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NBA-Kolumne - Oklahoma City Thunder: Kann das jüngste Team auch das beste sein?

  • Aktualisiert: 27.02.2024
  • 13:03 Uhr
  • Ole Frerks
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Die Oklahoma City Thunder gehören zu den besten Teams der Liga. Können sie auch Meister werden? Daran scheiden sich die Geister – vor allem aufgrund ihrer Jugend. Eine Schwachstelle scheinen sie momentan aber selbst auszumerzen.

von Ole Frerks

Die Western Conference 2024 ist pures Chaos. Zehn Teams wollen in die Playoffs und wären auch nicht mit dem puren Auftreten in der ersten Runde zufrieden; im Gegenteil, selbst für das eine oder andere derzeit im Play-In rangierende Team käme ein Erstrundenaus einem Desaster gleich.

An der Spitze ist noch vieles unklar, aber auch dazwischen. Selbst die zehntplatzierten Warriors können nach einer zuletzt guten Phase noch leise vom direkten Playoff-Platz träumen. Die längste Siegesserie der Conference allerdings hält aktuell ein Team, das sich bereits auf dem geteilten ersten Platz befindet.

Die OKC Thunder stehen bei fünf in Folge und positionieren sich mehr und mehr, um am Ende mit dem First Seed in die Postseason zu gehen. Tiebreaker gegen Denver und die Clippers halten sie schon, gegen Minnesota ist das Saisonduell ausgeglichen (2-2), folglich müssten hier bei am Ende gleicher Bilanz andere Kriterien entscheiden. Allerdings stehen pro Team auch noch 25 Spiele an.

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OKC Thunder: Normal ist anders

Schon jetzt ist klar, dass die Thunder ein seriöses Team sind – und dass sie nahezu alle Kriterien dafür erfüllen, ein echter Titelkandidat zu sein. Obwohl sie damit Gesetze brechen würden: Im gesamten Kader gibt es kaum Playoff-Erfahrung. Die drei besten Spieler sind 25, 22 und 21 Jahre alt, einer davon noch ein Rookie. Vor der Saison hatten nur die Spurs einen jüngeren Kader nach Durchschnittsalter.

Normalerweise marschieren solche Teams nicht einfach durch die Playoffs, nachdem sie im Jahr zuvor im Play-In scheiterten. Normal ist bei den Thunder aber grundsätzlich nicht viel; Shai Gilgeous-Alexander ist ein Guard, der nicht vom Perimeter, sondern in und um die Zone dominiert. Chet Holmgren ist der größte Spieler und beste Shooter in der Starting Five.

Das Team ist klein (nach konventioneller Körpergröße gemessen; die kollektive Armspannweite ist üppig), schmal und schwach beim Rebound und stellt trotzdem die viertbeste Defense der Liga. Neben der drittbesten Offense (nur die Celtics rangieren in der Top 3 bei Offense und Defense), in der jeder Spieler ein Playmaker sein darf und soll.

OKC ist etwas eigenartig – nach vielen Maßstäben aber das ausgeglichenste Team im Westen. Das jetzt schon exakt so viele Siege eingefahren hat wie in der Vorsaison (40). Ihrem Net-Rating zufolge könnte es in dieser Saison für 61 Siege reichen, was einen neuen Franchise-Rekord bedeuten würde.

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Das Frühstück aufgegessen

Kurios ist dabei, dass die Thunder ihrem eigenen Zeitplan ein ganzes Stück enteilt sind. Vor der Saison mahnte General Manager Sam Presti noch zur Vorsicht und sagte, die Franchise müsse "erstmal unser Frühstück beenden", im Sinne von: Nichts überstürzen, wir sind jung und befinden uns immer noch im Datensammel-Modus. Mit einem Sprung wurde bei Optimisten gerechnet, aber nicht unbedingt direkt an die Spitze der gesamten Liga.

Genau das ist jedoch die Realität. SGA hat seine tolle Vorsaison bestätigt und ist Stand jetzt einer der zwei Topfavoriten auf den MVP-Award – der Kanadier hat nahezu nie ein schlechtes Spiel, kommt mit traumwandlerischer Sicherheit an seine 30 Punkte, führt die Liga dazu bei den Steals an. Er spielt mit einem Selbstvertrauen, das sich auf das gesamte Team übertragen hat.

Er ist jedoch mitnichten alleine. OKC verfügt über eine legitime Big 3, zum ersten Mal seit der kurzen Durant-Westbrook-Harden-Ära. Im Gegensatz zu den drei ehemaligen MVPs ist der Fit zwischen Shai, Holmgren und Jalen Williams aber sogar makelloser, und der restliche, sehr tiefe Kader ergänzt das Trio prächtig. Es gibt nur einen prominenten Ausreißer.

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Josh Giddey: Das schwarze Schaf?

Vor der Saison konnte Josh Giddey noch als viertes Kernstück angesehen werden. Die Entwicklung des Australiers verläuft jedoch nicht im Gleichschritt mit den anderen, im Gegenteil. Objektiv betrachtet ist seine dritte Saison ein Rückschritt in nahezu allen relevanten Kategorien, ungeachtet seiner extra curricularen Probleme, die mittlerweile beigelegt sind.

Auf dem Court ist Giddey momentan der Fehler in der Matrix, so harsch das klingt. Seine besten Fähigkeiten – Passing, On-Ball-Creation – werden nur bedingt gebraucht, zumal OKC fast immer bessere Optionen hat. Stattdessen kommt eher das Negative zum Vorschein: Giddeys Wurf stagniert (32,7% Dreier), weshalb er entweder gar nicht oder von Bigs verteidigt wird, die anderswo aushelfen.

