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Dauerreservist plötzlich wieder Stammspieler?

FC Bayern München: Leon Goretzka und das Größen-Paradoxon

  • Aktualisiert: 23.08.2023
  • 16:04 Uhr
  • Kai Esser
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© Jan Huebner
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Beim Bundesliga-Auftaktspiel gegen den SV Werder Bremen stand Leon Goretzka überraschend in der Startelf. Und das nach einer für ihn frustrierenden Vorbereitung. Er gibt seinem Trainer Rätsel auf - im positiven Sinne.

Von Kai Esser

Die Fans des FC Bayern München, die am Freitag den Bundesliga-Auftakt beim SV Werder Bremen verfolgten, staunten nicht schlecht.

Nicht nur, dass Leon Goretzka überhaupt in der Startelf auftauchte. Rund zweieinhalb Stunden später staunten sie weiter, noch immer oder sogar mehr, als Goretzka eine blitzsaubere Leistung im Mittelfeld abgeliefert hatte. Er verdrängte Konrad Laimer überraschend aus der Startelf, der ihn in Minute 79 ersetzte.

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Leon Goretzka beim FC Bayern München: Aufpasser und Aufzupassender

Doch wie kam es dazu? Eigentlich war Laimer nach der Vorbereitung gesetzt. "Leon brauchen wir für die Größe heute", hatte Trainer Thomas Tuchel vor dem Spiel erklärt. "Werder ist eine sehr große Mannschaft und für Flanken, Standards und lange Bälle haben wir uns heute für mehr Größe entschieden im Vergleich zu Konrad Laimer."

Doch waren es wirklich nur Goretzkas neun Zentimeter Vorsprung bei der Körpergröße, die ihn in die Startelf spülten? Zweifelhaft, offenbarten die Bayern schließlich beim Supercup-Spiel gegen RB Leipzig (0:3) teilweise Lücken im Mittelfeld, die so groß waren, dass man sie im teuren München als Wohnraum hätte vermieten können.

Das lag natürlich auch an der fehlenden Abstimmung zwischen Laimer und dem gesetzten Joshua Kimmich. Die vier Wochen Vorbereitung waren ganz offensichtlich zu wenig - nicht nur für Fein- sondern auch für Grobtuning.

Kimmich, selbst zuletzt bei Experten, Fans und wohl auch dem ein oder anderen Verantwortlichen in der Kritik, stärkte seinem Partner in Crime den Rücken. "Generell weiß ich, was ich an Leon habe und er weiß, was er an mir hat."

Die Leistung in Bremen war das Spiegelbild der Traumvorstellung vieler Bayern-Fans. Der eine gibt sich etwas offensiver, der andere sichert ab - und das im stetigen Wechsel. Zugegebenermaßen waren sowohl Goretzka als auch Kimmich gegen Bremen besonders auf ihre defensiven Aufgaben fokussiert.

Womöglich auch, weil Tuchel zuletzt nicht müde wurde, die Verpflichtung einer "Holding Six" - einem ausschließlich defensiv denkenden zentralen Mittelfeldspieler - bei den Bayern-Bossen einzufordern. 

Kimmich und Goretzka spielten so, als wollten sie Tuchel beweisen, dass sie sehr wohl Sechser sind - und wenn unbedingt gewünscht auch "Holding"-Sechser.

FC Bayern München: Tuchel lobt Goretzka - und wiegelt Transfer-Thema ab

Auch deshalb gab es ein Sonderlob nach dem Spiel. "Wenn wir angreifen, dürfen wir nicht zu offensiv werden, sondern auch schauen, dass wir den Rest vom Feld gut besetzen", stellte Tuchel nach Abpfiff fest. "Kimmich und Goretzka haben heute gut aufeinander aufgepasst."

Die Begrifflichkeit "aufeinander aufpassen" klingt beinahe schon ein wenig kitschig, aber es war der Schlüssel zum Erfolg in Bremen. Und es ist das, was konfus wirkenden Bayern in der vergangenen Rückrunde oft fehlte.

