- Anzeige -
- Anzeige -
NBA

NBA in Tanking-Krise: Ist Abschaffen der Draft-Lottery die Lösung?

  • Aktualisiert: 19.02.2026
  • 16:55 Uhr
  • Ole Frerks
Article Image Media
© IMAGO/Anadolu Agency

Kurz vor der All-Star-Pause hat das Tanking in der NBA einen kritischen Punkt erreicht - so scheint es die Liga zumindest selbst zu sehen. Jede mögliche Lösung bringt aber ihre eigenen Tücken mit sich. Wie findet die NBA aus dieser Krise heraus?

von Ole Frerks

Am Sonntag feierte die NBA mal wieder ein Erfolgserlebnis.

Die Reform des All-Star-Games schien, trotz aller Kritik und Zweifelei im Vorfeld, zumindest für diese Ausgabe zu funktionieren: Die Spieler hatten Lust, machten das Geschehen und sich selbst dabei nicht lächerlich, versuchten, die jeweiligen kurzen Spiele tatsächlich zu gewinnen.

Es war bitter nötig - eine kleine Unterbrechung eines Sturms, der auch nach der Pause vermutlich nicht abflauen dürfte. Die Liga steht in der Kritik, bewegt sich möglicherweise auf einen Punkt zu, von dem aus es kein Zurück mehr gibt. Und das trotz der Tatsache, dass der generierte Umsatz nach wie vor wächst, das Kerngeschäft also funktioniert, gewissermaßen.

In der Realität sieht dieses Geschäft zu oft aus wie am Montag der vergangenen Woche. Da spielten die Utah Jazz gegen die Miami Heat und gewannen, obwohl das eigentlich verhindert werden sollte. Im letzten Viertel kamen die gesunden Starter Jaren Jackson Jr., Jusuf Nurkic und Lauri Markkanen allesamt nicht mehr zum Einsatz. Genau wie zwei Tage zuvor, als gegen Orlando vier von fünf Startern im Schlussviertel fehlten, um den strauchelnden Magic doch noch den Weg zurück ins Spiel zu ermöglichen (in diesem Fall mit Erfolg, also einer Niederlage als Resultat).

Es werden wohl nicht die letzten Male gewesen sein; obwohl die Liga die Jazz abstrafte und ihnen eine Geldstrafe in Höhe von 500.000 Dollar aufbrummte wegen "schädlichem Verhalten gegenüber der Liga". Für die Jazz oder Teams in ihrer Lage ist dieses Verhalten nicht schädlich, sondern zuträglich - Geldstrafe hin oder her. Und genau da liegt das Problem.

- Anzeige -
- Anzeige -

VIDEO: Shaq-A-Licious! O'Neal verteilt Süßes aus seinem Candy-Bus

- Anzeige -
- Anzeige -

Tanking in NBA: Eine symptomatische Behandlung

Wer gegen Tanking-Maßnahmen Geldstrafen verhängt, behandelt das Thema lediglich symptomatisch. Die Ursache bleibt: In der aktuellen Situation ist der Anreiz schlichtweg zu groß. Utah verfügt über einen Erstrunden-Pick im kommenden, den Experten zufolge extrem gut besetzten Jahrgang, der Top-8-geschützt ist.

Die Jazz behalten diesen also nur, wenn sie in der Lotterie einen der ersten acht Picks zugewiesen bekommen – sonst geht der Pick an OKC. Je schlechter ihre Bilanz im Ligavergleich ist (aktuell haben sie die sechstschlechteste Bilanz), desto höher ist ihre Chance, den Pick zu behalten und ein potenzielles Superstar-Talent zu draften.

Natürlich wollen sie diesen Pick um jeden Preis behalten; es ist aus Teambuilding-Perspektive der "richtige" Kurs. Wie es - kein Zufall - die Thunder bereits bewiesen haben, die ihr aktuelles Meisterteam auch dank solcher Maßnahmen kreieren konnten. Dass Shai Gilgeous-Alexander erst an drei All-Star-Games teilgenommen hat, liegt ja nicht zuletzt daran, dass OKC ihn 2020/21 und 2021/22 frühzeitig aus dem Verkehr zog, um das "Niederlagen-Potenzial" zu erhöhen.