Mit seinem Drive kann er das nicht bestrafen, er gehört zu den schlechtesten Finishern am Ring in der Liga. Grundsätzlich ist Scoring … schwierig. Unter allen Spielern ligaweit, die wenigstens 24 Minuten pro Spiel sehen, hat er die viertschlechteste True Shooting Percentage (52%).

Giddey schränkt das Spacing massiv ein und erschwert es seinem Team, Vorteile zu kreieren. Hinten kann er leicht attackiert werden. Die Zahlen sind eindeutig: Das Net-Rating der Thunder ist insgesamt um 6 Punkte schlechter, wenn Giddey auf dem Court steht. Spielen die anderen Starter mit Isaiah Joe statt Giddey, beträgt das Net-Rating laut Cleaning the Glass unfassbare +40,8 (mit Giddey: +5).

Josh Giddey muss langsam weichen

Mark Daigneault hat dies natürlich auch realisiert. Der mögliche Coach of the Year hat Giddey nicht fallen gelassen, Spielanteile und -minuten werden mittlerweile jedoch reduziert. Giddey sieht weniger Minuten als in den letzten Jahren (24,8 pro Spiel), wird am Ende enger Spiele kaum eingesetzt. Gegen die Clippers nahm Joe kürzlich in der zweiten Halbzeit seinen Platz in der "Starting Five" ein, um ernst zu machen. Gut möglich, dass dies in den Playoffs normal sein wird.

Es gibt ohnehin Optionen. Presti angelte sich zur Deadline in Gordon Hayward einen weiteren Spieler, der zwar noch herangeführt werden muss (bisher 2,7 PPG in drei Spielen), in der Theorie aber eine besser passende Crunchtime-Alternative zu Giddey darstellen kann. Joe, Cason Wallace oder Kenrich Williams stehen ebenso jederzeit bereit, um ihn zu ersetzen.

Es wird spannend zu sehen, wie die Thunder über den Rest der Saison und darüber hinaus mit dieser Personalie umgehen – Giddey ist noch immer erst 21 und zweifelsohne ein talentierter Spieler, vielleicht jedoch einfach kein optimaler Fit. Sein Rookie-Vertrag geht noch bis zum Sommer 2025, es ist eher nicht damit zu rechnen, dass kommenden Sommer vorzeitig verlängert wird.

2022er Draft: Doppelter Hauptgewinn

Für den Moment ist er schlichtweg überholt in der Hackordnung. Die Thunder sind in der schönen und luxuriösen Situation, dass sie ihren Top-Pick von 2021 nicht zwingend brauchen und ihren höchsten Pick von 2020 (Aleksej Pokusevski) vor wenigen Tagen sogar entlassen konnten, ohne dass sich irgendjemand daran stört. Im 2022er Draft haben sie eben den Hauptgewinn gezogen – doppelt.

Paolo Banchero mag der erste (sehr kontroverse) All-Star dieses Jahrgangs sein, dennoch ist es gut möglich, dass die beiden wichtigsten Thunder-Picks von 2022 bei einem Re-Draft heute bei vielen Executives die Plätze eins und zwei (statt zwei und zwölf) belegen würden.

Holmgren spielt mit einem Jahr Verzögerung ein Rookie-Jahr, das ihm in fast allen Jahren (lies: ohne Victor Wembanyama) ziemlich sicher den Rookie of the Year-Award bescheren würde. Der Big Man ist schon jetzt ein elitärer Ringbeschützer, trotz der schmalen Statur. Vorne ist er effizient, smart, ein perfekter Fit für das Daigneault-System.

J-Dub: Die perfekte Nummer zwei

Williams fliegt neben SGA und Chet bisweilen etwas unter dem Radar, ist aber selbst schnurstracks auf Kurs Richtung All-Star-Ehren oder sogar mehr. Der Swingman hat sich im Vergleich zu seiner Rookie-Saison noch einmal massiv verbessert, trifft sensationelle 45% seiner Dreier und wird immer häufiger auch als Initiator eingesetzt.

J-Dub ist erst 22 Jahre alt und hat nahezu keine Schwachstellen in seinem Spiel; mittlerweile zeigt er sehr regelmäßig Shai-artige Drives und Finishes, hat aber auch bereits einen der besseren Stepback-Jumper in der Liga. Er ist eine Nummer zwei neben Shai, wie man sie sich kaum besser hätte vorstellen können, zumal er – wie Chet – auch defensiv einen großen Beitrag leistet und neben Lu Dort als zweiter Stopper auf dem Flügel eingesetzt werden kann.

Diese Big 3 steht am Anfang ihrer Entwicklung. Sie ist der Hauptgarant dafür, warum OKC die vielleicht rosigste Zukunft aller NBA-Teams hat. Ein weiterer Grund sind die 600.000 Erstrundenpicks, die Presti in etlichen Trades angehäuft hat und die es OKC über Jahre ermöglichen wird, kostengünstig Talent zu dem Kern zu addieren, der sich jetzt schon versammelt hat.

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Bereit für nachhaltigen Erfolg?

Es gibt natürlich keine Garantien, aber diese Picks erhöhen die Chance für einen nachhaltigeren Erfolg, als ihn die erste Big 3 der Thunder-Ära einst hatte.

All das ist jedoch Zukunftsmusik. OKC ist in der Gegenwart schon ernst zu nehmen. Den Regeln zufolge müssten die Thunder erst einmal Playoff-Luft schnuppern und enttäuscht werden, bevor es für ganz große Würfe reicht, und möglich ist ein frühes Aus natürlich.

Aber will sich irgendjemand darauf verlassen? Es ist nicht normal, was hier entsteht. Wenn sich irgendein Team über alte, heilige Regeln hinwegsetzen kann, ist es womöglich ja dieses.

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