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Australian Open

Alexander Zverev: Der beste "Unvollendete" der Tennis-Geschichte - Kommentar

  • Veröffentlicht: 30.01.2026
  • 12:36 Uhr
  • Thomas Kreidemeier

Auch auf Hartplatz, auch bei den Australian Open hat Alexander Zverev gegen Carlos Alcaraz hauchdünn das Nachsehen. Wieder hat es nicht gereicht für einen Grand-Slam-Titel. Sollte sich das nicht noch ändern, ist Zverev der beste "Unvollendete" der Tennis-Geschichte. Ein Kommentar.

von Thomas Kreidemeier

Immer mal wieder sorgt Alexander Zverev für große Tennismomente - in Büros wird der Fernseher angemacht und selbst, wer eigentlich so gar nichts mit Tennis zu tun hat, guckt plötzlich gebannt hin, wenn der gelbe Filzball über das Netz geschmettert wird.

Zverev gehört zu den Top-Stars seiner Generation, einer besonderen Generation. Er steht nun schon lange auf ebenjenem Platz 3 der Weltrangliste hinter den beiden übermächtigen Carlos Alcaraz und Jannik Sinner. Er hat bereits über 500 Siege auf der ATP-Tour, dazu 24 Turniersiege. Der Deutsche kann mit jedem mithalten, kann jeden schlagen.

Doch jedes Mal, wenn die Bühne so richtig groß ist, sieht man früher oder später das gleiche Bild: Zverev kämpft wie ein Löw, liefert einen packenden Fünf-Satz-Krimi und verliert am Ende doch, egal ob nach 5 1/2 Stunden gegen Alcaraz bei den Australian Open oder selbst bei Pro Siebens Schlag den Star nach 6 Stunden gegen Silvio Heinevetter.

Anders als beispielsweise Andy Murray, der es immer mal wieder schaffte, den grundsätzlich zweifellos stärkeren Tennis-Legenden Novak Djokovic, Roger Federer und Rafael Nadal ein Schnippchen zu schlagen, bleiben bei Zverev bislang wenige Jubelmomente im Gedächtnis. Sind alle "Großen" schon raus, verliert er eben gegen Dominic Thiem - wie im Finale der US Open 2020. Bitter.

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Zverev patzt dann, wenn es zählt

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das kein Zufall ist. Dass Zverev zwar kein spielerisches Problem hat, aber eins mit Nervosität, mit Drucksituationen. Schlecht spielt er nicht unter Druck, aber eben nicht gut genug, nicht ganz so gut wie der Rest. Zverev ist ein wahnsinnig guter Tennisspieler - Alcaraz ist ein Champion.

Diesmal führte der Hamburger im entscheidenden Satz sogar 5:4 mit Break im Rücken und gab sein Aufschlagspiel in dem Durchgang ausgerechnet dann zum ersten Mal ab, als er zum Finaleinzug aufschlug. Auf dem Weg zum Sieg schien er plötzlich defensiv zu werden, nicht zum ersten Mal.

Man hat das Gefühl, mit jedem Jahr wird es schlimmer, mit jedem Bericht über den "Unvollendeten" nehmen Frust und Verzweiflung bei Zverev zu. Vielleicht auch mit diesem Kommentar.

Nicht dass es ihn in seinem Tennis groß beeinträchtigt hätte, doch die Körpersprache im Halbfinale war symptomatisch dafür: Während Alcaraz jeden Punkt abfeierte, als wäre es schon der Grand-Slam-Titel, gab es bei Zverev so absolut gar keine Jubelgesten, nur Kopf-Hängen-Lassen und ausdruckslose Miene. Man sieht die Last, die auf seinen Schultern liegt.

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Zverev hätte es sich verdient

Während Alcaraz die Chance und die Hoffnung hatte, den nächsten Grand-Slam-Titel zu holen, hatte Zverev das Risiko und die Angst, es wieder nicht zu packen. "Bring es ins Ziel" war wie so oft bei Zverev-Matches in den Köpfen der deutschen Zuschauer und wahrscheinlich auch in seinem.

Er lieferte einen Wahnsinns-Fight, hatte ein beeindruckendes Comeback, vielleicht auch ein bisschen Pech bei Alcaraz' Krampf-Pause. Er wollte es so sehr und hätte es sportlich genauso verdient gehabt wie der Spanier.

Es fiel während des Matches schwer, mit diesem Zverev kein Mitleid zu haben, selbst wenn man alle Vorwürfe kennt, die es abseits vom Tennis gegen ihn gibt, und eigentlich kein sonderlicher Zverev-Fan ist. Sein Leiden macht ihn nahbar, macht ihn menschlich.

Plötzlich ist Zverevs Ausraster wegen Alcaraz' Behandlungspause nicht mehr nervig und Stil eines schlechten Verlierers, sondern eine absolut verständliche und berechtigte Reaktion in einem emotionalen Moment. Plötzlich möchte man selbst auf den Schiedsrichter schimpfen, der Alcaraz zu bevorzugen scheint.

Zverev hat viel an sich gearbeitet, sportlich und charakterlich, hat einige Lektionen gelernt. Nicht nur diesmal gab es nach dem Matchball sofort die faire und ehrliche Umarmung für den Weltranglistenersten, sondern auch im vergangenen Jahr merkte man bereits, dass Zverev gewachsen ist. Dass er für Niederlagen weniger Ausreden sucht, sondern dem Gegner zugesteht, besser gespielt zu haben.

Der beste "Unvollendete" der Tennisgeschichte

Fakt ist: Niemand hat so viele ATP-Turniersiege, so viele Final- und Halbfinalteilnahmen bei Grand Slams, ohne einen Grand-Slam-Titel gewonnen zu haben - schon jetzt, obwohl Zverev erst 28 Jahre alt ist. Der gern genannte Marcelo Ríos war sogar mal die Nummer 1 der Weltrangliste, kann mit Zverevs Zahlen aber nicht mithalten.

Man sollte die Karriere von Zverev nicht kleinreden. Selbst wenn er der "Unvollendete" bleiben sollte - dann ist er der beste "Unvollendete", den es bislang gab.

Das ist sicher nicht der Platz in den Tennis-Geschichtsbüchern, den Zverev sich gewünscht hätte, aber immerhin ein Platz in den Tennis-Geschichtsbüchern. Und vielleicht ist die olympische Goldmedaille ja auch ein kleiner Trost - für tausende andere wäre sie ein Lebenstraum.

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