Was Niki Lauda als Rennfahrer geleistet hat, war ganz groß. Doch wie er Merc... - Bildquelle: 2015 Getty ImagesWas Niki Lauda als Rennfahrer geleistet hat, war ganz groß. Doch wie er Mercedes geprägt hat mindestens genauso. © 2015 Getty Images

München - Niki Lauda, der Mann mit der roten Kappe, ist still und leise von uns gegangen. Still, leise - ganz anders, als ihn die Motorsportwelt kennen lernte. Lauda war egal, was andere Leute über ihn dachten, was andere meinten. Der Österreicher hatte immer seine eigene Meinung. Klar, deutlich und gradlinig machte er daraus nie ein Geheimnis.

Als sich Nikolaus Lauda 1972 hoch verschuldete, Kredite aufnahm, um sich seinen Traumjob Rennfahrer zu erfüllen und sich ein Stammcockpit in der Formel 1 zu erkaufen, konnte niemand ahnen, welch große Fußspuren er eines Tages hinterlassen würde. 

Als er 1973 ausgerechnet beim traditionsreichen Monaco GP, der diese Woche in der Formel 1 erneut ansteht, Jacky Ickx im Ferrari hinter sich hielt, erarbeitete er sich viel Respekt - auch von Enzo Ferrari. Der Boss der Scuderia holte ihn daraufhin 1974 ins Team. Ein Glücksgriff: Lauda zog seinen Stiefel durch, veränderte den Rennstall auf seine spezielle Art und Weise, führte die Roten nach elf Jahren ohne Titel aus der Krise und wurde 1975 mit dem springenden Pferd auf dem Auto Weltmeister.

Lauda und sein unendlicher Kampfgeist

1976 kam jener Moment, der F1-Geschichte schrieb. Der Moment, als die Sportwelt schon einmal dachte, sich von Lauda verabschieden zu müssen. Der damals 27-Jährige verunglückte tragisch auf der berühmt-berüchtigten Nordschleife des Nürburgrings. 55 Sekunden lang war der Ferrari-Pilot in seinem brennenden Auto gefangen, ehe ihn Rennfahrerkollegen mit schweren Verbrennungen und Lungenschäden aus den Flammen retteten. 

Spätestens als Lauda nur 42 Tage danach beim Ferrari-Heimrennen in Monza wieder im Auto saß, zollte die gesamte Sportwelt seinem unbändigen Kampfgeist Respekt.

Wie mutig der Österreicher bei all seinem Ehrgeiz aber auch war, zeigte seine vielleicht bemerkenswerteste Entscheidung als Rennfahrer: Lauda stieg wegen des zu großen Risikos bei starkem Regen aus dem Saisonfinale in Fuji 1976 aus, obwohl er dadurch den WM-Titel an James Hunt verlor. Am Ende stand er zwar ohne Titel da, aber sein größter Gewinn war eh ein anderer: am Leben zu sein.

Zwei weitere Titel sollte Lauda danach feiern: 1977 im Ferrari und 1984 im McLaren. Als er seine Rennfahrerkarriere 1985 beendete, war ihm der Legendenstatus bereits sicher.

Lauda und Mercedes - ein Dream-Team

Knapp 27 Jahre später begann jedoch ein neues Kapitel mit Laudas letzter großen Erfolgsgeschichte, das seiner Triumph-Geschichte als aktiver Sportler und den Jahren als Berater bei Ferrari in den 1990ern und als Funktionär bei Jordan Anfang des neuen Jahrtausends in nichts nachsteht. Im Gegenteil.

Ende September 2012 wurde Niki Lauda zum Aufsichtsratsvorsitzenden des Mercedes F1-Teams berufen und wurde direkt vor eine schwierige Aufgabe gestellt: einen Nachfolger für den damaligen Mercedes-Piloten Michael Schumacher zu finden.

Der Österreicher hatte einen entscheidenden Anteil daran, dass die Silberpfeile Lewis Hamilton für 2013 verpflichten konnten. Lauda selbst berichtete später von einem bedeutenden Gespräch mit Hamilton im Rahmen des Singapur GP 2012 in dessen Hotelzimmer.

"Überleg einmal, wenn das Team durchstartet und du wirst mit Mercedes Weltmeister, dann wirst du berühmter als ich. Da hat es klick gemacht, und Lewis sagte: 'Let’s talk!'," so erzählte Lauda einmal im "FAZ"-Interview vom Lock-Gespräch mit Hamilton. Zwei Tage später soll der Pilot die Entscheidung getroffen haben, sich Mercedes anzuschließen. "Diese Entscheidung hat mein Leben verändert", weiß Hamilton. Und damit hat auch Lauda sein Leben verändert.

"Ich liebe Niki"

Außerdem sei es laut dem damaligen Team-Chef Ross Brawn auch der dreifache Champion gewesen, der den Hamilton-Wechsel von McLaren zu Mercedes finanziell möglich machte: "Wir hatten ein Problem mit der Bezahlung. Und Niki hat dafür beim Vorstand eine Lösung gefunden."

Lauda, der Denker und Lenker. Im Hintergrund zog er die Strippen. Alles für den heutigen Erfolg.

Ohne Lauda wäre der Deal womöglich nicht zustande gekommen. Hamilton holte seitdem vier Weltmeistertitel für Mercedes und feierte mit dem Team fünf Konstrukteurstitel in Folge. Dabei war Lauda immer sein Rückhalt. "Ich liebe Niki", erklärte der F1-Star noch im vergangenen Winter. 

Dass Lauda auf Hamiltons Seite stand, als es zum "Krieg der Sterne" zwischen dem Briten und Nico Rosberg kam, war irgendwo typisch für ihn. Die beiden hatten ein besonderes Verhältnis, auch weil sie sich in vielem ähneln. "Ich bin ein Einzelkämpfer und er auch", erklärte Lauda. "Aber ich spreche seine Sprache. Es gibt eine Rennfahrer-Sprache. Das versteht kein Teammanager und niemand anderes."

Lauda als Meistermacher

Er gab Hamilton genau das, was er für seine Erfolge brauchte: Vertrauen, Glaube, Unterstützung.

Auch ohne Lauda in der Mercedes-Garage ging der Erfolg seit vergangenem Sommer weiter. Und auch in diesem Jahr ist Laudas Mercedes-Team das Maß aller Dinge. Fünf Rennen, fünf Doppelsiege. Mehr geht nicht. In Monaco kämpfen die Silberpfeile um Nummer sechs. Dabei wird der Platz vom Mann mit der roten Kappe in der Box ein für alle Male leer bleiben.

"Unser Team hat in ihm seinen Leitstern verloren. Niki war immer brutal ehrlich und vollkommen loyal. Es war ein Privileg, dass er zu unserem Team zählte und dass wir miterleben durften, wie viel es ihm bedeutete, Teil des Team-Erfolgs zu sein", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach dem traurigen Verlust.

Im Herzen wird die Legende bei allen Mercedes-Teammitgliedern weiterhin dabei sein. Genauso wie bei der gesamten F1-Welt. 

Niki Lauda hat die Rennstrecke verlassen. Sein Denkmal wird aber für immer bleiben. Und Mercedes kann es nur noch größer werden lassen. Ruhe in Frieden, Legende. 

Alessa-Luisa Naujoks

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