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Ganz andere Töne vom Hauptübungsleiter als noch in der Vorbereitung. "Da ist auch noch Luft nach oben", sagte Tuchel nach der Rückreise aus Asien, als Goretzka mutmaßlich seinen Stammplatz verlor.

Brauchen die Bayern jetzt also doch keine neue "Holding Six" mehr? "Das kommentiere ich nicht", erklärte der Cheftrainer, auf einmal kurz angebunden. "Der Kader genügt jedenfalls, um Spiele zu gewinnen." Quod erat demonstrandum - was zu beweisen war.

FC Bayern München: Werder Bremen "kein Gradmesser"

Allerdings wird es der FC Bayern mit qualitativ besseren Gegnern als Werder zu tun bekommen. "Ich glaube, dass Werder kein Gradmesser war an diesem 1. Spieltag", stellte ran-Kommentator Wolff Fuss fest. "Die Probleme, die die Bayern haben, sind noch nicht aus der Welt. Dafür sind sie zu kleinteilig."

Das am Ende verdiente 4:0 erzählte tatsächlich nicht die ganze Geschichte des Spiels. Das Abseitstor von Niclas Füllkrug hätte nach neun Minuten eine andere Dynamik in die Partie gebracht, auch nach der Pause hatte Werder einige gute Chancen. Ganz so stabil war das Bayern-Konstrukt dann doch noch nicht - und das trotz der "Doppel-Holding-Six" aus Goretzka und Kimmich.

"Es wird noch Spiele geben, wo man merken wird, dass da schon noch etwas gärt", fuhr Fuss fort. Am dritten Spieltag reisen die Bayern zu Angstgegner Borussia Mönchengladbach, danach kommt mit Bayer Leverkusen die aktuell wohl spannendste Bundesliga-Mannschaft nach München. Anschließend steht der erste Spieltag der Champions League an.

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FC Bayern München: Rummenigge attackiert Pseudo-Leader

Mit Goretzka in der Startelf? Oder passen die Mannschaften von Gladbach und Leverkusen im kollektiv dann eher wieder besser zur Körpergröße von Laimer, der in jedem einzelnen Vorbereitungsspiel den Vorzug erhalten hatte. Unabhängig von Größe und Gewicht des Gegners.

Womöglich war es eine bewusste Provokation von Tuchel, in der Vorbereitung ausschließlich Laimer in die Startelf zu stellen. Einfach um zu zeigen, dass selbst die in den vergangenen Jahren Unantastbaren beim FC Bayern es de facto nicht mehr sind.

Dazu passt auch eine Aussage von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, der bei den "Sport Bild Awards" von einer verloren gegangenen Hierarchie innerhalb der Mannschaft sprach - und von "Indianern, die geglaubt haben, dass sie Häuptlinge sind".

Wen genau er damit meinte, verriet Rummenigge nicht. Allerdings standen Kimmich und auch Goretzka in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder im Mittelpunkt einer schwelenden Anführer-Diskussion beim Rekordmeister.

Rummenigges Aussagen bezeugen, dass tatsächlich noch "etwas gärt" beim FC Bayern - und Goretzka ist dabei mittendrin. Er ist nicht mehr unantastbar, nicht mehr frei von Kritik und offenbar auch nicht mehr unumstritten bei zumindest einem hohen Tier an der Säbener Straße. Um so paradoxer war da die klare Leistungssteigerung gegen Bremen verglichen mit seinen Auftritten in der vergangenen Rückrunde - als er das eben noch war: unantastbar.

Diesen Status wird er mit Laimer als Konkurrenten und Tuchel als Trainer wohl zeitnah nicht mehr haben. Doch regelmäßige Startelf-Einsätze scheinen - anders als in der Vorbereitung - plötzlich wieder möglich. Je nach dem wie groß der Gegner ist.

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