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Nationalmannschaft

Hansi Flick und seine harsche Kritik: Das Stilmittel ist ausgereizt - ein Kommentar

  • Aktualisiert: 25.07.2023
  • 06:43 Uhr
  • ran.de
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© IMAGO/Sportfoto Rudel

Hansi Flick hat sich mal wieder gegen die Kritik an seiner Person gewehrt und dabei einmal mehr gegen die Berichterstattung geschossen. Der Bundestrainer beweist dadurch aber nochmals, wie verfahren die Lage vor der neuen Saison und wie angezählt er ist. Ein Kommentar.

Von Andreas Reiners

Angriff ist die beste Verteidigung. So heißt es zumindest.

Doch der Grat ist schmal, wie jedes Stilmittel nutzt sich auch diese Art der Verbalisierung der eigenen Argumente schnell ab. 

Gut platziert sollte die Gegenoffensive sein. Pointiert, raffiniert, vor allem ausgewogen und sparsam eingesetzt. Uli Hoeneß hat es früher vorgemacht, wie "Abteilung Attacke" richtig geht. Er selbst hat auch die Kehrseite gezeigt, das bloße Herumgepolter, das die eigene Position schwächt, weil klar wird, dass der Krakeeler angeschlagen ist.

Bestes Beispiel: Hansi Flick.

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Der scharfe Rundumschlag verwundert

Ja, der Bundestrainer hat im Rahmen des Trainer-Kongresses deutliche Worte gewählt, dabei aber auch einmal mehr die Medien angezählt und damit bewiesen, dass er vor allem selbst angezählt ist. Denn zuletzt waren es vor allem Unions Klubboss Oliver Ruhnert und Kölns Trainer Steffen Baumgart, die Kritik an Flicks Personalauswahl wieder hervorgekramt haben. 

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Dabei weiß Flick genau, wie das Geschäft funktioniert, was er in seiner Replik ja auch erwähnte. Umso mehr verwundert der scharfe Rundumschlag, der die bei ihm durchaus vorhandene Selbstkritik in den Hintergrund rücken lässt.

Stattdessen kocht automatisch das wieder hoch, was Flick seit Monaten nachläuft: Fehlende Ergebnisse, keine Struktur, kein Plan, keine Stimmung. Bei seinen Ausführungen in Bremen betonte er oft die eigene Überzeugung, dass alles gut werde. Vermitteln kann er sie aber nicht mehr, auch dann nicht, wenn er zurückbeißt. 

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Die Lage ist verfahren

Eine desaströse sportliche Situation kein Jahr vor der Heim-EM, kombiniert mit einer ähnlich schiefen Kommunikation – Flick liefert selbst den besten Beweis, wie verfahren die Lage ist, womit sein Gegenangriff verpufft und im Grunde nur das Gegenteil bewirkt. 

Dass Jürgen Klopp vor wenigen Tagen sein generelles Interesse an dem Bundestrainer-Job bekundete (dabei aber auch die vertragliche Loyalität zum FC Liverpool betonte), könnte auch dazu beigetragen haben, dass Flick nun dünnhäutig um sich schlug.  

Mal wieder. Und das ist der Punkt.

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Mannschaft liefert nicht

Bereits im Rahmen der dürftigen Länderspiele im Juni gegen die Ukraine (3:3), Polen (0:1) und Kolumbien (0:2) hatte Flick die Medienkeule herausgeholt, um sich mit markigen Worten (Kimmich-Vergleich mit Kobe Bryant und Michael Jordan) vor sein Team zu stellen, wofür sich die Mannschaft mit den beiden Pleiten gegen Polen und Kolumbien "revanchierte". Es ist ein Alarmsignal, wenn sich ein Trainer vor sein Team wirft und dieses ihn anschließend im Regen stehen lässt. 

Klar ist: Flick hat das Stilmittel "Abteilung Attacke" endgültig ausgereizt. Was ihm jetzt als letzte Möglichkeit bleibt, sind Erfolge.

Der sportliche Angriff als beste Verteidigung - als einzige.