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Eintracht Frankfurt: Sturm-Rätsel vor Duell mit Borussia Dortmund - das steckt hinter der Transferstrategie
- Aktualisiert: 08.01.2026
- 18:07 Uhr
- Nicolas Gödtel
Eintracht Frankfurt hat im Wintertransferfenster kräftig zugeschlagen. Trotz der zweitmeisten Gegentore der Liga zählen vier der fünf Neuzugänge zu den Offensivspielern – welchen Plan verfolgt die "SGE"?
von Nicolas Gödtel
Beim Auftaktspiel in das Bundesliga-Jahr 2026 steht Eintracht Frankfurt direkt im Rampenlicht.
Am Freitagabend (ab 19:50 Uhr live in Sat.1 und auf Joyn) empfängt die Mannschaft im Deutsche-Bank-Park Borussia Dortmund.
Sportlich verspricht das Duell viel Brisanz, doch gerade bei den Hausherren werfen die vergangenen Wochen und Monate einige Fragen auf – vor allem mit Blick auf die Offensive und die personelle Ausrichtung im Sturm.
Frankfurt gehörte zu den aktivsten Klubs auf dem Wintertransfermarkt. Insgesamt fünf Neuzugänge verstärkten den Kader, während mit Elye Wahi lediglich ein Spieler den Verein verließ.
Der Stürmer konnte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen und wechselte zum OGC Nizza, wo er bereits sein erstes Spiel in der Ligue 1 absolviert hat.
Auffällig ist: Trotz einer Vielzahl an Gegentoren in der Hinrunden setzte die Eintracht personell klar auf die Offensive.
Eintracht Frankfurt setzt eigene Transferstrategie fort
Außenverteidiger Keita Kosugi kommt Djurgardens IF aus Schweden, ebenso wie der offensive Mittelfeldspieler Love Arrhov von IF Brommapojkarna.
Dazu sicherte sich Frankfurt mit Ayoube Amaimouni-Echghouyab ein vielversprechendes Offensivtalent aus der 3. Liga, der in Hoffenheims U23 in 18 Spielen auf starke 15 Scorerpunkte kam. Besonders spannend ist der Transfer von Younes Ebnoutalib von der SV Elversberg, der mit zwölf Toren als Toptorschütze der 2. Bundesliga überzeugte.
Abgerundet wurde die Offensive zuletzt durch die Leihe von Arnaud Kalimuendo von Nottingham Forest, der zusätzliche Optionen im Sturmzentrum und Außenbahn eröffnet.
Die Namen der Neuzugänge wirken auf den ersten Blick unspektakulär, deuten jedoch auf eine klare strategische Linie hin: Wie in der jüngeren Vergangenheit bei Randal Kolo Muani oder Omar Marmoush setzt die "SGE" weiterhin auf Entwicklungspotenzial statt auf große Namen - sowohl mit Blick auf sportlichen Erfolg als auch auf mögliche wirtschaftliche Erträge.
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Eintracht Frankfurt: Offensive von Verletzungen gebeutelt
Doch die Wintertransfers allein erklären noch nicht, warum die Eintracht ihren Fokus so deutlich auf die Offensive gelegt hat. Ein Blick auf den aktuellen Kader und die Situation im Sturmzentrum zeigt, wo genau der Schuh drückt – und warum Frankfurt trotz mehrerer Optionen weiterhin nach Lösungen sucht.
Die größte Hoffnung im Angriff ist derzeit Jonny Burkardt. Der 25-Jährige bringt Dynamik und Abschlussqualität mit, fällt jedoch aktuell mit einer Wadenverletzung aus und wird voraussichtlich erst Ende Februar zurückkehren. Zudem gilt Burkardt als verletzungsanfällig.
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Dahinter fehlt mit Michy Batshuayi ein weiterer erfahrener Stürmer verletzungsbedingt, der in dieser Saison in sechs Einsätzen lediglich ein Tor erzielte.
Zuletzt experimentierte Trainer Dino Toppmöller im Sturmzentrum. Im Champions-League-Spiel gegen den FC Barcelona lief Ansgar Knauff als Mittelstürmer auf und traf prompt, ist jedoch kein gelernter Neuner.
Auch Can Uzun startete stark in die Saison und traf in seinen ersten fünf Bundesligaspielen jeweils einmal, ehe Verletzungen und Formschwankungen ihn ausbremsten. Jessic Ngankam kam bislang lediglich auf drei Einsätze ohne Torbeteiligung.