Es ist nicht falsch, selbst wenn Teams es in ihrer Dreistigkeit von Zeit zu Zeit vielleicht übertreiben (subtiler: für All-Stars traden, die dann nicht spielen, wie es Washington mit Anthony Davis und Trae Young getan hat). Unterm Strich belohnt das System so ein Verhalten. Was nun - wieder einmal - zu der Frage führt, ob das System nicht womöglich gesprengt werden sollte.

Externer Inhalt

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram oder Youtube. Aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards, um diese Inhalte anzuzeigen.

Tanking in NBA: So geht es nicht mehr weiter. Oder?

"Was wir gerade tun, was wir sehen, das funktioniert nicht. Da besteht kein Zweifel", sagte NBA-Chef Adam Silver bei seiner alljährlichen Pressekonferenz am All-Star Weekend. Ungewöhnlich offen zeigte er sich dafür, das Draft-und-Lotterie-System zu verändern, es womöglich sogar vollständig abzuschaffen.

"Es gibt Gespräche über jede erdenkliche Lösung, um dieses Verhalten loszuwerden", sagte Silver weiter. Das war ein neuer Ton; ein Zeichen dafür, dass bei diesem Problem - anders als beim Spielplan, den die Liga weiter behandelt wie eine heilige Kuh, selbst wenn das Spielniveau darunter offensichtlich leidet - zumindest eine gewisse Diskussionsbereitschaft besteht: Dass der Leidensdruck groß genug ist, die Peinlichkeit zu präsent, um sie zu ignorieren.

VIDEO: WNBA-Star offen für Playboy-Shooting

Tanking ist zwar mitnichten ein neues Phänomen, aktuell ist die Bereitschaft aber besonders groß, die Lage besonders unangenehm: Rund ein Drittel der Saison ist nach der All-Star-Pause noch zu absolvieren und rund ein Drittel der Teams will seine Spiele nicht mehr gewinnen.

Wie könnte eine Lösung also aussehen?

- Anzeige -

Draft Lottery in NBA: Von Rädern und anderen Revolutionen

Vorschläge gab und gibt es zuhauf. Bereits vor über zehn Jahren kursierte ein Konstrukt namens "The Wheel": Dieses "Rad" würde die Lotterie eliminieren, stattdessen im Voraus determinieren, dass jedes der 30 Teams in einem Zeitraum von 30 Jahren jeden Pick genau einmal erhält (und wann). Was bedeuten würde, dass auch ein Top-Team mal an Position eins picken könnte, aber … es gäbe keinen Anreiz mehr, die eigene Bilanz in irgendeinem Jahr zu manipulieren.

Auch wäre es möglich, wie Silver andeutete, die Rookies einfach als Free Agents in die Liga zu lassen. Arbeitnehmerfreundlicher als das Draft-System wäre das - ob kleine Märkte wie OKC, Utah oder Milwaukee dann allerdings noch in der Lage wären, jemals eins der echten Top-Talente von sich zu überzeugen, wäre hier die zentrale Frage.

- Anzeige -

VIDEO: "Momentum!" Detlef Schrempf feiert deutschen Basketball ab

Andererseits würde sich die Anzahl der verfügbaren Kaderplätze nicht erhöhen, der Salary Cap bliebe bestehen und sollte verhindern, dass wenige Teams sich einfach die talentiertesten Rookies zusammenkaufen könnten. In der Theorie zumindest würde so die Verantwortung an die Franchises abgegeben werden, sich für Top-Rookies als reizvoll zu präsentieren - was bei Weitem nicht nur mit dem jeweiligen Standort zu tun hat.

Natürlich gibt es auch etliche Ideen, wie die Lotterie an sich reformiert werden könnte. Keine Top-5-Picks für Teams in aufeinanderfolgenden Jahren etwa; oder den Verlust von Lotterie-Kugeln statt Geldstrafen, wenn Tanking-"Verhalten" geahndet werden soll. Ein kleiner Schritt könnte es womöglich schon sein, Protections bei Trades von Erstrunden-Picks zu untersagen.

