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Premier League

Katar will Manchester United: Bricht die Uefa die eigenen Regeln?

  • Aktualisiert: 18.02.2023
  • 16:09 Uhr
  • ran.de
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© 2023 imago
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Die Uefa will dem katarischen Scheich Jassim bin Hamad Al Thani die Übernahme von Manchester United erlauben. Damit würde der Verband die eigenen Regeln verletzen. Eine Männerfreundschaft macht's möglich.

von Carolin Blüchel

Manchester United steht zum Verkauf. Der katarische Scheich Jassim bin Hamad Al Thani will den Traditionsklub für rund 5,6 Milliarden Euro übernehmen und ihm "schuldenfrei" zu "altem Glanz verhelfen".

United-Fans wären endlich die bisherigen Investoren, die verhasste Glazer-Familie, los. So weit, so gut. Sollte man meinen. Auch andere Vereine sind schließlich in Scheich-Händen. Paris St. Germain etwa, oder Manchester City. In diesem Fall aber müsste die Uefa ihre eigenen Statuten missachten.

Artikel 5 des Wettbewerbsreglements "Eigentümerschaft an mehreren Vereinen" besagt nämlich, dass "zum Schutz der Integrität des Wettbewerbs" niemand "gleichzeitig, direkt oder indirekt, in irgendeiner Funktion oder mit irgendeinem Mandat an der Führung, der Verwaltung und/oder den sportlichen Leistungen von mehr als einem an einem Uefa-Klubwettbewerb teilnehmenden Vereins teilnehmen" dürfe.

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Uefa-Regelung soll Interessenskonflikt verhindern

Halten Vereine diese Bestimmungen nicht ein, so könne "nur einer von ihnen zu einem Uefa-Klubwettbewerb" zugelassen werden.

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Saudi-Arabien steigt offenbar in den Übernahmepoker um den englischen Fußball-Traditionsklub Manchester United ein.

  • 17.02.2023
  • 20:54 Uhr

Weil PSG bereits der staatlichen Beteiligungsgesellschaft "Qatar Sports Investment" (QSI) gehört, dessen Chef, Nasser Al-Khelaifi, zugleich Präsident des Vereins ist, schließt sich ein Kauf von Manchester United durch das Emirat Katar aus.

Paris und Manchester könnten in der Champions League aufeinandertreffen. Es entsteht ein Interessenskonflikt. Das ist ein Problem. Eigentlich.

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ManUnitd: Uefa will Scheich-Übernahme durchwinken

Die Uefa gab nämlich nach eingehender Prüfung bekannt, sie würde die Übernahme von Scheich Jassim anstandslos durchwinken. Der 44-Jährige, nach eigener Aussage ein lebenslanger ManUnited-Anhänger und Mitglied der königlichen Familie, steht der "Qatar Islamic Bank" (QIB) vor. Der größten islamischen Bank des Emirats.

Das mag in den Augen vieler Nostalgiker zwar unschön klingen, aber ist per se nicht verwerflich. Hat doch ein Konsortium um den saudischen Staatsfonds in einer ähnlichen Konstellation 2021 den Löwenanteil von Newcastle United ganz legitim erworben.

Wenn auch erst nachdem die Investoren der Premier League rechtsverbindlich zusicherten, dass die saudische Regierung keinen Einfluss nehmen würde. Solch eine Forderung gibt es im Fall von Katar und Manchester United bislang nicht.

PSG-Präsident Al-Khelaifi darf nicht für United bieten

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Um die Zusammenhänge zu verstehen, lohnt sich ein etwas tieferer Blick in die Materie.

2011 kaufte sich "Qatar Sports Investment" (QSI) bei Paris St. Germain ein. Nasser Al-Khelaifi, Vorsitzender des Investors, wurde auch Präsident des französischen Hauptstadtklubs. Ein direktes Engagement der QSI bei Manchester United wäre naturgemäß ausgeschlossen.

Auch Überlegungen des katarischen Staatsfonds "Qatar Investment Authority" (QIA) hätten wohl wenig Erfolgschancen gehabt. Zu offensichtlich sind die Verquickungen, da QSI nicht nur eine hundertprozentige Tochter der QIA ist, sondern Al-Khelaifi auch noch der Vorstandsriege des Mutterunternehmens angehört.

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Kataris tricksen Uefa aus

Die Kataris überlegten sich daher einen Kniff in Person von Banker-Scheich Jassim bin Hamad al Thani. Die "Qatar Islamic Bank" (QIB) sei ein eigenständiges Unternehmen, so die Argumentation, der die Uefa folgte.