Eintracht Frankfurt: Junge Offensivneuzugänge als Hoffnungsträger
Neuzugang Ebnoutalib könnte mittelfristig eine Option werden, muss sich jedoch zunächst an das Bundesliga-Niveau gewöhnen. Für den gebürtigen Frankfurter, der in der Jugend unter anderem für Rot-Weiss Frankfurt spielte, ist der Wechsel zur Eintracht besonders emotional: "Ich bin einfach stolz, es ist eine Ehre, hier zu sein und für seine eigene Stadt zu spielen."
Mit Kalimuendo hat Frankfurt einen weiteren jungen Stürmer verpflichtet. Für eine Leihgebühr von rund 1,5 Millionen Euro ist das Risiko gering, die Eintracht verfügt laut "Bild" auch über eine Kaufoption in Höhe von rund 27 Millionen Euro.
In neun Premier-League-Einsätzen für Nottingham kam der Franzose bislang nur auf 87 Minuten und keine Torbeteiligung. Kalimuendo gilt in Frankreich als großes Talent, das in der vergangenen Ligue-1-Saison vor seinem Wechsel auf die Insel in 33 Einsätzen 17 Treffer für Stade Rennes erzielt hatte.
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Mit Ablösen von rund acht Millionen Euro für Ebnoutalib, etwas über vier Millionen Euro für Arrhov und lediglich rund 200.000 Euro für Amaimouni-Echghouyab bleibt das finanzielle Risiko für Frankfurt insgesamt überschaubar.
Nichtsdestotrotz drängt sich die grundsätzliche Frage auf: Ist die Offensive tatsächlich das größte Problem der Eintracht oder liegt der eigentliche Knackpunkt an ganz anderer Stelle?
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Eintracht Frankfurt: Defensive besser als ihr Ruf
Objektiv betrachtet wirkt die Transferstrategie zunächst widersprüchlich. Die Eintracht stellte vor der Winterpause die drittbeste Offensive der Bundesliga, kassierte jedoch die zweitmeisten Gegentore – lediglich der 1. FC Heidenheim stand defensiv schlechter da.
Auch in der Champions League gab es nur ein Team, das mehr Gegentreffer hinnehmen musste. Vor diesem Hintergrund überrascht es, dass Frankfurt gleich vier Offensivspieler verpflichtete, während die Defensive weitgehend unverändert blieb.
Allerdings zeigt ein tieferer Blick in die Statistiken ein differenzierteres Bild. In nahezu allen defensiven Kennzahlen rangiert Frankfurt nicht am Tabellenende: Die Eintracht verzeichnet ligaweit die viertmeisten erfolgreichen Tacklings, liegt bei den gewonnenen Zweikämpfen auf Rang zehn und belegt Platz 13 bei den erfolgreichen Balleroberungen. Das Problem liegt daher weniger in der reinen Zahlenlage als vielmehr in der subjektiven Wahrnehmung: Unsicheres Verteidigen in entscheidenden Momenten, fehlende Abstimmung und das anhaltende Torwart-Hin-und-Her verstärken den Eindruck von Instabilität.
Trainer Dino Toppmöller wechselte im Herbst zudem mehrfach die Nummer eins zwischen Kaua Santos und Michael Zetterer. Dabei setzte er den jungen Brasilianer Santos im Oktober bewusst auf die Bank, um ihm mental eine Pause zu ermöglichen.
Diese personellen Entscheidungen fügen sich in ein größeres Gesamtbild ein. Von außen lässt sich die genaue Transferplanung von Frankfurt derzeit nur schwer bewerten. Möglich erscheint jedoch, dass die Verantwortlichen die Defensive weniger als strukturelles Problem sehen, sondern eher als Folge von Pech und mentaler Unsicherheit. In der Offensive dagegen bestand durch die zahlreichen Verletzungen akuter Handlungsbedarf.
Eintracht Frankfurt: Wer stürmt gegen den BVB?
Die Stürmerfrage vor dem Duell mit dem BVB (am Freitag ab 19:50 Uhr live in Sat.1 und auf Joyn) bleibt spannend. Burkardt fehlt verletzt, Batshuayi auch, Knauff ist eine Improvisationslösung, Ebnoutalib und Kalimuendo neu im Kader.
Klar ist nur, dass Frankfurt am Freitagabend auf eine der stabilsten Defensiven der Liga trifft. Dortmunds Dreierkette ließ bislang lediglich zwölf Gegentore zu und stellt die zweitbeste Abwehr der Bundesliga hinter dem FC Bayern.
Frankfurt verfügt über mehrere Hoffnungsträger, schaffte es zuletzt jedoch nicht, das vorhandene Potenzial konstant auf den Platz zu bringen. Die Wintertransfers könnten Trainer Toppmöller dabei helfen, neue Impulse zu setzen und mit Schwung aus der Winterpause zu kommen.
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