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Europameisterschaft 2021

EM 2024 - Türkei vs. Österreich: Das große Problem mit den Emotionen

  • Aktualisiert: 02.07.2024
  • 16:44 Uhr
  • Oliver Jensen
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Eigentlich hätte die Türkei allen Grund, sich über die Teilnahme am EM-Achtelfinale zu freuen. Doch rund um die Nationalmannschaft rumort es offensichtlich. Kenan Kocak, der Ex-Co-Trainer der Türkei, gibt vor dem Achtelfinale gegen Österreich gegenüber ran seine Einschätzung ab. 

von Oliver Jensen,

Sie haben die wahrscheinlich lautesten Fans der Europameisterschaft.

Ob nun bei den Spielen in Dortmund oder zuletzt in Hamburg - die Anhänger der türkischen Nationalmannschaft sorgten überall für eine ordentliche Geräuschkulisse.

Auch in Leipzig, wo am Dienstagabend das Achtelfinale gegen Österreich (21 Uhr im Liveticker) stattfindet, dürften die Emotionen überkochen - möglicherweise auch auf dem Platz. 

Doch darf es nicht zu viel werden.

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Türkei muss "die Emotionen besser im Griff haben"

"Wir müssen die Emotionen besser im Griff haben", forderte der Nationaltrainer Vincenzo Montella nach dem letzten Vorrundenspiel gegen Tschechien. Elf Gelbe Karten hatten seine Spieler alleine in dieser Partie kassiert (die 17 Gelben Karten und zwei Platzverweise insgesamt waren EM-Rekord).

Bereits nach dem zweiten Vorrundenspiel gegen die Türkei hatte Montella bemängelt, seine Spieler würden zu emotional agieren.

"Das hat auch damit zu tun, dass wir das jüngste Team sind, das in das Achtelfinale einzieht", lautete seine Erklärung. "Ich bin schon etwas älter, aber die Spieler haben unter dem Druck mehr gelitten. Der wurde von Leuten geschürt, die die Nationalmannschaft nicht lieben."

Vincenzo Montella führte Türkei in das Achtelfinale der EM, erlebt aber dennoch viel Unruhe
Vincenzo Montella führte Türkei in das Achtelfinale der EM, erlebt aber dennoch viel Unruhe© ABACAPRESS

Kenan Kocak, von 2021 bis 2023 Co-Trainer der türkischen Nationalmannschaft unter Stefan Kuntz, lässt das junge Alter als Begründung nicht gelten.

"Ob jung oder alt - es ist ein Qualitätsmerkmal, Emotionen zu kontrollieren", sagt er im Gespräch mit ran - fügt allerdings hinzu: "Man darf nicht vergessen, dass die Türkei die Nation mit der größten Zuschauer-Unterstützung bei der EM ist. Daher ist eine große Emotionalität außerhalb des Platzes vorhanden. Man muss aufpassen, dass das nicht zu sehr auf den Platz überspringt." 

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Arda Güler ist zu einem Politikum geworden

Der Einzug in das Achtelfinale ist ein großer Erfolg. Bei den vergangenen beiden Europameisterschaften schied die Türkei als Gruppenletzter in der Vorrunde aus. Die Europameisterschaft 2012 wurde sogar komplett verpasst.

Dennoch ist Trainer Montella nicht unumstritten. Der große Aufreger: Im zweiten Vorrundenspiel gegen Portugal ließ er Arda Güler 70 Minuten auf der Bank. Dabei gilt der 19-Jährige von Real Madrid als das größte Talent des türkischen Fußballs. 

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Weil die Türkei daraufhin mit 0:3 verlor, richtete sich die Kritik von Fans und Medien auf den Trainer. Und zwar so sehr, dass sich sogar Mehmet Büyükeksi, der Präsident des türkischen Fußballverbandes, einschaltete. Er sprach von einer "böswilligen und schmutzigen Kampagne" und stärkte dem Trainer den Rücken.

Kocak erklärt, warum um Güler ein Politikum entstanden ist: "Er ist ein junger Spieler, der in der Türkei ausgebildet wurde. Er ist quasi der Liebling der türkischen Bevölkerung. Daher fühlt sich jeder Türke so ein bisschen für ihn verantwortlich."

Montella war verärgert, dass sich so viel Frust entlud. "Es gab viel unbegründete Kritik, die wir natürlich mitbekommen", sagte er. "Diese wurde nur geäußert, um uns unter Druck zu setzen - nicht mich, sondern die Spieler."

Kocak kann dieses Argument weniger nachvollziehen: "Wenn man keinen Druck haben möchte, muss man als Trainer aufhören. Egal, wo man arbeitet, hat man immer Druck. Man sollte die Sache eher viel mit Freude und Spaß angehen und sich nicht auf den Druck fokussieren."

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Von Österreich im März gedemütigt

Für die Türkei bleibt die Hoffnung, dass die Mannschaft die Unruhe hinter sich gelassen hat und möglicherweise weniger emotional agiert. "Ich gehe davon aus, dass wir ab dem Achtelfinale die Emotionen besser im Griff haben", kündigte der Trainer an.

Das Problem ist allerdings: Ausgerechnet in diesem Achtelfinale stecken sehr viele Emotionen. Ende März verlor die Türkei in einem Testspiel gegen Österreich mit 1:6. Für den türkischen Fußball eine Demütigung, die noch längst nicht vergessen ist.

"Wir kennen Österreich, sie haben ihre Gruppe auf Platz 1 beendet. Das war die vielleicht schwerste Gruppe", sagte Montella. "Sie sind ein gut organisiertes und körperliches Team. Sie sind so gut eingespielt, dass es so aussieht, als wäre Österreich eine Vereinsmannschaft und keine Nationalmannschaft."

Kocak fordert von Türkei eine Leistungssteigerung

Wie wird die Türkei dieses Spiel also angehen?

"Man hat das 1:6 sicherlich noch im Hinterkopf, die Motivation dürfte groß sein", sagt Kocak. "Aber es war nur ein Testspiel, das man nicht an die große Glocke hängen sollte." 

Dass Kapitän Hakan Calhanoglu aufgrund einer Gelbsperre fehlt, erschwere die Situation allerdings: "Er ist ein Kapitän und Leistungsträger, den man nicht eins zu eins ersetzen kann. Die Mannschaft muss enger zusammenrücken, um diesen Ausfall zu kompensieren."

Vor Österreich und Ralf Rangnick habe Kocak "große Hochachtung. Er ist einer der besten Trainer der Welt, der den Fußball revolutioniert hat. Ich erwarte eine sehr gute österreichische Mannschaft, genauso wie in der Gruppenphase."

Die Türken sieht Kocak noch nicht auf diesem Niveau: "Wenn die Türkei eine Chance haben will, muss sie eine Leistungssteigerung hinlegen. Spielen sie so wie zuletzt, wird es verdammt schwer."

Da können die Fans noch so laut sein.

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