Auch Fehlentscheidung in Turin
Champions League: "Elfmeter für Atalanta eine Fehlentscheidung" - Urs Meier über BVB-Chaos in Bergamo
- Veröffentlicht: 26.02.2026
- 14:00 Uhr
- Kai Esser
Große Diskussionen in Bergamo: Borussia Dortmund fliegt wegen eines Elfmeters in der Nachspielzeit aus der Champions League. Für Ex-Schiedsrichter Urs Meier ist der Pfiff eine klare Fehlentscheidung.
Von Kai Esser
Es war die Aufreger-Szene des Abends: In der Nachspielzeit wehrt Borussia Dortmunds Ramy Bensebaini eine halbhohe Flanke mit der Hacke ab und trifft dabei Atalanta Bergamos Stürmer Nikola Krstovic am Kopf.
Nachdem Schiedsrichter Jose Maria Sanchez Martinez vom Video Assistant Referee an den Bildschirm gerufen wurde, gab er jedoch Elfmeter für Bergamo und die Gelb-Rote Karte für Bensebaini. Lazar Samardzic verwandelte den Strafstoß souverän zum 4:1 und schoss Bergamo so ins Achtelfinale.
Aber war der Elfmeter berechtigt? "Ich kann nicht sagen 'Es war einer' und ich kann nicht sagen 'Es war keiner'", sagte Trainer Niko Kovac auf der Pressekonferenz nach dem Champions-League-Aus.
Urs Meier sicher: "Elfmeter für Bergamo? Freistoß für den BVB!"
Eine deutlichere Meinung hat da schon Urs Meier. Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter sagt im Gespräch mit ran: "Für mich ist es eine normale Abwehraktion. Es gibt im Reglement einen Passus von sogenannter Eigengefährdung. Spieler sollen nicht mit dem Kopf zu tief in Aktionen gehen, wo naturgemäß Fußball gespielt wird."
Weiter: "Bensebaini spielt den Ball. Die Frage ist: Wo beginnt das gefährliche Spiel mit dem Bein und wo mit dem Kopf? Er ist auf Gesäßhöhe. Ich sehe eher ein gefährliches Spiel von Krstovic, für mich ist der Kopf zu tief."
Meier hätte also auch nach Videostudium die Szene so bewertet. "Ich hätte live auch weiterlaufen lassen. Auf dieser Höhe spielt man nun einmal den Ball mit dem Fuß. Für mich ist das Eigengefährdung und eine Fehlentscheidung."
Der Schweizer geht sogar noch weiter: "Meiner Ansicht nach ist es eher ein indirekter Freistoß für Borussia Dortmund, da das gefährliche Spiel eher mit dem Kopf stattfindet." Auch die darauffolgende Gelb-Rote Karte sei demnach laut Reglement "nicht notwendig" gewesen, selbst wenn Sanchez Martinez den Elfmeter pfeift.
Juventus-Rot: "Soll er in der Luft stecken bleiben, oder was?"
Eine mindestens genauso kontroverse Szene gab es bei der Partie Juventus Turin gegen Galatasaray Istanbul. Der Juventus-Innenverteidiger Lloyd Kelly stieg in einem Kopfballduell hoch und landete auf der Achillessehne von Baris Yilmaz. Schiedsrichter Joao Pinheiro zeigte zunächst Gelb, korrigierte nach VAR-Eingriff jedoch auf Rot.
"Gelb kann man noch irgendwo nachvollziehen", erklärt Meier: "Dann kommt aber der VAR und müsste eigentlich sagen, dass es keine Karte ist, anstatt auf Rot zu überprüfen."
Der 67-Jährige hat kein Verständnis. "Kelly geht zum Kopfball hoch. Was soll er denn machen? Soll er in der Luft stecken bleiben, oder was? Aus einer falschen Entscheidung wurde eine noch falschere Entscheidung gemacht."
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Die einzige Rechtfertigung wäre, wenn dem Engländer Absicht unterstellt werden würde. "Aber er schaut ja nur auf den Ball. Er muss ja irgendwie landen. Es ist maximal unglücklich. Schiedsrichter schauen nur auf das 'Trefferbild', sehen, dass es oberhalb des Knöchels ist und zeigen dann sofort Rot", moniert Meier.
Juventus schaffte es in Unterzahl zwar noch in die Verlängerung, kassierte dort jedoch noch zwei Gegentore und schied trotz des 3:2-Sieges letztlich aus.
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