Dass der Staatsfonds aber Hauptaktionär der QIB ist und damit mindestens eine indirekte Verbindung zu Al-Khelaifi und Paris St. Germain besteht, ließ man geflissentlich unter den Tisch fallen.

Die Regeln gemäß Artikel 5 seien bei einer Übernahme durch Scheich Jassim nicht verletzt, teilte die Uefa mit. Wohl aber sind sie bis zur Unkenntlichkeit gebeugt.

Welche Rolle spielt PSG-Präsident Al-Khelaifi?

Englische Medien spekulieren derweil, weshalb die Uefa eine solche Mauschelei erlaubt. Die "Daily Mail" vermutet, dass die freundschaftliche Verbindung zwischen Al-Khelaifi und Verbandsboss Aleksander Ceferin ein Grund sein könnte.

Differenzen bei PSG: Neymar missachtet Mbappé

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Kylian Mbappé hatte nach der Niederlage gegen die Bayern gefordert, die PSG-Spieler sollen für das Rückspiel viel schlafen und sich gesund ernähren. Neymar lässt es dagegen deutlich entspannter angehen.

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Der Slowene habe dem PSG-Präsidenten nie vergessen, dass er bei der gescheiterten Super-League-Revolte vieler europäischer Topklubs nicht involviert gewesen sei. Das schweißt zusammen.

Doppelte Eigentümerschaft: Katar weist Kritik zurück

Die Kataris weisen jegliche Kritik an ihrem Vorgehen indes zurück. Es gebe in der Premier League bereits Fälle von doppelter Eigentümerschaft. So sei beispielsweise der tschechische Unternehmer Daniel Kretinsky einerseits Präsident von Sparta Prag, andererseits auch Hauptanteilseigner und Direktor von West Ham United.

Auch für RB Salzburg und RB Leipzig hatte die Uefa 2017/18 eine Ausnahme gemacht. Wegen enger Verknüpfungen und Kooperationsverträgen zwischen beiden von Red Bull gesponserten Klubs hätten die Sachsen mit Verweis auf Artikel 5 um ein Haar nicht Champions League spielen dürfen.

Es gab die Sorge, der Brausehersteller könnte zuviel Einfluss auf beide Vereine nehmen. Erst nachdem die engen Verbindungen zum Großteil gekappt wurden, durften beide Teams in der Königsklasse auflaufen.

Eignet sich die Causa Red Bull als Präzedenzfall? Oder besteht doch noch mal ein Unterschied zwischen einem Getränkehersteller und einem islamistischen Emirat, das mit Sportswashing versucht, seinen ramponierten Ruf aufzupolieren und trotz einer katastrophalen Menschenrechtslage einer der größten Player im europäischen Klub-Fußball werden soll?

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Reichster Mann Großbritanniens bietet mit

Noch ist nicht klar, wem die Glazer-Familie den Zuschlag gibt. Neben Katar, saudischen und US-amerikanischen Investoren hat auch Jim Ratcliffe, der reichste Mann Großbritanniens, ein Angebot abgegeben.

Auch der 70-jährige ist im Fußball kein unbeschriebenes Blatt. Seinem Chemiekonzern "INEOS" gehört bereits der französische Ligue1-Klub OGC Nizza. Es ist nicht bekannt, ob Ratcliffe diesen bei einer United-Übernahme womöglich abstoßen würde.

Hoeneß fürchtet weitere Übernahmen aus Nah-Ost

Sollten die Kataris aber tatsächlich als Gewinner hervorgehen, könnte der Emir damit indirekt die Geschicke zweier Topklubs beeinflussen. Die Uefa begibt sich dabei auf einen gefährlichen Weg. Denn wer braucht schon einen Verband, der sich nicht an seine eigenen Regeln hält?

Wenn eine Gruppe weniger Mächtiger mehrere europäische Topklubs führt, ist über kurz oder lang der Manipulation Tür und Tor geöffnet.

Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß sieht das Unheil bereits nahen. In einer Talkrunde der "Neuen Presse" sagte der langjährige Manager: "Man muss fast Sorgen haben, dass gerade aus dem Nahen Osten in den nächsten ein, zwei Jahren noch einige Vereine aufgekauft werden (…) Dann wird es lustig für uns. Dann ist das Spiel ohne Grenzen aufgenommen."

Ohne Grenzen und ohne Regeln.

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