2001 errang Kleinschmidt mit enormem Geschick, Hartnäckigkeit und einem Hauch von Rennglück einen historischen Sieg bei der Rallye Dakar. Sie ist bis heute die einzige Frau, die dies jemals geschafft hat.

"Es war wirklich erstaunlich, weil ich davon geträumt habe, seit ich eine junge Frau war. Es war, wie auf der Spitze eines riesigen Berges zu sein. Es war eine lange Reise, aber es hat sich gelohnt - von der alleinigen Teilnahme ohne Unterstützung über das allmähliche Gewinnen von Selbstvertrauen und ein bisschen Sponsoring bis hin zum Wechsel zum Autorennsport, zum Podium und dann zum eigentlichen Sieg."

"Wow-Moment" für den Motorsport

Kleinschmidts Sieg war nicht nur eine außergewöhnliche Leistung, sondern auch ein entscheidender Moment für Frauen in dieser Disziplin.

"Es war super, weil ich nach meinem Sieg sowohl von Frauen als auch von Männern viel Resonanz bekommen habe. Es war ein Wow-Moment für alle. Die Männer konnten sehen, dass wir fahren können, und die Frauen konnten sehen, was für sie wirklich möglich ist", so die stolze Rennfahrerin.

Auch in der Extreme E (live auf ProSieben MAXX und ran.de). Dort muss jedes Team einen Fahrer und eine Fahrerin in der Meisterschaft einsetzen.

Kleinschmidt: "Das ist sicherlich sehr positiv. Es ist gut, dass Frauen teilnehmen und auch einige aus verschiedenen Bereichen des Motorsports. Männer und Frauen, die zusammen in einem Team und gegeneinander fahren - so sollte Motorsport sein. Es ist großartig für alle."

Emotionale Rückkehr "nach Hause"

Ende Mai steigt der Ocean X-Prix im Senegal. Kleinschmidt kehrt als Championship-Fahrerin also an jenen Ort zurück, an dem vor all den Jahren alles für sie begann.

"Ich freue mich sehr, in den Senegal zurückzukehren. Um ehrlich zu sein, hatte ich seit 2007, als die letzte Dakar in dieser Region stattfand, und eigentlich auch meine letzte Dakar, keine Chance mehr zurückzukehren. Es wird also großartig sein, wieder dort zu sein und zu sehen, wie es sich verändert hat."

Es werde sich so anfühlen, "als würde ich nach Hause kommen, da es ein großer Moment für mich war, dort zu gewinnen und viele Dinge für mich verändert hat. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als ich 2001 die Ziellinie überquerte - ich bin sicher, dass wieder viele positive Emotionen auftauchen werden."

Die Senegalesen seien "sehr leidenschaftlich im Motorsport, was es für die Extreme E zu einem weiteren großartigen Ort macht, Rennen zu fahren."

Kleinschmidt glaubt, "dass jeder dort die Extreme E-Autos auch lieben wird. Zu sehen, wie diese fantastischen elektrischen SUVs so schnell und aufregend unterwegs sind - die Geschwindigkeit, das Springen werden für großes Staunen sorgen. Ich kann es kaum erwarten, dorthin zu kommen und es mit allen Fahrern zu einem weiteren fantastischen Event zu machen."

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