- Anzeige -

NBA: Ein Plädoyer für Tanking

Seine jeweiligen Tücken hat - vermutlich - jeder dieser Vorschläge, durch jede durchgeführte Maßnahme könnte ein anderer unerwünschter Effekt entstehen.

Auch gibt es durchaus nach wie vor Befürworter des aktuellen Systems. Mavs-Anteilseigner Mark Cuban etwa mahnte bei "X" an, die NBA solle sich eher darum sorgen, wie sie ihre Spiele präsentiert und für ihre Fans bezahlbar macht. Die Lotterie sei überdies ein wichtiges Werkzeug, um Hoffnung zu "verkaufen" bei den 20 bis 25 Teams, die in einer jeweiligen Saison keine echte Chance auf den Titel hätten.

- Anzeige -

Externer Inhalt

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram oder Youtube. Aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards, um diese Inhalte anzuzeigen.

Auch OKC hat in der Vergangenheit gegen Lotterie-Reformen argumentiert, schon als die Wahrscheinlichkeiten 2017 angeglichen wurden. Es sei weiterhin der beste - vielleicht der einzige - Weg für Teams wie sie, um einen Titelkandidaten zu kreieren. Ihr General Manager Sam Presti muss es wissen; ihm ist dies in knapp zwei Dekaden mit völlig unterschiedlichen Kernen zweimal gelungen.

Seine Stars kamen allesamt entweder per Trade oder per Draft, sein vielleicht "lautestes" Free-Agency-Signing war das von Isaiah Hartenstein, einem Top-Rollenspieler. Mit einer anderen Perspektive könnte OKC als Musterbeispiel dafür dienen, wie kurzzeitiges Tanking nachhaltigen Erfolg kreieren kann, und das auch in einem kleinen Markt (ein älteres Musterbeispiel: die San Antonio Spurs). Diese Perspektive möchten bloß gerade nicht viele Leute einnehmen.

- Anzeige -

Tanking in der NBA: Wie sieht der Ausweg aus?

Vielmehr scheint der Punkt erreicht, an dem der Status Quo als nicht mehr tragbar angesehen wird. Was verständlich ist, zumal diese Phase der Saison, in der die NFL nicht mehr den Großteil der Aufmerksamkeit auf sich zieht, eigentlich auch eine Chance sein könnte. Stattdessen steht bis zu den Playoffs eine Phase an, in der viele Spiele kaum noch vorzeigbar sein werden.

Und in denen die diversen Wettpartner der Liga sich womöglich darüber beschweren werden, dass bestimmte Spieler keine verlässlichen Minuten spielen, dass wenig Transparenz herrscht, dass Over/Under-Linien kaum ansetzbar sind. Das mag zynisch klingen, hat aber Berichten zufolge auch jetzt bereits zu der Geldstrafe beigetragen, die Silver den Jazz aufgebrummt hat.

VIDEO: Dwight Howard und Icke mit legendärer Cookie-Challenge

- Anzeige -

Es ist schlichtweg die Realität, dass bis dato jede Entscheidung mit der Frage im Hinterkopf getroffen wurde, wie der Nettoprofit der Liga dadurch beeinflusst wird. Manchmal sogar nur mit dieser Frage. Was auch mit dazu führt, dass der Spielplan weiter bei 82 Spielen steht, obwohl weniger Spiele ja auch das Tanking-Zeitfenster drastisch verkleinern könnten.

Es wird entsprechend spannend sein zu sehen, welche Schlüsse Silver und Co. nun ziehen. Ob sie es schaffen, die Liga aus dieser Krise herauszuholen, ohne dabei mehrere neue zu kreieren. Es ist gut möglich, dass sich am Ende an dieser Thematik - und nicht etwa an neuen Prestige-Projekten wie NBA Europe - entscheidet, wie die Ära Silver in der Zukunft bewertet wird.

News und Videos zur NBA
Orlando Magic v Memphis Grizzlies - NBA, Basketball Herren, USA London 2026 LONDON, UNITED KINGDOM - JANUARY 18: Franz Wagner (22) of Orlando Magic in action during the NBA London 2026 game between...
News

Wagner fehlt Magic erneut: Berlin Game schuld?

  • 19.02.2026
  • 14:19 Uhr