Die NFLPA sucht gemeinsam mit der NFL und Commissioner Roger Goodell nach Al... - Bildquelle: GettyDie NFLPA sucht gemeinsam mit der NFL und Commissioner Roger Goodell nach Alternativen für schmerzstillende Mittel . © Getty

München - Die National Football League ist ein hartes Geschäft. Es ist hart, es in die Liga zu schaffen. Es ist hart, in der Liga zu bleiben. Und es ist hart, seinen durchtrainierten Körper so zu pflegen, dass man ihn auch in den rund 50 Jahren nach der Karriere noch gebrauchen kann. 

In einer ran.de-Kolumne schrieb der deutsche Ex-Profi Sebastian Vollmer schon 2017: "Du bist wie ein Fahrzeug, das immer wieder repariert und zurück auf die Straße geschickt wird. Nur: Diese Verletzungen heilen fast nie richtig aus. Denn es wird ja trotzdem jeden Tag weiter trainiert. Der Körper hat überhaupt keine Zeit zur Regeneration. Natürlich sind das große Schmerzen – aber man kann dennoch spielen."

Man kann spielen und man muss spielen. Frei nach dem Motto von Hall-of-Fame-Coach Bill Parcells: "The most important ability is availability" - "Die wichtigste Fähigkeit ist Verfügbarkeit".  Denn es gibt keinen Spieler, der nicht ersetzt werden kann. 

Um also gegen die Schmerzen anzuspielen, den Stammplatz zu behalten und weiter konkurrenzfähig zu bleiben, schlucken viele NFL-Profis Schmerzmittel. Dabei besteht teilweise große Suchtgefahr. 

NFL: Quarterback-Legende Jim McMahon schluckte "100 Tabletten im Monat"

"Ich habe im Monat locker über 100 Percocets (eine Fixkombination des Schmerzmittels Paracetamol und des Opioids Oxycodon) geschluckt, um aus dem Bett zu kommen und zu funktionieren", erzählte beispielsweise Jim McMahon, der die Chicago Bears als Quarterback zum Super-Bowl-Titel 1985 führte, im "AP Pro Football Podcast". 

"Als ich nach Arizona gezogen bin, habe ich dann eine medizinische Marihuana-Lizenz bekommen. Seitdem nutze ich es, mein Körper fühlt sich mittlerweile deutlich besser. Mein Verstand ist klarer. Es hat Wunder für mich bewirkt." 

Da McMahon nur einer von vielen Profis ist, die schlechte Erfahrungen mit diversen Opioiden gemacht haben, prüft die NFL nun weitere Möglichkeiten, um den Spielern in Sachen Schmerzmanagement zu helfen. 

Wie die "Associated Press" berichtet, arbeitet die Liga mit der Spielergewerkschaft NFLPA zusammen und hat Forscher engagiert, die auf der Suche nach Alternativen für Opioide Unterstützung leisten sollen. Das ist eine kleine Revolution.

NFL will Mittel wie Cannabidiol unter die Lupe nehmen 

Dabei sollen auch Cannabidiol und anderweitige - von Cannabis abgeleitete Mittel - geprüft werden. Ziel sei es, den Spielern bei der Genesung von sport-spezifischen Verletzungen am Bewegungsapparat zu helfen. 

"Wir alle verstehen, dass die angemessene Behandlung von Schmerzen ein wichtiger Aspekt in der Sport-Medizin ist. Darum schauen wir uns neue Methoden und Techniken zur Schmerztherapie an, die sicherer und effektiver sind als der Einsatz von Opioiden", so Dr. Allen Sills, der Chef-Mediziner der NFL gegenüber der "Associated Press". 

Was Cannabidiol angeht, gebe es laut Sills derzeit nur wenig Forschungsergebnisse. Es sei noch nicht ganz sicher, wie diese die Leistung der "Elite-Athleten" in der NFL beeinflussen würden. 

NFL: Erforschte Mittel dürfen Leistung unter keinen Umständen mindern

"Wenn es ein Medikament gibt, das verursacht, dass ein Spieler ein paar Prozentpunkte an Speed, Kraft oder ähnlichem verliert, dann ist das ein erheblicher Nachteil dieses Medikaments." Diese Themen müssten genauestens überprüft werden. 

Die Wirkung der Mittel sei genauso wichtig, wie die Nebenwirkungen, "weil der Athlet mit Vorteilen von Millisekunden gegenüber anderen Spielern sein Geld verdient." 

Die Unterstützung der Forscher und Wissenschaftler soll dahingehend nun Aufklärung bieten. 

NFL machte mit neuem CBA erste Lockerungs-Schritte 

Schon im vergangenen Jahr machte die NFL erste Schritte in Richtung einer Lockerung des Cannabis-Verbots. Die Nutzung der Substanz wird zwar weiterhin nicht erlaubt, jedoch wurde mit dem neu ausgehandelten Tarifvertrag zwischen Liga und Spielergewerkschaft beschlossen, dass die Testungen nur noch auf einen Zeitraum von zwei Wochen beschränkt werden. 

Zuvor lief das Zeitfenster für zufällig durchgeführte Marihuana-Tests in der Offseason vom 20. April bis Anfang August. Ausgenommen von dieser Regeländerung sind derweil weiterhin Spieler, die in der Vergangenheit bei Überprüfungen auffällig geworden sind und somit verstärkt Tests unterzogen werden.

Auch die Strafen für überführte Profis wurden angepasst. Zu Suspendierungen kommt es nur noch bei extremer und wiederholter Missachtung der Betäubungsmittelregelungen. 

Mike James und Co. setzen sich schon länger für neue Regeln ein

In der Vergangenheit setzten sich Spieler wie Randy Gregory von den Dallas Cowboys und Mike James von den Detroit Lions verstärkt für die Cannabis-Nutzung ein. Gregory nutzte Marihuana allerdings zur Bekämpfung von Angstzuständen und Depressionen. 

Nach vier positiven Tests wurde er von der NFL suspendiert, in der Saison 2019 fiel er komplett aus.

James wurde, wie McMahon, ebenfalls abhängig von verschreibungspflichtigen, aber von der NFL zugelassenen Schmerzmitteln. 

Sein Antrag, Marihuana mithilfe einer medizinischen Ausnahmeregelung verwenden zu dürfen, scheiterte. "Ich kämpfe gegen das Establishment, um die öffentliche Wahrnehmung dieser Medizin zu ändern. Damit diene ich einem größeren Ziel für die Spieler in dieser Liga, die ich als Familie betrachte", beschrieb er 2018 seinen Aktivismus. 

Dieser scheint sich nun Stück für Stück auszuzahlen. Die Spieler werden nun hoffen, dass die Forscher mit Cannabidiol positive Ergebnisse erzielen und die Regelungen weiter angepasst werden. Denn die NFL ist und bleibt ein hartes Geschäft. 

Und um es mit Sebastian Vollmer zu sagen: "Als Spieler willst du immer spielen. Und das unter allen Umständen."

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